Arbeit: Das Arbeitszeugnis als Klassiker hat ausgedient
Hat das traditionelle Arbeitszeugnis ausgedient? In der Schweiz gibt es eine Initiative, die alles auf den Kopf stellt.

Das Wichtigste in Kürze
- Arbeitnehmende haben Anspruch auf ein Arbeitszeugnis.
- Oft ist das klassische Arbeitszeugnis sehr umfangreich verfasst.
- Das Arbeitszeugnis 2.0 ist neu gedacht: kurz und knackig auf einer Seite.
Wer kennt das nicht: Ein neuer Job ruft und (hoffentlich) pünktlich zum Austritt hältst du dein Arbeitszeugnis in der Hand. Darin steht ein ausführlicher Text über deine Leistungen und Sozialkompetenzen, die du aus Sicht deiner Vorgesetzten im Betrieb eingebracht hast.
Und wer schon länger im Berufsleben ist, weiss es ziemlich sicher: Entweder ist der Text knackig und kurz (und entspricht vermutlich nicht den üblichen Vorgaben) oder aber er ist ziemlich umständlich geschrieben und strotzt nur so von «gestelzter Sprache». Ein Grund, um das Thema «Arbeitszeugnis» neu zu denken.
Das Arbeitszeugnis 2.0
Vor ein paar Jahren hatte Manuel Wiesner, Gastronom und Initiant des Projekts eine Idee. Eine neue Form des Arbeitszeugnisses sollte geschaffen werden: «Wir wollten die Floskeln abschaffen, echte Aussagen ermöglichen und auch die Führungskräfte entlasten», sagt er.
Die Idee nahm Gestalt an und wurde in den darauffolgenden Monaten weiterentwickelt. 2024 haben die Initianten einen Verein gegründet und ihre Vision intensiv weiterverfolgt.
In der Kürze liegt die Würze
Wie sieht das Arbeitszeugnis 2.0 konkret aus? Das Arbeitszeugnis soll Stärken und Leistungen klarer aufzeigen. Dies in Form von Grafiken und auf nur einer A4-Seite. Das Konzept basiert auf Studien, Umfragen und psychologischen Erkenntnissen. Mehr zum Aufbau erfährst du unter: ARBEITSZEUGNIS 2.0 | Erfahren Sie mehr
Mittlerweile sind es 56 Firmen und Personen, die sich als Vereinsmitglieder offiziell zum neuen Zeugnis bekennen. 130 Abonnenten lesen bereits den Newsletter. Die Mitglieder treiben das Projekt aktiv voran, darunter Unternehmen aus allen Branchen, wie zum Beispiel aus der Energiebranche, der Gastronomie, dem Bankensektor oder dem Softwarebereich.
Ein Meilenstein war der komplette Rollout des Arbeitszeugnisses 2.0 bei der Graubündner Kantonalbank Anfang September 2025. Auch andere Unternehmen und Organisationen schliessen sich dem an.
Es gibt auch Kritikpunkte
Was denken die Arbeitnehmenden darüber? Kritikerinnen und Kritiker befürchten, dass persönliche Wertschätzung in einem standardisierten Zeugnis verloren gehen könnte. Die Initianten halten dagegen: Anerkennung und Feedback gehören ins Mitarbeitendengespräch, nicht primär ins Dokument. Kein Zeugnis, egal in welcher Form, könne echte Kommunikation ersetzen. Für komplexe Funktionen oder Führungspositionen bleibt Raum für Ergänzungen, wie durch ein zusätzliches Referenzschreiben.
Rechtliche Regelung bleibt bestehen
Auch mit neuen Formaten bleibt der gesetzliche Anspruch auf ein wohlwollendes und wahrheitsgetreues Arbeitszeugnis bestehen. Arbeitnehmende können weiterhin verlangen, dass Leistungen und Verhalten korrekt und fair dargestellt werden, unabhängig von der Form.
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