WM 2026: «Darum gabs kein Bier nach Nati-Sieg gegen Algerien!»
Der Fussball-Talk auf Nau.ch befindet sich in der Sommerpause. Nach dem Achtelfinal-Einzug der Nati an der WM 2026 ist es aber Zeit für eine Spezialfolge.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Nati steht an der WM 2026 im Achtelfinal, am Dienstag wartet Kolumbien.
- Nau.ch-Chefreporter Mischi Wettstein berichtet aus den USA und Kanada.
- Er erklärt, warum der Sieg über Algerien nicht mit Bier gefeiert wurde.
- Zudem nennen Wettstein und Sportchef Christoph Böhlen ihren WM-Favoriten.
Nau.ch: Mischi, du bist seit bald vier Wochen an der WM. Was ziehst du für eine Zwischenbilanz?
Mischi Wettstein: Ich bin mega zufrieden. Die Nati ist im Soll, hat sich den Gruppensieg geholt und steht im Achtelfinal. Ab jetzt ist Träumen ohne Grenzen erlaubt.

Christoph Böhlen: Wie meinst du das?
Mischi Wettstein: Es gibt ja auch Nachbaren wie Deutschland und Österreich, die schon zuhause sind. Die Nati steht unter den letzten sechzehn Teams. Übrigens: Meine Übermannschaft ist bisher Frankreich. Es würde wohl niemanden überraschen, wenn die Franzosen in den Final einziehen.
Nau.ch: Wie schätzt ihr den nächsten Nati-Gegner Kolumbien ein?
Mischi Wettstein: Eine Bitte: Können wir uns das bitte bis zum Schluss aufheben?
Nau.ch: Natürlich, worüber möchtest du denn sonst reden?
Mischi Wettstein: Böhli, erzähl doch mal von der WM-Stimmung in der Heimat? Ich habe Bilder von Public-Viewings um 5 Uhr morgens gesehen!

Christoph Böhlen: Verglichen mit anderen Turnieren kam die WM-Euphorie bei uns nur schleppend in Gang. Die Zeitverschiebung sorgt für kurze Nächte und der Nati-Auftakt gegen Katar hat auch nicht gerade für Begeisterung gesorgt. Seither geht es aber aufwärts und mit dem Sieg über Algerien ist die Euphorie jetzt spürbar. Und wie ist es bei dir?
Mischi Wettstein: In San Diego, wo die Nati ihr Base-Camp hatte, habe ich von der WM sehr wenig gemerkt. Es war halt auch kein Austragungsort. Ich war einmal in «Little Italy» – aber weil Italien nicht dabei ist, war es auch dort ruhig. Immerhin haben sie dort in den TV-Geräten die Spiele gezeigt.
Christoph Böhlen: Wie ist die Stimmung in Vancouver?
Mischi Wettstein: Vorneweg: Unsere Reise ist hervorragend organisiert. Unser Hotel ist aber rund eine halbe Stunde vom Zentrum entfernt. Hier ist auch nicht viel los. Weil ich aktuell mit meinem arg angeschlagenen Bein nicht so mobil bin, bin ich nicht viel auf Achse.
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Aber meine Kollegen haben mir ein Video geschickt: Offenbar gibt es ein Quartier, in dem eine tolle WM-Stimmung herrscht. Bei uns merke ich allerdings wenig davon – ausser in den Restaurants, in denen die Spiele im TV gezeigt werden.
Nau.ch: Wie hast du mit deinen Kollegen den Sieg über Algerien gefeiert?
Mischi Wettstein: Gefeiert? Wir sind erst kurz vor 1 Uhr morgens aus dem Stadion zurückgekehrt. Unser nettes Hotel hat aber keine Lizenz, um Alkohol zur späten Stunde auszuschenken.

Und in den Stores gibt es rund um Mitternacht auch keine Chance, noch was Alkoholisches zu erwerben. Wir haben mit Mineralwasser angestossen… Geblieben sind mir leider andere Bilder von der Anfahrt ins Stadion.
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Christoph Böhlen: Was hast du gesehen?
Mischi Wettstein: Üble Bilder, die mich an die Drogenszene beim «Platzspitz» erinnert haben. Ganz ehrlich: Es wäre wohl einfacher gewesen, an dieser Strasse an einen «Schuss» zu kommen, als an ein Bier nach dem Spiel im Hotel. Solche krassen Bilder habe ich noch selten gesehen und die haben mich schockiert.
Nau.ch: Zurück zum Sportlichen: Welche Nati-Stars haben euch bisher überzeugt – natürlich abgesehen von Shootingstar Johan Manzambi?
Mischi Wettstein: Klarer Fall: Ich bin Fan von Remo Freuler. Ich führe während jedem Spiel ein Protokoll, Remo ist immer an den entscheidenden Szenen beteiligt. Er müsste viel mehr Fame bekommen. Es ist unglaublich, was er leistet, dazu ist Remo ein richtig sympathischer Typ.

