Formel 1: Beginnt jetzt die Antonelli-Ära – oder ein «Interregnum»?
Seit Sonntag ist Kimi Antonelli neuer Weltmeister in der Formel 1. Ist es der Startschuss in ein neues Zeitalter – oder ein «One-Hit-Wonder?» Ein Kommentar.

Das Wichtigste in Kürze
- Kimi Antonelli steht seit Sonntag als neuer Formel-1-Weltmeister fest – als jüngster Champion aller Zeiten.
- Der Italiener macht den Sack mit vier verbleibenden Rennwochenenden zu und ist damit in bester Gesellschaft.
- Aber beginnt nun die Antonelli-Ära – oder wird das Mercedes-Juwel zum «One-Hit-Wonder»?
Dass Kimi Antonelli mit erst 20 Jahren ein historisches Kapitel in der Geschichte der Formel 1 geschrieben hat, ist unbestreitbar. Seit Sonntag steht der Italiener als jüngster Weltmeister der Grand-Prix-Historie fest, als erster italienischer Champion seit fast 75 Jahren. Und das auf überlegene Weise.
Vier Rennen vor Schluss den Sack zuzumachen, das haben nur wenige Fahrer geschafft: Max Verstappen, Sebastian Vettel, und Michael Schumacher zweimal (2001 und 2004). Bei Nigel Mansell waren es 1992 sogar fünf GPs. Schumacher (2002) und Verstappen (2023) sind Rekordhalter mit sechs verbleibenden Rennen.

Was Antonelli aber niemand abspenstig machen kann: Der Italiener ist mit deutlichem Vorsprung der jüngste Weltmeister aller Zeiten. Mit seinen 20 Jahren ist der Mercedes-Senkrechtstarter ganze drei Lenze jünger als Sebastian Vettel und Lewis Hamilton bei ihren Premieren-Titeln.
Titelverteidigung ist die nächste Herausforderung
Die grösste Hürde, den ersten WM-Titel, hat Antonelli nun in der Tasche. Die nächste Aufgabe ist aber kein bisschen einfacher: An der Titelverteidigung ist die Mehrzahl der Premieren-Weltmeister gescheitert. Gelungen ist sie in diesem Jahrtausend nur Fernando Alonso, Sebastian Vettel und Max Verstappen.

Nico Rosberg hat es gar nicht erst versucht, Lando Norris ist seit gestern offiziell entthront. Auch Kimi Räikkönen, Lewis Hamilton und Jenson Button konnten ihren WM-Titel im Folgejahr nicht wiederholen. Wo wird sich der neueste Weltmeister der Formel 1 einreihen?
Jenson Button als Warnung für Antonelli?
Stichwort Jenson Button: Der Titel-Triumph von Antonelli erinnert in gewisser Weise an den ersten (und einzigen) WM-Titel des sympathischen Briten. Dessen Brawn-Team – aus dem im Übrigen Mercedes hervorging – war 2009 unantastbar in die Formel 1 gestartet.

Button gewann insgesamt sechs Rennen und stand neunmal auf dem Podest. Ein Rennen vor Schluss krönte sich der Brite damals zum Weltmeister. Aber der Saisonverlauf weist gewisse Parallelen mit der Formel 1 im Jahr 2026 auf – und die dürften Mercedes beunruhigen.
Weltmeister-Eintagsfliege in der Formel 1?
Wie Brawn war auch Mercedes zu Saisonbeginn in der Formel 1 eine Klasse für sich. Und wie Brawn wurden die Silberpfeile im Lauf des Jahres von der Konkurrenz einge- und überholt. Der Blick in die Geschichte zeigt: Brawn und Button waren in Sachen WM-Titel eine Eintagsfliege, danach begann die Red-Bull-Vettel-Ära.

Darum darf die Frage gestattet sein: Hat mit dem Premieren-Titel am Sonntag die Antonelli-Ära der Formel 1 ihren Anfang genommen? Oder sehen wir 2027 ein ganz anderes Bild auf der Rennstrecke? Denn spätestens seit der Sommerpause sind Red Bull und Ferrari ganz, ganz nah dran an Mercedes …
















