Bildung: Der Einfluss der sozialen Herkunft auf die Bildungschancen

Redaktion
Redaktion

Bern,

Bildung gilt als zentraler Schlüssel zur Chancengleichheit. Doch wie gleich sind die Chancen in der Schweiz wirklich?

Bildung
Soziale Unterschiede wirken sich auf die Förderchancen von Kindern aus. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Fast die Hälfte der Uni-Studierenden in der Schweiz hat Eltern mit Hochschulabschluss.
  • Die soziale Herkunft prägt den Bildungsweg schon vor der Hochschule.

Die Zahlen vom Bundesamt für Statistik (BFS) lassen aufhorchen: 2024 stammten 49,9 Prozent der Studierenden an Schweizer Hochschulen aus Familien, in denen mindestens ein Elternteil einen Hochschulabschluss hatte.

Haben in der Schweiz alle die gleichen Bildungschancen?

Ist die berühmte Tellerwäscherkarriere heute noch realistisch möglich? Oder sollte man Aussagen wie «Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied» heute kritischer betrachten?

Bildung als Grundrecht für alle

In der Schweizer sollen alle die gleichen Bildungschancen haben. Die Bundesverfassung hält fest, dass die Schweiz für eine möglichst grosse Chancengleichheit unter den Bürgerinnen und Bürgern zu sorgen hat. Das gilt für den Bildungs-, Forschungs- und Innovationsbereich und ist ein Verfassungsauftrag.

Bildung
Auch wenn grundlegende Gesetze in der Bundesverfassung verankert sind, sind hauptsächlich die Kantone für die Bildung zuständig. - keystone

Man dürfte also davon ausgehen, dass die Chancengleichheit besteht. Ein Blick auf die Studien des BFS und dem Institut für Schweizer Wirtschaftspolitik (IWP) zeigt ein etwas anderes Bild.

Die soziale Herkunft prägt die Chancengleichheit

Ob jemand sein Potenzial entfalten kann, hängt stark davon ab, aus welchem Elternhaus man kommt. Zahlen des BFS, die 2025 veröffentlicht wurden, zeigen: An Schweizer Fachhochschulen haben 37,3 Prozent der Studierenden mindestens ein Elternteil mit einem Hochschulabschluss. An Schweizer Universitäten liegt dieser Anteil sogar bei 59,5 Prozent.

Bildung
An Schweizer Hochschulen ist der Einfluss der sozialen Herkunft am stärksten zu beobachten. - keystone

Unterschiede im Bildungsstand der Eltern zeigen sich schon vor dem Eintritt in die Hochschule. Sie beeinflussen die Bildungswege, zum Beispiel bereits bei der gymnasialen Maturität, der Fachmaturität oder der Berufsmaturität. Diese Abschlüsse bestimmen später, welche Hochschulen besucht werden können.

Die Schweiz im internationalen Vergleich

In der Schweiz ist das Bildungsniveau im Vergleich zu anderen Ländern hoch. In der PISA-Studie 2022 lag die Schweiz unter 43 Ländern auf Rang zehn.

Ein 2026 veröffentlichter UNICEF-Bericht zeigt jedoch auch deutliche Ungleichheiten auf. Die Leistungsdifferenzen zwischen Schulkinder aus einkommensschwachen und einkommensstarken Familien betragen in der Schweiz 45 Prozent.

Damit gehört die Schweiz zu den Ländern mit den grössten schulischen Leistungsunterschieden. Zwar fängt das Sozialsystem in der Schweiz existenzielle Armut auf, doch es reduziert Unterschiede in den Startchancen nur begrenzt.

Bildung
Die Schweiz hat ein hohes Bildungsniveau, doch es gibt noch Verbesserungsmöglichkeiten. - keystone

Um die Chancengerechtigkeit zu verbessern, sind Massnahmen auf verschiedenen Ebenen hilfreich. Besonders wichtig ist die frühe Förderung in der Kindheit. Kinder, die in dieser entscheidenden Entwicklungsphase gezielt unterstützt werden, können ihr Potenzial besser entfalten.

Auch ein harmonisierter Bildungsplan sowie eine verstärkte Unterstützung von armutsbetroffenen Kindern können dazu beitragen, gleiche Bildungschancen für alle zu schaffen.

Mehr zum Thema:

Kommentare

Weiterlesen

Bildung
3 Interaktionen
Schulabbruch
Bildung
16 Interaktionen
Bildung
Bildung
4 Interaktionen
Bildung

MEHR BILDUNG

Bildung
170 Interaktionen
Bildung
Bildung
14 Interaktionen
Bildung
kissling gastbeitrag
121 Interaktionen
Wendepunkt Bildung
Bildung
48 Interaktionen
Bildung

MEHR AUS STADT BERN

Bern Pride
Kurz vor CSD-Terror
11 Interaktionen
Trotz Hitze
6 Interaktionen
Um 257 Leute
Lamine Yamal
77 Interaktionen
Gewusst?