WM 2026: Darum gelingt Marokko das WM-Wunder gegen Frankreich
Heute geht es an der WM 2026 mit den Viertelfinals los. Mit Frankreich steht gleich der Topfavorit im Einsatz. Wird das eine klare Sache gegen Marokko?

Das Wichtigste in Kürze
- Um 22 Uhr trifft Frankreich im WM-Viertelfinal auf Marokko.
- Wer setzt sich durch? Auf der Nau.ch-Sportredaktion ist man sich nicht einig.
Noch acht Teams spielen an der WM 2026 um den Titel – erfreulicherweise ist auch die Schweiz dabei. Doch vor dem Nati-Kracher gegen Argentinien vom Sonntag geht es heute mit Frankreich gegen Marokko los.

Die Franzosen gelten als Topfavorit auf den Titel. Wartet in Boston also eine einseitige Angelegenheit? Auf der Nau.ch-Sportredaktion sind die Meinungen geteilt.
Mathias Kainz, Sport-Redaktor
«Lassen wir das deutsche Debakel gegen Paraguay und Norwegens Brasilien-Hammer mal aussen vor: Die ganz grossen Sensationen sind an der WM 2026 bisher eher Mangelware. Ägypten war gegen Argentinien nah dran – aber wie das ausgegangen ist, wissen wir.
Aber mein Bauchgefühl sagt mir, dass sich das heute ändern könnte. Denn Marokko ist für mich eine der positiven Überraschungen an dieser WM-Endrunde.

Das soll nicht heissen, dass ich den Marokkanern vor der WM 2026 nichts zugetraut hätte. Im Gegenteil: Marokko ist unter den formstärksten Teams weltweit. Seit Januar 2024 hat man nur zwei Spiele verloren (eins davon der Skandal-Final am Afrika-Cup).
Vor allem aber überzeugt mich der Auftritt in der KO-Phase bisher: Die Niederlande im Elfmeterschiessen auszuschalten, das zeugte von Nervenstärke. Und der Auftritt beim 3:0 gegen Gastgeber Kanada war von vorne bis hinten praktisch fehlerfrei.

Hinzu kommt mit Mittelfeld-Star Azzedine Ounahi eine der Entdeckungen dieser WM. Der 26-Jährige ist kein unbeschriebenes Blatt, hat sich zuletzt aber so richtig in den Fokus gespielt. Gegen Holland und Kanada war der Girona-Star der überragende Mann.
Ich traue Marokko zu, gegen Frankreich den gleichen konsequenten Auftritt abzuliefern wie gegen Holland: Hinten kompakt, vorne brandgefährlich bei Kontern. Mein Tipp: Marokko setzt sich vom Elfmeterpunkt durch.»

Christoph Böhlen, Sportchef
«Frankreich ist der meistgenannte Favorit auf den Titel an der WM 2026. Und die ersten fünf Auftritte haben gezeigt: Das Team von Didier Deschamps wird dieser Rolle vollauf gerecht.
In den letzten Jahren wird Deschamps oft vorgeworfen, er lasse mit seinem Kader keinen attraktiven Fussball spielen. Der frühere defensive Mittelfeldspieler halte seine Stars zu sehr an der kurzen Leine. Es wäre viel mehr möglich mit diesem Kader.

Diese WM zeigt: In seinem letzten grossen Turnier mit Frankreich hat Deschamps die Zügel gelockert: «Les Bleus» überzeugen auch spielerisch, Kylian Mbappé (7 Tore!) blüht ausserhalb von Real Madrid richtiggehend auf.
Und wenn es mal zäh wird, wie gegen die ‹Metzger-Truppe› aus Paraguay, beweist Frankreich auch Nehmerqualitäten.

Kommt hinzu: Die Beziehung zwischen Spielern und Trainer scheint enger zu sein, als allgemein vermutet wurde. Als Deschamps wegen der Beerdigung seiner Mutter nach Hause reist, jubeln die Spieler nach seiner Rückkehr bei ihren Toren demonstrativ mit ihm.
Nach 14 Jahren gibt Didier Deschamps nach dieser WM sein Amt als Nationaltrainer ab. Sein Team wird alles dafür geben, den 57-Jährigen mit dem zweiten Weltmeistertitel zu verabschieden. Und dagegen kann auch Marokko nichts ausrichten.»
















