Nach Angriffen: Iran verurteilt «Kriegstreiberei» der USA
Die USA haben den Iran erneut mit einer Angriffswelle überzogen, Teheran bereitet einen Gegenschlag vor. Im Ticker bleibst du auf dem Laufenden.

Im Überblick
18- Netanjahu: «Der Krieg ist noch nicht vorbei»
- Israel weist Berichte über humanitäre Krise in Gaza zurück
- Iran meldet Angriffe auf US-Zerstörer vor Bahrain
- Jordanien meldet Raketenbeschuss aus dem Iran
- Erneut Warnsirenen in Bahrain
- Irans Aussenministerium verurteilt US-Angriffe
- Trauerfeiern für Chamenei auch in Kerbala im Irak
- Israel: Truppen bleiben vorerst im Südlibanon
- Iranische Regierung: 14 Tote bei US-Angriffen
- Ölpreis steigt
- US-Angriff auf Iran: Trump prahlt mit alten Bildern
- US-Angriffe legen wichtige Bahnstrecke im Iran lahm
- Kuwait wieder unter Beschuss – Sirenengeheul auch in Bahrain
- Berichte: USA greifen Eisenbahnbrücke im Iran an
- Trump: Iran will weiterhin «unbedingt» ein Abkommen
- Pakistan fordert USA und Iran zu Zurückhaltung auf
- Berichte über Explosionen im Iran
- Trump droht dem Iran mit noch heftigeren Angriffen
Wegen anhaltender Angriffe auf Schiffe in der Strasse von Hormus hat Donald Trump das Waffenstillstands-Abkommen für beendet erklärt. In der Nacht erfolgte dann die angedrohte Attacke. Mit der neuen Angriffswelle will das US-Militär laut eigenen Angaben Irans Fähigkeiten schwächen, den Schiffsverkehr zu beeinträchtigen.
Mehrere Städte im Iran vermeldeten Beschuss, vor allem in der Nähe der Meerenge. Teheran drohte seinerseits mit grossen Gegenschlägen auf US-Militärbasen in der Region.
Im Ticker von Nau.ch bleibst du über alle Entwicklungen im Nahen Osten auf dem Laufenden.
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat erklärt, der Krieg gegen den Iran sei noch nicht vorbei und er beabsichtige, die israelischen Streitkräfte «so lange wie nötig» im Libanon zu belassen.
«Dem iranischen Regime wurde ein schwerer Schlag versetzt, und unsere Politik ist klar: Der Iran wird keine Atomwaffen besitzen, ob mit oder ohne Abkommen. Der Krieg ist noch nicht vorbei, und neue Herausforderungen tauchen vor uns auf», sagte Netanjahu Berichten zufolge gegenüber israelischen Medien.
Netanjahu wiederholte seine oft geäusserte Behauptung, dass der Iran über Atomwaffen verfügt hätte, «wenn wir nicht gehandelt hätten».
Israel hat Berichte über eine humanitäre Krise im Gazastreifen als «äusserst irreführend» bezeichnet. Ein hochrangiger Beamter der zuständigen Cogat-Behörde sagte in einem Pressegespräch, die Situation habe sich erheblich verbessert.
Der Beamte verwies dabei auf einen Bericht der Behörde, wonach seit dem Beginn der Waffenruhe im Oktober 2025 bis zum 7. Juni 2026 rund 1,78 Millionen Tonnen Lebensmittel in den Gazastreifen geliefert worden seien.
Diese Mengen lägen deutlich über allen vom Welternährungsprogramm WFP veröffentlichten Richtwerten für den humanitären Lebensmittelbedarf in Gaza. Die Lebensmittelpreise seien seit September 2025 um 72 Prozent gefallen.

