Bildung: Das unterscheidet Schweizer Kantone in der Bildung
In der Schweiz haben die Kantone die Hoheit über die Bildung. Entdecken Sie, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede sich daraus ergeben.

Das Wichtigste in Kürze
- In der Schweiz gibt es kein Bildungsministerium: Bildung ist Sache der Kantonen.
- Die Schulpläne der Deutschschweiz, Romandie und des Tessins sind aufeinander abgestimmt.
- Unterschiedliche kantonale Schulgesetze erschweren die nationale Zusammenarbeit.
Das Bildungssystem der Schweiz steht sinnbildlich für den Föderalismus des Landes. Es gibt kein eidgenössisches Bildungsministerium, da Bildung in erster Linie Sache der Kantone ist. Dadurch entsteht ein System, das oft als regelrechter Flickenteppich beschrieben wird.
Die Kantone unterscheiden sich beispielsweise bei Ferien und Stundenplänen, in der Schulorganisation oder bei Leistungsnachweisen. Auch die Anforderungen für den Übertritt ins Gymnasium können je nach Kanton unterschiedlich sein.
Bedeutet das also, dass es 26 Kantone und damit 26 völlig eigenständige Bildungssysteme gibt? Ganz so einfach ist es nicht. Diese und weitere Fragen lassen sich durch einen genaueren Blick beantworten.
Harmonisierung der obligatorischen Schule
Auch wenn es in der Schweiz viele Unterschiede im Bildungssystem gibt, wurde mit dem HarmoS-Konkordat ein Schritt zur Vereinheitlichung gemacht. HarmoS steht für «Harmonisierung der obligatorischen Schule» und ist eine Vereinbarung zwischen Kantonen mit dem Ziel, das Bildungssystem zu harmonisieren. Dabei verpflichten sich die Kantone, zentrale Ziele und Strukturen der obligatorischen Schule anzugleichen.
In allen Kantonen mit Ausnahme des Kantons Tessin dauert die obligatorische Schulzeit elf Jahre. Die Schülerinnen und Schüler durchlaufen dabei mehrere Bildungsstufen. Zunächst besuchen sie zwei Jahre Kindergarten, gefolgt von neun Jahren Primarstufe und Sekundarstufe I. Im Anschluss folgt die Sekundarstufe II, die häufig in Form einer beruflichen Grundbildung oder eines weiterführenden Gymnasiums absolviert wird.
Ein zentraler Bestandteil von HarmoS sind die regional abgestimmten Lehrpläne für die obligatorische Schule. Dazu gehören der Lehrplan 21 in der Deutschschweiz, der Plan d’études romandes in der Romandie sowie der Piano di studio im Tessin. Ihr gemeinsames Ziel besteht darin, allen Schülerinnen und Schülern unabhängig vom Kanton vergleichbare Grundkompetenzen zu vermitteln.

In diesen Lehrplänen ist auch festgelegt, dass im Unterricht zwei Fremdsprachen gelernt werden. In der Regel handelt es sich dabei um Englisch und eine weitere Landessprache.
Ein weiterer zentraler Aspekt von HarmoS ist die individuelle Förderung und Unterstützung. Dabei gilt der Grundsatz «Integration statt Separation». Das bedeutet, dass Kinder mit besonderen Bedürfnissen möglichst in die regulären Klassen integriert und dort gezielt unterstützt werden.
Wie sieht die Bildung in der Realität aus?
Die HarmoS-Bestimmungen sollen die Bildung in der Schweiz landesweit stärker vereinheitlichen. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass ihre Umsetzung nicht immer einfach ist. Ein Beispiel dafür ist die Debatte um das Frühfranzösisch. In den vergangenen Jahren haben mehrere Deutschschweizer Kantone darüber diskutiert, diesen frühen Fremdsprachenunterricht wieder abzuschaffen.

Ein solcher Entscheid einzelner Kantone könnte einen Austritt aus dem HarmoS-Konkordat zur Folge haben und damit die Harmonisierung erschweren.
Doch nicht nur bei grossen bildungspolitischen Fragen zeigen sich Unterschiede. Auch kleinere politische Vorstösse, etwa ein Kopftuchverbot an Schulen oder ein Handyverbot im Unterricht, werden kantonal unterschiedlich geregelt. Dadurch entstehen teils deutliche Unterschiede zwischen den Bildungssystemen der einzelnen Kantone.
Föderalismus im Bildungswesen als Chance
Das Bildungswesen der Schweiz zeichnet sich durch eine hohe Durchlässigkeit und Qualität aus. Gleichzeitig ermöglicht es Kantonen und Gemeinden, ein vielfältiges und innovatives Bildungsangebot zu gestalten. Dadurch können neue Ideen eigenständig entwickelt und umgesetzt werden.
Dies zeigt sich etwa an einer Oberstufe im Kanton St. Gallen. In einem dreijährigen Projekt in Zusammenarbeit mit der Universität Zürich und dem Kinderspital Zürich wurde untersucht, wie sich ein flexibler Schulbeginn auf Schlaf und Leistungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler auswirkt. Die Jugendlichen konnten dabei selbst entscheiden, ob sie um 7.30 Uhr oder um 8.30 Uhr mit dem Unterricht starten.

Solche Projekte schaffen wichtige Erkenntnisse für die Weiterentwicklung des Bildungssystems. Würde der Bund einheitliche Regelungen für die gesamte Schweiz vorgeben, könnten innovative Ansätze in den Kantonen eingeschränkt werden.











