Formel 1: Das bedeuten die Regel-Änderungen vor dem Miami-GP
Knappe zwei Wochen vor dem Miami-GP überarbeitet die Formel 1 das neue Reglement erstmals. Das Qualifying soll spannender werden, das Rennen sicherer.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Formel 1 passt vor dem vierten Rennwochenende in Miami das neue Reglement an.
- Die Anpassungen sollen die Rennen sicherer und das Qualifying spannender machen.
- Das Kern-Problem – die energie-armen Autos – lässt sich aber so nicht beheben.
Wie angekündigt hat die Formel 1 knappe zwei Wochen vor dem Miami-Grand-Prix erste Anpassungen am Reglement vorgenommen. Die unfreiwillige Renn-Pause im April durch die Absagen der Nahost-Rennen in Bahrain und Saudi-Arabien wurde intensiv genutzt: Im Austausch mit den Teams und Fahrern holte sich die FIA Experten-Meinungen ein.
Am Montag folgte dann eine ganze Reihe von Beschlüssen, die sich auf die Erfahrungen aus den ersten drei Rennwochenenden stützen. Anders als von der FIA ursprünglich angekündigt, wird dabei nicht nur das Qualifying angepasst. Auch im Rennen sollen die Regel-Änderungen greifen.
Mehr Super-Clipping, weniger Quali-Leistung
Die erste Regel-Änderung betrifft das umstrittene Super-Clipping: Die maximale Energie-Aufladung bei Vollgas auf den Geraden wird von 250 auf 350 kW angehoben. Das wird zwar immer noch zu einem Verlust an Höchstgeschwindigkeit führen. Es soll aber drastische Top-Speed-Einbrüche – wie beim Bearman-Crash in Japan – verhindern.
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In die entgegengesetzte Richtung geht eine Reduktion der Energie-Aufladung im Qualifying: Das Limit wird von 8 auf 7 Megajoule herabgesetzt, sodass den Autos weniger elektrische Leistung zur Verfügung steht. Das kostet zwar Rundenzeit, soll aber verhindern, dass die Fahrer auf eine schnelle Runde «Lift-and-Coast» und Super-Clipping betreiben müssen.
Deployment wird in zwei Phasen aufgeteilt
Als Sicherheitsmassnahme gedacht ist auch eine Anpassung beim «Deployment», also dem Einsatz der elektrischen Energie. Die Maximalleistung aus der MGU-K, also 350 kW, steht nur noch in «wichtigen Beschleunigungs-Zonen» zur Verfügung. Diese werden je nach Strecke bestimmt, dürften sich aber auf lange Geraden beschränken.

Für den Rest der Runde gibt es künftig nur noch 250 kW aus der MGU-K. Zudem wird die Maximal-Leistung für den Boost-Modus im Rennen auf 150 kW beschränkt. Auch das soll grosse Tempo-Unterschiede wie beim Bearman-Unfall vermeiden. Es dürfte sich aber negativ auf die Überhol-Vorgänge in der Formel 1 auswirken.
Neues Sicherheits-System beim Rennstart
Ein neues Start-System wird in Miami erstmals getestet: Ein Sensor soll Fahrzeuge erfassen, die «abnormal langsam beschleunigen». In diesen Fällen wird automatisch Energie aus der MGU-K abgerufen, um das Fahrzeug in Bewegung zu bringen. Das stellt keinen Leistungs-Vorteil dar, sondern soll Auffahrunfälle verhindern.

Die letzte grosse Anpassung betrifft Regenrennen, bei denen gleich mehrere neue Regeln greifen. Einerseits wird die erlaubte Temperatur für Reifen-Heizdecken erhöht, um mehr Grip zu erzeugen. Zudem wird das Energie-Deployment reduziert, und die neuen Regen-Rücklichter sollen angepasst werden.
Geht die Formel 1 in die richtige Richtung?
Die Regel-Änderungen sind ein erster Schritt, den ernüchternden Auftakt in die neue Ära zu korrigieren. Die Anpassungen beim Energie-Management haben zumindest das Potenzial, die «Mario-Kart»-Formel in bessere Bahnen zu lenken. Zudem beweisen FIA und Formel 1 hier auch ungewohnt schnelle Reaktionsfähigkeit.

Das Kern-Problem – nämlich energie-arme Autos – bleibt aber auch mit diesen Anpassungen bestehen. Ob sich daran mit dem Reglement für 2027 oder darüber hinaus etwas ändert, ist aktuell mehr als fraglich. Ein komplett neues Motoren-Reglement ist bis frühestens 2030 nicht realistisch.
