Christoph Böhlen: Ich möchte auch jemanden hervorheben, der zu wenig gelobt wird: Nico Elvedi spielt ein bärenstarkes Turnier, ist ein Fels in der Brandung und bildet mit Manuel Akanji eines der besten Abwehr-Duos des ganzen Turniers.
Mischi Wettstein: Bei Nico teile ich Deine Meinung zu 100 Prozent, Böhli. Ich möchte noch Ricardo Rodriguez nennen. Rici spielt präzise wie ein Uhrwerk, er ist unglaublich cool und abgezockt.
Eigentlich fehlt nur noch, dass er auf dem Platz eine Sonnenbrille trägt. Ich möchte nicht gegen ihn Pokern, auch wenn ich ihn seit seinem ersten Training beim FCZ vor X Jahren kenne.
Christoph Böhlen: Ich freue mich natürlich immer über aktuelle und ehemalige YB-Spieler in der Nati. Fabian Rieder macht seine Sache gut, auch wenn er das 3:0 gegen Algerien verpasst.
Christian Fassnacht gönne ich seine WM-Teilnahme ebenso, genau wie dem fleissigen Michel Aebischer. Und ein Ex-YB-Spieler hat ja gegen Algerien endlich auch in der Nati gezeigt, wie gut er ist.
Mischi Wettstein: Du meinst Denis Zakaria? Er war mein «Man of the Match»!
Christoph Böhlen: Ja, das hat mich natürlich gefreut. Ich erinnere mich, als er 2015 von Servette zu YB wechselte. In Gstaad spielte er als 18-Jähriger bei einem 2:1-Sieg in einem Testspiel gegen Lausanne in der zweiten Halbzeit.
Schon da hat man klar gesehen: Dieser Spieler hat ein Riesenpotenzial. Und heute ist er Monaco-Captain – und dein «Man of the Match» an einem WM-Sechzehntelfinal!
Nau.ch: Blicken wir voraus, am Dienstag wartet Kolumbien. Was sind eure Eindrücke nach dem Sieg über Ghana?
Mischi Wettstein: Ich habe Kolumbien an dieser WM ein paar Mal am TV verfolgt und in der Weltrangliste liegen sie vor der Nati. Aber ich halte die Schweizer Flagge so lange wie möglich hoch und sage: Jetzt oder nie! Was wir bis jetzt gesehen haben, ist gut und recht.

Aber jetzt wartet ein Gegner aus dem oberen Regal auf die Nati – ohne respektlos gegen die bisherigen Gegner sein zu wollen. Kolumbien ist sicher stärker, als die bisherigen Gegner. Da sind wir uns doch einig Böhli?
Christoph Böhlen: Ich habe kein gutes Gefühl für Dienstag. Kolumbien hat nicht nur eine Top-Offensive um Luis Diaz. Sie haben vor allem auch eine sattelfeste Defensive. Wenn die Nati nicht nochmal so effizient ist wie gegen Algerien, wird das richtig schwierig.
Mischi Wettstein: Halt, Böhli: Auch unsere Nati hat eine starke Abwehr! Wir haben gegen Algerien zu null gespielt. Es wird darum gehen, über die Leistungsgrenze zu gehen – und das erstmals über 90 Minuten oder mehr.

Die Nati muss Gras fressen, die Spieler müssen auf dem Platz sterben, um ein paar Floskeln einzubauen. Wenn das gelingt, kann die Nati Geschichte schreiben. Und würde damit das Ziel, die beste WM aller Zeiten zu spielen, realisieren! Das traue ich Murat Yakin und unserer Nati zu.
Nau.ch: Und wer wird eigentlich Weltmeister?
Mischi Wettstein: Wenn ich mir den Turnierbaum anschaue, wird es in der einen Tableau-Hälfte zum Halbfinal zwischen Frankreich und Spanien kommen. Hat der französische «Güggel» seinen Kopf nicht zu hoch, zieht er in den Final ein. Auch wenn ich vor dem Turnier auf Spanien getippt habe. Die Franzosen haben eigentlich zwei Teams dabei, die Weltmeister werden können.

Finalgegner wird Argentinien. Messi und Co. haben mit der Fast-Blamage gegen Kap Verde einen Schuss vor den Bug erhalten. Das hat es vielleicht gebraucht. Sonst hätte die Messi-Truppe auch nichts im Final zu suchen.
Christoph Böhlen: Mein Deutschland-Tipp hat sich leider früh erledigt. Darum tippe ich auf England – einzig und allein wegen Harry Kane.
Mischi Wettstein: Du hast auf Deutschland gesetzt? (lacht) In mein DFB-Fanshirt musste ich ja nach dem Aus ein Loch brennen… Ich habe schon vor dem Turnier gesagt, dass das mit Julian Nagelsmann nichts wird.

Schon nur wegen der Ausstrahlung: Man steht nicht mit einem T-Shirt, das wie vom Discounter daherkommt, an der Seitenlinie an einer WM… Aber vielleicht ist Deutschland einfach auch keine Fussball-Macht mehr. Und das Thema Nagelsmann, hat sich jetzt auch bereits erledigt.
Nau.ch: Zum Schluss wie immer: Was ist euch sonst noch aufgefallen?
Christoph Böhlen: Ganz ehrlich: Die Rückkehr von Cedric Zesiger zu YB sorgt bei mir für deutlich mehr Euphorie, als die ganze WM. Das ist ein Top-Transfer, er wird zum Leader und festigt die YB-Defensive.

Mischi Wettstein: Bei dir ist wirklich Hopfen und Malz verloren… Da bleibe ich doch lieber noch so lange wie möglich an der WM. Aber ich mag dich trotzdem, du ewiger Fussball-Romantiker.



















