Bildung: Studieren bis 35 – darum ist das keine Seltenheit mehr

Marcel Winter
Marcel Winter

Zürich,

Immer mehr Menschen starten ihr Studium erst später. Flexible Modelle, Berufserfahrung und neue Anforderungen machen Bildung bis 35 zur Normalität.

Bildung
Wer später studiert, hat trotzdem noch gute Chancen auf den Arbeitsmarkt. - Depositphotos

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine späte Entscheidung zum Studium ist heute kein Hindernis mehr.
  • Studieren bis über 35 wird durch flexible Modelle und neue Lebenswege geöffnet.
  • Auch ohne Druck lassen sich so neue Dinge lernen.

Dass man nach der Matura in den Hörsaal spaziert und mit 25 schon «fertig» ausgebildet ist, entspricht immer seltener der Realität.

Der klassische lineare Lebenslauf hat ausgedient. Stattdessen erleben wir heute sehr individuelle Wege. Unser Bildungssystem ist zum Glück so durchlässig gestaltet, dass einem eigentlich nie eine Tür endgültig zugeschlagen wird.

Bildung
Heute können Sie auch mit über 30 nochmal neu durchstarten. - Depositphotos

Ein Studium mit 35+ ist längst kein Notnagel mehr, sondern ein ganz normaler, oft sogar sehr bewusster Schritt.

Vielleicht erinnern Sie sich noch an die Zeiten, in denen ein später Studienbeginn kritisch beäugt wurde. Schnell hiess es dann «der ewige Studierende» oder «die unentschlossene Jugend».

Würden Sie auch später noch studieren?

Dieses Bild hat sich grundlegend verändert. In einer Arbeitswelt, die sich durch die Digitalisierung rasant dreht, merken viele erst nach einigen Jahren Berufspraxis, wo ihre echten Stärken liegen oder welche Qualifikationen ihnen für den nächsten Karriereschritt noch fehlen.

Das Bundesamt für Statistik schrieb im Jahr 2023: «Der Anteil der Studierenden über 30 steigt kontinuierlich.» An den Fachhochschulen gehören erfahrene Berufsleute also inzwischen ganz selbstverständlich zum Campusbild.

Bildung: Die grossen Vorteile, wenn man später anfängt

Wer schon im Berufsalltag gestanden hat, lernt meist deutlich effektiver. Viele Zusammenhänge kennt man bereits aus dem echten Leben. Plötzlich fällt das Studieren sogar leichter, weil man nicht mehr alles theoretisch von null aufbauen muss.

Auch die Belastbarkeit, die oft in der Arbeit anfällt, kann sich positiv beim Lernen auswirken. Man ist einfach belastbarer, auch wenn viel Lernstoff abgefragt wird.

Nachteil
Bildung: Wer später anfängt zu studieren muss nicht im Nachteil sein. - Depositphotos

Dank modularer Aufbauten und flexibler Teilzeitstudiengänge müssen Sie sich heute auch nicht mehr zwischen Karriere und Weiterbildung entscheiden. Sie können beides sinnvoll miteinander verknüpfen.

Noch einmal neu orientieren

Oft sind es auch private Umbrüche, die einen dazu bringen, noch einmal neu anzusetzen. Das kann die berufliche Neuorientierung nach der Familiengründung sein. Oder aber auch der Wunsch nach einer echten Herausforderung im Leben. Bildung wird heute zunehmend als lebenslange Investition verstanden.

Bildung
Sich neu zu orientieren kann sogar Vorteile bieten, denn so erhält man neue Impulse und kann sich weiterentwickeln. - Depositphotos

Eine Studie der Universität Zürich aus dem Jahr 2024 zeigt: Gerade Menschen mit einer stabilen Biografie und Erfahrung in der Berufswelt haben eine hohe Bereitschaft, sich akademisch noch einmal völlig neu zu erfinden.

Bildung: Ohne Druck neu lernen

Wir sollten uns auch ehrlich eingestehen, dass der Druck in der Arbeitswelt deutlich zugenommen hat. Wissen veraltet schneller, Spezialisieungen werden wichtiger.

Ein späteres Studium ist deshalb oft auch eine kluge Form der langfristigen Absicherung. Arbeitgeber schätzen die Kombination aus solidem Praxiswissen und frischem akademischem Know-how ausserordentlich hoch.

Bildung
Es ist völlig in Ordnung, sich im Alter nochmal neu zu orientieren. - Depositphotos

Und dann ist da noch etwas, was wir alle spüren. Die gesellschaftliche Akzeptanz hat sich verändert. Die starre Vorstellung, dass man mit 20 lernt und ab 30 nur noch liefert, ist endgültig passé.

Wenn Sie heute mit 35 im Hörsaal sitzen, profitieren nicht nur Sie selbst, sondern auch die jüngeren Studierenden. Durch Ihren Weitblick können sich so ganz neue Möglichkeiten ergeben. Gleichzeitig lassen Sie sich von deren frischen Ideen inspirieren. Dieser Austausch über die Generationen hinweg bereichert die ganze akademische Kultur.

Bildung: Mit über 30 nochmal durchstarten

Bildung kennt kein Verfallsdatum. Die Schweiz bietet Ihnen heute alle Möglichkeiten, auch mit Mitte 30 noch einmal voll durchzustarten.

Sind Sie aktuell bereits in einer festen Arbeitsstelle, macht es vielleicht auch Sinn, nebenbei zu studieren. Sprechen Sie mit Ihrem Arbeitgeber, oft kann der von Ihrem neuen Wissen ebenso profitieren wie Sie selbst.

Kommentare

User #3213 (nicht angemeldet)

Lebensarbeitzeit ist die Lösung. Jeder und jede muss 45 Jahre arbeiten. Die Lehre zält auch dazu. 35+45=80 hey der Fachkräfte Mangel ist gelöst

User #1699 (nicht angemeldet)

Es sind diejenigen welche nicht arbeiten wollen. Einfach mehrere Studiengänge belegen welche keine Wertschöpfung beinhalten und der Gesellschaft keinen Nutzen bringen, danach das rote Parteibuch beantragen und in ab die Politik, um der Schweiz noch mehr zu schaden!

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