WM 2026 mit neuen Regeln: Was bringen die Änderungen wirklich?
Die WM 2026 liefert eine Reihe von Neuerungen im Regelbuch. Ob die wirklich sinnvoll sind, erschliesst sich zum Turnier-Start noch nicht ...

Das Wichtigste in Kürze
- Die FIFA führt pünktlich zur WM 2026 eine Handvoll neuer Regeln ein.
- Einen besonders zielführenden Eindruck machen diese allerdings noch nicht.
- Vieles wirkt eher wie eine Verschlimmbesserung. Ein Kommentar.
Am Donnerstag hat die WM 2026 in Mexiko feierlich begonnen. Ein Tor-Festival haben die Gastgeber im Duell mit Südafrika nicht abgebrannt. Reichlich zu tun hatte Schiedsrichter Wilton Sampaio trotzdem: Gleich drei Rote Karten zückte der Brasilianer.

Von den extra für die WM-Endrunde in den USA, Mexiko und Kanada eingeführten Regeln kam dabei keine zum Tragen. Zweimal Vereitelung einer klaren Torchance, einmal Tätlichkeit – viel klarer hätten die Platzverweise kaum sein können.
Trotzdem bekamen die Fans zum Auftakt der WM 2026 einige der neuen Regeln erstmals zu sehen. Allen voran: Die Zeitbeschränkung bei Standardsituationen, die der Schiedsrichter künftig per Hand herunterzählt. Dazu gibt es neuerdings strengere Regeln für Rote Karten und neue Befugnisse für den VAR.

Und natürlich Werbepausen unter dem hauchdünnen Vorwand einer «Hydration Break». Bei 20 Grad und leichtem Regen in Mexiko-Stadt sicherlich dringend notwendig ...
Regel-Änderungen an der WM 2026
Das sind die neuen Regeln, die die FIFA für die Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko eingeführt hat:
- Rote Karten für das Verdecken des Mundes: Spieler, die bei Auseinandersetzungen hinter ihrer Hand sprechen, können vom Platz gestellt werden
- maximal 10 Sekunden pro Auswechslung: Wenn ein Spieler länger braucht, um das Spielfeld zu verlassen, muss sein Ersatzspieler mindestens eine Minute warten, bevor er ins Spiel kommt
- 5-Sekunden-Regel bei Spielfortsetzungen: gilt für Eckbälle und Einwürfe – wenn ein Spieler zu lange braucht, geht der Ball an die gegnerische Mannschaft
- Trinkpausen: eine obligatorische dreiminütige Werbepause in der Mitte jeder Halbzeit
- Neue Überprüfungsmöglichkeiten für den VAR: fälschlicherweise vergebene Eckbälle; Fouls vor einem ruhenden Ball; fälschlicherweise vergebene gelbe oder rote Karten; Verwechslungen bei gelben oder roten Karten
- Verletzte Spieler müssen das Spielfeld verlassen: Spieler, die behandelt werden müssen, müssen das Spielfeld für eine Minute verlassen, bevor sie wieder ins Spiel zurückkehren dürfen
- Taktische Auszeiten bei Verletzungen des Torhüters: Feldspieler dürfen während der Behandlungspausen des Torhüters keine taktischen Anweisungen mehr von ihren Trainern erhalten
- Rote Karten beim Verlassen des Spielfeld aus Protest: Spieler, die das Spielfeld verlassen, um gegen eine Entscheidung des Schiedsrichters zu protestieren, erhalten eine rote Karte; wenn eine Mannschaft die Abbruch des Spiels erzwingt, gilt dies als Forfait-Niederlage und als 3:0-Sieg für die gegnerische Mannschaft
Zeit-Management wird an der WM 2026 ein Thema sein
Über die Sinnhaftigkeit der neuen Regeln darf gestritten werden. Wie oft verlassen Mannschaften schon geschlossen aus Protest den Platz, wie Senegal im Afrika-Cup-Final? Ob es diese Regel wirklich gebraucht hätte?

Auch das strengere Zeit-Management wirkt unnötig künstlich. Die Unparteiischen durften bisher nach Gutdünken nachspielen lassen – jetzt müssen sie dramatisch mit den Fingern wedeln.
Die Folge: Statt bei Einwürfen wird die Zeit nun eben mit Stehfussball verschwendet, was unstrittig eine Verschlimmbesserung darstellt.
Der VAR weiss noch nichts von seinen Rechten
Gross angekündigt wurden zudem die neuen VAR-Befugnisse. So darf der Video-Assistent künftig falsche Eckball-Entscheidungen anfechten. Mexiko wurde beim WM-Auftakt in der Startphase ein Eckball verwehrt – Der VAR blieb aber stumm. Vielleicht wusste er noch nichts von seiner neuen Macht ...

Insgesamt wirkt das Regelwerk-Gebastel – wie schon in Katar vor dreieinhalb Jahren – eher gewollt als notwendig. Die Verantwortlichen wollen unbedingt auf der grossen Bühne ihre Neuerungen präsentieren.
Einen allzu sinnvollen Eindruck macht die bislang nicht.

















