«Neue Formel 1 ist der ‹Königsklasse› nicht würdig!»
Der Auftakt der «neuen» Formel 1 ist Geschichte! Sorgen die neuen Autos für Spektakel – oder kann man dem Braten nicht trauen? Bei Nau.ch ist man sich uneinig.

Das Wichtigste in Kürze
- George Russell gewinnt in Melbourne vor Kimi Antonelli und Charles Leclerc.
- Mit den neuen Autos bietet die Formel zu Beginn des Rennens für Spektakel.
Mercedes setzt mit einem Doppelsieg ein Ausrufezeichen zum Start der neuen Saison in der Formel 1. In Melbourne sorgen vor allem die ersten Runden für grosses Spektakel, es kommt zu mehreren Überholmanövern.

Ist das neue Reglement also ein Segen für die Königsklasse? Oder schadet die neue Ära der Formel 1 mehr als sie hilft? Auf der Nau.ch-Sportredaktion ist man sich nicht einig.
Mathias Kainz, Sportredaktor
«War die Startphase beim Australien-GP unterhaltsam? Sicher – auf die gleiche Weise, wie ein Formel-E-Rennen unterhaltsam ist: Wenn man die reine Anzahl an Positionswechseln als Gradmesser für Spannung und gutes Racing betrachtet, war Melbourne ein Erfolg.

Aber für mich ist das leider nicht der Fall. Für mich ist gutes Racing das, was entsteht, wenn zwei Fahrer auf der letzten Rille kämpfen.
Natürlich gehört dabei auch Management dazu. Man muss das Risiko im Rad-an-Rad-Duell managen, den Reifenverschleiss, den Spritverbrauch. Das gehört zum Motorsport dazu.

Aber was wir in Australien gesehen haben, ist des Titels ‹Königsklasse des Motorsports› in meinen Augen nicht würdig. Das war keine Formel 1, sondern die von Max Verstappen heraufbeschworene ‹Formel E auf Steroiden›.
Mir geht es mit diesen neuen Autos ein bisschen wie dem Holländer: Ich fühle absolut nichts dabei. Fast drei Jahrzehnte Leidenschaft für die Formel 1 – und die neue Ära löst nichts Emotionales bei mir aus.
Ich hoffe sehr, dass die klugen Köpfe in den Teams und den FIA-Gremien die Kurve kriegen. Vielleicht werden die Regeln ein wenig angepasst, vielleicht machen die Autos rasante Fortschritte.
Aber im Moment fällt es mir schwer, mich für diese neue Formel 1 zu begeistern. Und das schmerzt mich mehr, als ich zugeben möchte.»

Nicola Wittwer, Sportredaktor
«Nach dem ersten Rennen der neuen F1-Autos bin ich eher positiv als negativ gestimmt.
Beim Qualifying am Samstag war der Eindruck noch düsterer. Dass ein Auto am Ende einer Geraden plötzlich langsamer werden muss, passt nicht zur Königsklasse des Motorsports.
Am Sonntag bietet der erste GP der neuen F1-Ära – zumindest am Anfang – pures Spektakel.

In Sachen Racing scheinen die kleineren Autos zu funktionieren. Auf der Strecke gibt es mehr Platz, je nach Energienutzung kann es an mehreren Stellen zu Überholmanövern kommen. Und die Boliden können einander gut folgen.
Die Konsequenz: Im Vorjahr gab es in Melbourne 45 Überholmanöver, 2026 waren es ganze 120.
Eine Frage bleibt hierzu aber offen: Haben die Überholmanöver den gleichen Wert wie in den letzten Jahren? Oder kann der Gegner mit mehr Batterie nun viel einfacher zurückschlagen?

Klar ist: Die neuen Autos haben Gewöhnungsbedarf. Am Ende des Tages ist die Formel 1 aber immer noch Rennsport. Ob das Energie-Management gefällt oder nicht – es bringt neue Herausforderungen und Chancen mit sich.
Was den Fans überraschende Highlights bietet, passt vielen Fahrern nicht. Einige kritisieren die neuen Regeln und das Fahrgefühl teils heftig.
Auffallend: Von den vier bestplatzierten Piloten des ersten Rennens fehlt die Kritik hingegen. Ein gutes Zeichen?
Die neue F1-Ära hatte auch zum Ziel, neue Motorenhersteller an Bord zu holen. Mit Audi, Cadillac und Ford (zusammen mit Red Bull) ist das gelungen.

16 der 22 Autos konnten am Sonntag ein normales Rennen ohne Zwischenfälle absolvieren. Einige wurden zwar häufig überrundet, die im Vorfeld teilweise erwartete Ausfallorgie gab es aber nicht.
Umso toller, holt Ex-Sauber-Team Audi bei der Premiere auch gleich Punkte. Nach diesem Saisonstart in Melbourne freue ich mich auf die nächsten Rennen!»

















