Bildung: Schulabbruch und der Weg zurück
Viele Jugendliche verlassen die Schule ohne Abschluss. Doch warum eigentlich, und wie gut stehen die Chancen, später trotzdem den Anschluss zu schaffen?

Das Wichtigste in Kürze
- Rund 90 Prozent der Schweizer Jugendlichen erreichen einen Abschluss der Sekundarstufe II.
- Wer abbricht, hat dank Brückenangeboten gute Chancen auf einen Wiedereinstieg.
- Auch im hohen Alter ist es möglich, den Abschluss noch nachzuholen.
Wer die Schule verlässt, steht in der Schweiz vor einer wichtigen Entscheidung für den späteren Bildungsweg. Die meisten treten danach in eine Berufslehre oder eine Mittelschule über. Doch nicht jeder Weg verläuft perfekt und einige brechen ihre Ausbildung später wieder ab.
Der Begriff Schulabbruch meint hier vor allem den fehlenden Abschluss auf der Sekundarstufe II. Das sind Jugendliche ohne Berufsattest, ohne Fähigkeitszeugnis und ohne Matura. Bildung ist in der Schweiz eng mit dem Arbeitsmarkt verknüpft, weshalb dieser Status oft nachwirkt.
Wie das Bundesamt für Statistik in einer Auswertung von 2024 zeigt, erreichen rund 90 Prozent der jungen Erwachsenen einen Abschluss der Sekundarstufe II. Das bildungspolitische Ziel von 95 Prozent bleibt damit ausser Reichweite.
Bildung: Warum es zum Abbruch kommt
Die Gründe für einen Abbruch sind selten eindeutig. Schulische Überforderung, fehlende Unterstützung zu Hause und finanzielle Sorgen treten oft gemeinsam auf. Oft fühlen sich Schüler mit bestimmten Lehrern auch nicht wohl.

Wie die Schweizerische Koordinationsstelle für Bildungsforschung im Bildungsbericht von 2023 beschreibt, lassen sich zwei etwa gleich grosse Gruppen erkennen. Die einen erfüllen die schulischen Voraussetzungen für eine Lehre nicht. Die anderen scheitern erst während der laufenden Ausbildung.
Auch der Wohnort spielt eine Rolle. In grossen Städten liegt die Abschlussquote oft tiefer als auf dem Land. Hier mischen sich Sprache, Einkommen und die Zusammensetzung der Quartiere. Solche Muster zeigen, dass ein Abbruch selten allein an der einzelnen Person liegt.
Oft kündigt sich ein Abbruch früh an, etwa durch einen Leistungsabfall. Werden solche Signale ernst genommen, lässt sich mit dem Kind oft noch reden. Deswegen sollten Eltern auch lieber mehr als zu wenig ihrem Kind zuhören.
Was der Abbruch bedeutet
Ein fehlender Abschluss schliesst niemanden dauerhaft aus, erschwert den Einstieg aber spürbar. Ohne Zertifikat steigt das Risiko für Arbeitslosigkeit, und die Löhne fallen im Schnitt tiefer aus.
Wer früh aussteigt, verliert zudem den Anschluss an geregelte Lernumgebungen. Langfristig kann ein fehlender Abschluss auch die Gesundheit und die soziale Teilhabe belasten.

Ein anerkanntes Diplom verbessert die Position auf dem Arbeitsmarkt messbar. Es öffnet später auch den Zugang zur höheren Bildung.
Schule, Eltern und Lehrbetrieb tragen dabei gemeinsam Verantwortung. Eine sorgfältige Berufswahl senkt das Risiko eines späteren Ausstiegs deutlich. Auch eine gute Begleitung im Betrieb hält viele Jugendliche in der Ausbildung.
Wege zurück ins System
Ein Abbruch ist in der Schweiz selten das Ende. Wie das Bundesamt für Statistik in einer Erhebung von 2023 festhält, steigen rund 80 Prozent der Jugendlichen nach einer Lehrvertragsauflösung wieder in eine Ausbildung ein. Nur etwa ein Fünftel verschwindet vorerst ganz aus dem System.
Für den Wiedereinstieg stehen mehrere Angebote bereit. Brückenangebote überbrücken die Zeit zwischen Schule und Lehre und festigen schulische Grundlagen.

Manchmal ist ein Wechsel des Anforderungsniveaus sinnvoll. Wer eine drei- bis vierjährige Lehre nicht schafft, kann oft auf eine zweijährige Grundbildung mit Berufsattest umsteigen. Dieses Attest lässt sich später zu einem Fähigkeitszeugnis ausbauen.
Auch Erwachsene haben Möglichkeiten. Über den Berufsabschluss für Erwachsene lässt sich ein eidgenössisches Fähigkeitszeugnis nachholen. Berufserfahrung wird angerechnet, was den Weg zurück in die Bildung deutlich verkürzt.
Früher Kontakt zu einer Beratungsstelle
Die kantonalen Berufsinformationszentren, kurz BIZ, beraten kostenlos und unabhängig. Sie helfen, eine passende Anschlusslösung zu finden, und vermitteln bei Bedarf weiter.
Der erste Schritt zurück fällt oft schwer, aber keiner braucht sich dafür schämen. Hilfreich ist, das Ziel klein zu halten und rasch zu handeln. Je kürzer die Lücke nach einem Abbruch, desto leichter gelingt der Anschluss.