Auch die Wasserversorgung sei mit 40 Litern pro Kopf und Tag doppelt so hoch wie der Richtwert der Weltgesundheitsorganisation WHO, sagte der Beamte. Unabhängig überprüfen liessen sich seine Angaben zunächst nicht.
Der Cogat-Beamte warf der im Gazastreifen herrschenden Palästinenserorganisation Hamas vor, humanitäre Hilfe zu behindern. Sie erhebe unter anderem Steuern auf eingeführte Waren und entwende Hilfsgüter aus Lagerhallen.
Ausserdem würden Lebensmittel verderben oder weggeworfen. «Es gibt keine Lebensmittelknappheit im Gazastreifen», so der Sprecher.
Dagegen hiess es in einem Bericht des Welternährungsprogramms WFP vom 9. Juni, die Ernährungsunsicherheit sei weiterhin gravierend, geprägt von hohen und schwankenden Preisen sowie anhaltenden Schwierigkeiten beim Zugang zu ausreichenden und abwechslungsreichen Lebensmitteln.
Aufgrund von Militäroperationen, Luftangriffen und Vertreibungen blieben humanitäre Einsätze eingeschränkt.
Das UN-Kinderhilfswerk Unicef erklärte, die Trinkwasserversorgung erreiche je nach Zugangsmöglichkeiten und Betriebsbedingungen bis zu 1,5 Millionen der rund 2,1 Millionen Menschen. Trotz aller Bemühungen litten 82 Prozent der Familien unter Wasserknappheit. Sieben von zehn Familien seien nicht in der Lage, die Mindestmenge von sechs Litern pro Person und Tag für Trink- und Kochzwecke zu beschaffen.
Irans Streitkräfte haben staatlichen Angaben zufolge mehrere US-Ziele in der Region attackiert. Unter anderem seien US-Zerstörer und US-Schiffe vor der Küste Bahrains mit Marschflugkörpern angegriffen worden, hiess es in einem Bericht des staatlichen Rundfunks.
Als Reaktion auf Bombardierungen durch das US-Militär in den vergangenen beiden Tagen hatte der Iran bereits Angriffe auf die Golfstaaten Kuwait und Bahrain gemeldet. Ein Luftwaffenstützpunkt in Jordanien sei ausserdem mit ballistischen Raketen vom Typ «Cheibarschekan» attackiert worden.
Erstmals seit Wochen ist Jordanien wieder Ziel von iranischen Raketenangriffen geworden. Die jordanischen Streitkräfte schossen nach eigenen Angaben acht Raketen ab. Durch die Abfangmassnahmen seien Trümmerteile niedergegangen.
Nach Angaben der Streitkräfte wurde niemand verletzt. Auch seien keine Sachschäden entstanden. Die Raketen seien aus dem Iran abgefeuert worden.
Nach Angaben eines jordanischen Regierungssprechers seien landesweit Sirenen ausgelöst worden, nachdem die Raketen in den Luftraum eingedrungen waren.

Die US-Botschaft in der jordanischen Hauptstadt Amman rief US-Staatsbürger wegen Berichten über Raketen, Drohnen oder Flugkörper dazu auf, sich umgehend in geschützte Bereiche zu begeben, in Gebäuden zu bleiben und lokale Warnmeldungen sowie behördliche Anweisungen zu verfolgen. Die Warnung gelte landesweit.
Irans Aussenministerium hat die Luftangriffe des US-Militärs scharf verurteilt. In einer Mitteilung warf das Ministerium den USA mit der Bombardierung zweier Eisenbahnbrücken im Nordosten Kriegsverbrechen vor.

Das Ministerium bezeichnete die US-Regierung in ihrer Erklärung als «bösartig und psychisch gestört». Die Angriffe in den vergangenen 48 Stunden seien ein «klarer Beleg für Vertragsbruch, Niedertracht, Kriegstreiberei».
Auch in der für Schiiten heiligen Stadt Kerbala im Irak haben Anhänger des getöteten Obersten Führers des Irans, Ajatollah Ali Chamenei, Abschied von ihm genommen.
Zehntausende Menschen nahmen dort am Mittwochabend an einem Trauerzug teil, wie auf Fotos zu sehen war. Viele schwenkten iranische und irakische Flaggen. An der Grabmoschee des Imams Hussein wurde schliesslich eine Trauerfeier mit Gebet abgehalten. Örtlichen Berichten zufolge nahmen rund eine Million Menschen teil.

