Arbeit: Faule Eier im Betrieb

Angestellte Schweiz
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Olten,

Was es mit uns macht, wenn die lauten Mitarbeitenden belohnt werden und die leisen untergehen.

Symbolbild Arbeit
An alle Führungskräfte: Mitarbeitende verbinden, stärken und tragfähige Teams bauen. - zVg

Das Wichtigste in Kürze

  • Manche Menschen überzeugen mit Worten statt mit Leistung. Das kann frustrierend sein.
  • Zeig was du leistest, um deine Arbeit sichtbar zu machen.
  • Teamarbeit ist das Ziel: fair arbeiten, verlässlich handeln, solidarisch zusammenstehen.

Montagmorgen, kurz nach acht. Die Kaffeemaschine läuft auf Hochtouren, die Postfächer sind voll, die ersten Deadlines stehen bereits vor der Tür. Ein Teil des Teams hat sich still an die Arbeit gemacht, priorisiert, telefoniert, schreibt E-Mails, löst Probleme. Es ist dieses unspektakuläre, verlässliche Funktionieren, das den Laden am Laufen hält.

Und dann gibt es die anderen.

Sie sind auffällig oft in Meetings, sprechen viel über Projekte, an denen sie nur am Rande beteiligt sind, oder präsentieren Ergebnisse, die vor allem auf der Arbeit anderer beruhen. Wenn es operativ wird, wenn es darum geht, Verantwortung zu übernehmen, sind sie plötzlich schwer erreichbar. Dann aber sind sie zur Stelle, wenn es darum geht, ihre Leistungen sichtbar zu machen, insbesondere gegenüber Vorgesetzten.

Was hier passiert, ist kein Einzelfall. Viele Beschäftigte, die eher im Hintergrund arbeiten, kennen solche Situationen. Und sie hinterlassen Spuren.

Frust bei Mitarbeitenden

Denn während einige Mitarbeitende die Arbeit machen und die anderen nichts tun, wächst bei den Fleissigen der Frust. Nicht nur wegen der zusätzlichen Belastung, sondern auch wegen der fehlenden Anerkennung – ein Zusammenspiel aus Wahrnehmung, Dynamiken im Team und strukturellen Fehlanreizen.

Der Dunning-Kruger-Effekt

Ein Erklärungsansatz dafür ist der sogenannte Dunning-Kruger-Effekt. Dahinter steckt die Beobachtung, dass Menschen mit geringerer Kompetenz dazu neigen, ihre eigenen Fähigkeiten zu überschätzen, während kompetente Personen ihre Leistungen eher kritisch einschätzen.

Anders gesagt: Wer wenig beiträgt, ist sich seiner Defizite oft weniger bewusst und tritt entsprechend selbstbewusst auf. Wer viel leistet, zweifelt eher, hinterfragt sich, bleibt zurückhaltender.

Symbolbild Arbeit
Keine «faulen Eier» im Team bitte, sondern gemeinsam leisten. - zVg

Übertragen auf den Arbeitsalltag kann das bedeuten: Die Lautesten wirken kompetent, die Verlässlichen bleiben im Hintergrund. Und genau hier entsteht eine gefährliche Schieflage. Denn wenn nicht mehr die tatsächliche Leistung zählt, sondern vor allem deren Inszenierung, hat das Folgen. Für die Motivation im Team, für die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, und letztlich auch für die Qualität der Arbeit.

Wer dauerhaft mehr trägt, ohne dass dies gesehen oder gewürdigt wird, wird sich früher oder später zurückziehen. Und wer erlebt, dass Selbstdarstellung erfolgreicher ist als Substanz, wird sich anpassen oder innerlich kündigen.

Was du selbst tun kannst

Für Unternehmen ist das ein ernstes Problem. Für Beschäftigte ebenso.

Was kannst du selbst tun, wenn du dich in einem solchen Umfeld wiederfindest?

1. Die eigene Arbeit sichtbar zu machen. Nicht im Sinne von Selbstdarstellung, sondern von Transparenz.

2. Klare Absprachen im Team unterstützen. Je transparenter Aufgaben verteilt sind, desto schwieriger wird es, sich dauerhaft zu entziehen oder fremde Leistungen zu vereinnahmen.

3. Das Ansprechen von Ungleichgewichten gehört dazu. Sachlich, konkret und ohne persönliche Angriffe.

4. Führungskräfte sind gefordert: Wer trägt tatsächlich zum Ergebnis bei? Wer übernimmt Verantwortung, auch wenn es nicht sichtbar ist? Wo werden falsche Anreize gesetzt, die Selbstdarstellung belohnen statt Leistung?

Teamarbeit ist gefragt

Gerade in Zeiten hoher Arbeitsbelastung ist es entscheidend, dass sich alle am gleichen Strick ziehen. Wo das nicht gelingt, wird aus Zusammenarbeit schnell ein Wettbewerb um Sichtbarkeit mit allen negativen Folgen. Gute Arbeit braucht mehr als individuelle Anstrengung. Sie braucht Fairness, Verlässlichkeit und ein gemeinsames Verständnis von Solidarität im Team.

Schau für dein Team genauer hin: Nicht, um Schuldige zu suchen, sondern um Leistung sichtbar zu machen und Zusammenarbeit wieder als das zu verstehen, was sie sein sollte. Am Ende entscheidet nicht, wer am lautesten auf sich aufmerksam macht, sondern wer verlässlich dazu beiträgt, dass Arbeit gelingt.

Unser Ziel sollte sein, dass aus «faulen Eiern» wieder tragfähige Teams werden.

Gibt es bei dir «faule Eier» im Team?

Was ist der Dunning-Kruger-Effekt?

Eine Kognitive Verzerrung, bei der Menschen mit geringer Kompetenz ihre Fähigkeiten überschätzen, während Kompetente sich eher unterschätzen. Ursache ist fehlende Selbsteinschätzung und Selbstreflexion. Fachliteratur: D. Dunning & J. Kruger (1999).

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