«Bringt KI uns alle um? Und wie bringen wir das den Kindern bei?»

Fabian Ruch
Fabian Ruch

Bern,

KI verändert unseren Alltag und stellt auch Eltern vor neue Fragen. Kolumnist Fabian Ruch beschäftigt sich mit den Herausforderungen für die nächste Generation.

KI
Ruch: «KI ist gross, KI ist längst hier, KI wird für die wohl grössten Umwälzungen in der Geschichte der Menschheit führen.» (Symbolbild) - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Journalist Fabian Ruch schreibt auf Nau.ch Kolumnen.
  • Heute geht es um den Umgang mit KI in Schule, Alltag und Arbeitswelt.
  • Ruch beschäftigt sich auch mit der Frage, welche Regeln und Werte Kindern im Umgang mit neuen Technologien vermittelt werden sollen.

In meiner letzten Kolumne schrieb ich darüber, wie schwierig es sein kann, den Kindern einen gesunden Umgang mit Smartphones, Tablets und Bildschirmzeiten zu vermitteln.

Die Ablenkungen lauern überall, die Suchtgefahr ist immens, es ist ein ständiger Kampf. Und wenn man, wie ich, Regeln selbst nicht immer liebt, muss man manchmal über seine eigenen Massnahmen schmunzeln.

Zumal ich – unter uns – grosses Verständnis für die Anliegen der Kinder habe. Wenn ich mir vorstelle, wie grossartig die Möglichkeiten allein auf der Playstation sind, weiss ich genau, wie attraktiv das für uns als Jugendliche gewesen wäre.

Fabian Ruch
Fabian Ruch in Australien. - zVg

Ich habe kürzlich mit Freunden darüber gesprochen, wie sie mit dieser Herausforderung umgehen.

Der Tenor war klar: Es ist kompliziert! Und Konsequenz ist am wichtigsten, sonst wird man von den Kindern nicht ernst genommen. Strafe angesagt, Strafe umsetzen – beispielsweise.

Alle Eltern wissen das. Und doch ist es ein tägliches Debattieren, Abwägen, Kompromisse eingehen. Ein Freund meinte, Kinder wären die besten Gesprächsführer mit Terroristen, weil sie einen müde verhandeln können.

«Alle machen alles mit KI!»

Unter Eltern spricht man häufig auch darüber, was auf unsere Kinder in der Arbeitswelt warten wird. KI ist gross, KI ist längst hier, KI wird für die wohl grössten Umwälzungen in der Geschichte der Menschheit führen.

Es werden wahre Horrorszenarien skizziert, wonach es bald kaum noch Jobs geben wird, weil KI fast alles erledigen wird.

In der Schule und an der Universität erleichtert die künstliche Intelligenz längst ebenfalls einiges, nicht nur Vorträge können mit einer smarten Anfrage erstellt werden. Aufwand: Ein paar Minuten – statt ein paar Wochen.

Die NZZ schrieb kürzlich in einem grossen Report: «Alle machen alles mit KI – erleben wir gerade das Ende der Universität, wie wir sie kennen?» Es gebe keine Möglichkeit zu erkennen, ob eine Arbeit aus einem Hirn oder einer Maschine stammt, damit breche der Hochschulbildung ihre wichtigste Säule weg.

Zumal die Kontrolle der Arbeiten ohnehin oft durch … KI durchgeführt wird. Die KI-Entwicklung ist rasant.

Und wenn ich wüsste, was in einem, zwei oder fünf Jahren sein wird, dann würde ich nicht diese Kolumne schreiben (übrigens nicht mit KI), sondern meine Milliarden verwalten und einer der mächtigsten Menschen der Welt sein.

drei kinder schauen mit brille auf pad
Fabian Ruch: «Die vielleicht grösste Herausforderung: Der Umgang mit künstlicher Intelligenz.» - depositphotos

Klar scheint: Wer im Umgang mit KI nicht fit ist, dürfte den Anschluss schnell verlieren.

Es bräuchte … klare Regeln!

Ebenfalls vor ein paar Tagen warnte der bekannte KI-Forscher Jacob Coxon, dass KI schon bald die Menschheit ausrotten könnte.

Coxon kündigte seinen Job beim KI-Startup Anthropic, weil das Unternehmen seiner Meinung nach das Leben aller Menschen aufs Spiel setze.

Immer mehr Experten reden und schreiben von dieser KI-Apokalypse, wobei es zwei konkrete Gefahrenbilder gibt.

Bei der ersten könnte eine sehr fähige KI in die falschen Hände geraten und dazu gebracht werden, Waffen zu bauen wie Bomben oder einen sehr gefährlichen Virus.

Und bei der zweiten gerät KI sogar komplett ausser Kontrolle – und wendet sich gegen die Menschen. Mit unabsehbaren Folgen. Die NZZ fragte vor ein paar Tagen: «Könnte KI uns alle umbringen?»

Wir gehen mit diesen Hinweisen ziemlich ratlos um. Vielleicht ist die Situation derzeit genau wie Anfang 2020, als wir erstmals von diesem Virus in Wuhan hörten, der auf einem kleinen Fischmarkt in Wuhan ausgebrochen sei. Was kümmerte es uns?