Mit der Zeremonie in Kerbala endeten die Trauerfeiern im Irak für Chamenei, dessen Bestattung heute in seiner Heimatstadt Maschhad im Iran geplant ist. In mehreren Provinzen im Irak wurde der Donnerstag zum Feiertag erklärt, auch um die Heimreise der vielen Anhänger zu ermöglichen. Örtlichen Berichten zufolge wurde der Leichnam zum Flughafen von Nadschaf gebracht, um diesen zurück in den Iran zu überführen.
Zu einem Trauerzug in Nadschaf waren am Mittwoch laut örtlichen Berichten bereits Hunderttausende erschienen. Nach offiziellen Angaben nahmen schätzungsweise rund drei Millionen Menschen teil.
Israels Verteidigungsminister Israel Katz knüpft einen Rückzug aus dem Südlibanon an eine vollständige Entwaffnung der libanesischen Hisbollah-Miliz.
Israel werde in einer selbst definierten «Sicherheitszone» im Libanon verbleiben und von dort aus so lange wie nötig operieren, bis die Hisbollah im gesamten Libanon entwaffnet und die Bedrohung für die Bewohner Nordisraels beseitigt sei, erklärte Katz nach Angaben eines Sprechers.

Katz zufolge ist das von Israel kontrollierte Gebiet «frei von Bewohnern sowie von terroristischer Infrastruktur unter und über der Erde». Ziel sei es, die Menschen in Nordisrael vor der Gefahr von Überfällen, Panzerabwehrfeuer und direkten Bedrohungen zu schützen.
Katz erklärte zudem, die Hisbollah habe Israel zweimal angegriffen – nach dem Terrorüberfall der islamistischen Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 sowie nach Beginn des Iran-Krieges am 28. Februar.
Bei den jüngsten US-Angriffen im Iran sind Regierungsangaben zufolge mindestens 14 Menschen getötet worden. 78 weitere Menschen wurden bei den Luftangriffen der vergangenen zwei Tage verletzt, wie der Pressedienst der iranischen Regierung mitteilte.
Demnach werden immer noch 47 Verletzte in Kliniken behandelt. Der Iran meldete Angriffe in fünf Provinzen.
Die Ölpreise sind nach der jüngsten Eskalation am Persischen Golf mit neuen Angriffen weiter gestiegen.

Die Aufschläge hielten sich aber in Grenzen, den grössten Sprung hatten die Ölpreise am Dienstag und Mittwoch verzeichnet, als die Spannungen zwischen den USA und dem Iran wieder aufgeflammt waren.
Ein Barrel (159 Liter) der Referenzsorte Brent zur Lieferung im August legte im frühen Handel zuletzt um 1,06 Prozent auf 78,85 Dollar zu.
US-Präsident Donald Trump hat auf seinem Online-Sprachrohr «Truth Social» mit den US-Angriffen auf den Iran geprahlt. Die Angriffe seien «eine Vergeltungsmassnahme für die gestrigen iranischen Schiffsangriffe».
Sollten solche Angriffe durch den Iran wieder vorkommen, werde es «noch viel schlimmer werden», mahnt Trump.

Nur: Das geteilte Bild zeigt gar keinen aktuellen Angriff, wie das Recherche-Netzwerk «Open Source Intel» herausgefunden hat. Vielmehr zeigt es eine ältere Explosion.
Im Verlauf der Nacht (Schweizer Zeit) postete Trump zudem auch weitere Angriffsbilder und -videos. Auch diese lassen sich jedoch nicht unabhängig prüfen.
Im Iran ist der Zugverkehr nach den nächtlichen US-Angriffen auf einer wichtigen Strecke unterbrochen worden.
Nach der Bombardierung auf einen Abschnitt der Bahnstrecke Teheran-Maschhad haben Personenzüge ihre Fahrten eingestellt, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Irna. Es werde daran gearbeitet, die Strecke so schnell wie möglich zu reparieren.

Die Fahrt von der iranischen Hauptstadt Teheran in die nordöstliche Millionenmetropole Maschhad dauert in der Regel 11 Stunden. Heute soll dort der Ende Februar getötete oberste Führer Ajatollah Ali Chamenei bestattet werden.
Ob von der Sperrung der Strecke auch Anhänger betroffen waren, die nach Maschhad reisen, war zunächst unklar. Aus Sicherheitsgründen sind am Donnerstag Flüge über der Pilgerstadt untersagt.
Nach Beginn einer erneuten Angriffswelle ist der Golfstaat Kuwait laut örtlichen Armeeangaben in der zweiten Nacht in Folge unter Beschuss geraten. Die Luftabwehr wehre feindliche Raketen- und Drohnenangriffe ab, teilte die Armee des mit den USA verbündeten Landes auf der Plattform X mit. Genauere Angaben gab es zunächst nicht.
The siren has been sounded. Citizens and residents are urged to remain calm and head to the nearest safe place .
— Ministry of Interior (@moi_bahrain) July 9, 2026
Auch in Bahrain heulten wie in der Nacht zuvor wieder die Sirenen. Die Bevölkerung solle sich in Sicherheit bringen und ruhig verhalten, teilte das Innenministerium des Inselstaats im Persischen Golf mit.
Das US-Militär hat Medienberichten zufolge in der Nacht auch eine Eisenbahnbrücke im Nordosten des Irans bombardiert. Mehrere Geschosse hätten die in der Provinz Golestan gelegene Brücke getroffen, berichtete der Staatssender Irib auf der Plattform X.
Nach Angaben des regierungstreuen Senders Press TV ist es der erste Angriff in der Region seit Beginn der Waffenruhe im April.
Der Iran will nach Darstellung von US-Präsident Donald Trump weiterhin ein Friedensabkommen. «Sie haben vor kurzem angerufen, sie wollen unbedingt ein Abkommen abschliessen», behauptete Trump auf dem Rückflug vom Nato-Gipfel nach Washington. Er sei sich allerdings nicht sicher, ob sie eines Abkommens würdig seien oder ob sie sich an eines halten würden.

Auf die Frage einer Journalistin, warum die iranische Führung Handelsschiffe angreife, wenn sie doch an einem Abkommen interessiert sei, sagte Trump: «Weil ... sie etwas verrückt sind.»
Nach Beginn der neuen Angriffswelle des US-Militärs auf Ziele im Iran melden örtliche Medien Explosionen in mehreren Gebieten entlang der Küste des Landes.
Unter anderem gab es mehrere Detonationen im Bereich der Grossstadt Bandar Abbas, der Hafenstadt Buschehr und der Insel Abu Musa im Persischen Golf. Wie die staatliche Nachrichtenagentur Irna in der Nacht meldete, wurden auch Gebäude am Flughafen der Stadt Iranschahr von Geschossen beschädigt. Ein Feuerwehrmann sei getötet worden, hiess es.
Donald Trump hat verstärkte Angriffe gegen den Iran in Aussicht gestellt. Die Attacken des US-Militärs seien Vergeltungsmassnahmen für vom Iran beschossene Schiffe, teilte er auf seiner Plattform Truth Social mit. «Sollte sich so etwas wiederholen, wird es noch viel schlimmer kommen!»
Das US-Militär hatte zuvor eine neue Welle von Angriffen gegen den Iran gestartet. Damit solle die Fähigkeit Teherans eingeschränkt werden, den Schiffsverkehr in der Strasse von Hormus zu beeinträchtigen, teilte das zuständige US-Regionalkommando Centcom mit.
