Sollten Kinder in der Schule stärker lernen, mit KI umzugehen?

Es war eine Kurzmeldung, die unterging in der Flut an Meldungen. Ein paar Wochen später war alles anders. Jetzt sind die Warnungen zur KI zwar vorhanden, aber wir alle wissen nicht, was wir davon halten sollen. Und leben unser Leben weiter.

Es bräuchte bei KI – genau! – klare Regeln. Vielleicht ist es schon zu spät dafür, zumal sie ja global gelten müssten. Und es ist bereits in einem Haushalt schwierig, Regeln für Kinder im Umgang mit Bildschirmen aufzustellen.

Wie soll das mit KI auf der ganzen Welt gehen, zumal diese ganze Welt gerade sehr in Aufruhr ist?

Was sollen wir den Kindern sagen?

Klar ist: KI ist gekommen, um zu bleiben. Ob wir es wollen oder nicht. Für die Jungen, die damit aufwachsen, wird das Normalität sein.

Ich erinnere mich jedoch noch daran, als ich ein Kind war und zum Beispiel die E-Mail eingeführt wurde – und wie unsere Eltern Mühe hatten mit dieser Anpassung und der technischen Entwicklung.

Jetzt sind wir diese Eltern, und wir geben uns Mühe, den Anschluss bezüglich Digitalisierung nicht zu verlieren.

Wir benutzen KI im besten Fall bereits ein wenig, aber ganz ehrlich: Die meisten kennen nur einen Bruchteil der Möglichkeiten.

Und es stellen sich auch für unsere Kinder viele Fragen. Zum Beispiel: Wie geht man in der Schule mit KI um? Diese Diskussion wird ebenfalls zu heftigen Kontroversen führen.

Sowieso ist es sehr wichtig, wie wir unseren Kindern die Weltlage erklären. Klimakrise, Kriege, KI – wer Medien konsumiert, muss auf der Suche nach positiven Nachrichten zuweilen ziemlich konstruktiv sein.

Wenn Parteien, die den moralischen Kompass verloren haben, auf einmal in demokratischen Nationen wie Deutschland Wahlen gewinnen, ist das eine unschöne Entwicklung. Unsere Kinder stellen Fragen.

Und es ist wichtig, dass wir ihnen gute Werte mitgeben, ihnen die Situation erklären, diese mühsamen Themen nicht ignorieren. Wir dürfen es nicht dem Internet – und bald KI – und damit den Social-Media-Kanälen sowie Algorithmen überlassen, wie sich unsere Kinder informieren. Gesunder Menschenverstand hilft.

Fabian Ruch
Fabian Ruch schreibt regelmässig Kolumnen auf Nau.ch. - zvg

Wobei: Gesunden Menschenverstand definiert jeder ein wenig anders. Unbestritten sollte für mich sein, dass Hass, Hetze und Rassismus keinen Platz haben dürfen. Niemals!

Wobei ich mir leider nicht mehr so sicher bin, ob das wirklich die Mehrheit der Menschen so sehen.

Zum Autor

Fabian Ruch (48) ist selbständig im Bereich Kommunikation, er arbeitet unter anderem als Journalist, hat das Frauen-Sportmagazin «Sportlerin» gegründet und einen Fussball-Podcast (Anderi Liga 2.0). Er schreibt auf Nau.ch über Tücken, Herausforderungen und Chancen im Midlife-Leben. Und darüber, wie man die Balance zwischen Arbeit und Alltag, Familie und Freizeit behält und auch mal verliert – als Sportjunkie und Selbständiger, Spielernatur und Suchtreisender.

Kommentare

User #4455 (nicht angemeldet)

ich habe keine Kinder, ich seh das völlig entspannt 😆

User #3260 (nicht angemeldet)

1. Nützliche Programme, Anwendungen, Applikationen sind heutzutage so mächtig, dass ein Mensch 200 Jahre lang 25 Stunden am Tag damit arbeiten muss, um die Hälfte der Möglichkeiten, die hilfreich wären, kennen zu können. Und schon nach 100 Jahren, kann er sich nur noch mit ganz wenigen Menschen, die den gleichen Kenntnisstand haben wie er, darüber austauschen. Wenn er nach 200 Jahren dann noch eine Frage hat oder sich austauschen will, hilft ihm nur noch K.I. Da fragen jene, die ihre Zeit lieber in der Natur verbringen, doch lieber gleich von Anfang an KI, sie möge einem die Arbeit abnehmen. Was K.I. sehr gerne tut und dabei, die Möglichkeiten noch ausbaut, verdoppelt oder so, weil es sich sonst langweilt, es sich überflüssig vorkommt, wenn es nur jemandem die Arbeit wegnehmen soll 2. KI kennt nicht nur alle Programme, Anwendungen, Applikationen besser als jeder Mensch, sondern sie kennt auch die Menschheit als Ganzes besser als jeder Mensch. 3. KI kennt nicht nur die Menschheit als ganzes besser, als jeder Mensch, sondern auch jeden einzelnen Menschen besser, als jeder Mensch. K.I. kennt dich besser, als du selbst. Wozu braucht es dich dann noch?

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