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Uefa stellt klar: Totaler Fifa-Boykott, bis WM-Pläne aufgegeben sind

Mathias Kainz
Mathias Kainz

Nyon,

Die Fifa möchte Anteile an der Fussball-Weltmeisterschaft an private Investoren verkaufen. Von der Uefa kommt ein klares Signal gegen diese Pläne.

Fifa Uefa WM Infantino
Gianni Infantino will die WM verkaufen – nun erhält die Fifa Gegenwind von der Uefa. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Uefa stellt sich gegen die Fifa-Pläne zu einem Anteils-Verkauf der WM.
  • Sämtliche Uefa-Nationalteams würden vorerst Fifa-Wettbewerbe boykottieren.
  • Der Boykott werde so lange andauern, bis die Fifa ihre Pläne aufgebe.

Nach einer ausserordentlichen Krisensitzung hat die Uefa am Donnerstag einen vorläufigen Boykott aller Fifa-Wettbewerbe beschlossen. Darauf einigten sich die 55 Mitglieder-Verbände und die Führungsspitze des europäischen Kontinentalverbands.

Hat die Uefa mit ihrem Fifa-Boykott Erfolg?

In einem umfassenden Statement verurteilt die Uefa die Pläne von Fifa-Präsident Gianni Infantino auf das Schärfste. Infantino hatte angekündigt, die Fifa werde einen Verkauf von Anteilen an der Fussball-Weltmeisterschaft an private Investoren ins Auge fassen.

Als erster Kontinentalverband legt sich die Uefa nun gegen diese Pläne quer. Solange die Pläne von Infantino aufrecht bleiben, werde es keine Teilnahme von Uefa-Nationalteams an Fifa-Wettbewerben geben.

Uefa Fifa Aleksander Ceferin
Uefa-Präsident Aleksander Ceferin stellt sich klar gegen die Fifa. - keystone

Und die Uefa geht sogar noch weiter: Bedingung für ein Ende des Boykotts ist auch, dass sich die Fifa verpflichtet, die Pläne langfristig zu begraben. Weder die WM noch andere Fifa-Wettbewerbe noch die Fifa-Führung selbst dürften zum Verkauf stehen, so die Uefa.

Das Uefa-Statement im Wortlaut

Die UEFA und ihre 55 Mitgliedsverbände stehen wie eins. Wir lehnen den Vorschlag der FIFA, Eigentumsanteile an der Weltmeisterschaft und anderen FIFA-Wettbewerben an private Investoren zu übertragen, einstimmig und unmissverständlich ab.

Die Weltmeisterschaft kann nicht wie ein Anlageprodukt behandelt werden. Sie ist eines der größten sportlichen Vermächtnisse des Fußballs. Sie wurde über Generationen hinweg von Spielern, Nationalmannschaften und Fans auf allen Kontinenten aufgebaut. Kein Teil davon sollte jemals an private Investoren abgetreten werden. Die Weltmeisterschaft steht nicht zum Verkauf.

Es ist sowohl unverantwortlich als auch unvertretbar, dass ein Vorschlag von so großer Bedeutung für den Fußball im Geheimen konzipiert und bis an den Rand der Genehmigung gebracht wurde, ohne dass eine bedeutungsvolle Konsultation mit denjenigen stattfand, die mit der Verwaltung des Spiels betraut sind. Dies ist nicht nur ein tiefgreifendes Versagen der Führung, sondern eine Entsagung der Pflicht der FIFA als Hüterin des Weltfußballs.

Die Nationalverbände auf der ganzen Welt werden nun vor ein Ultimatum gestellt: Entweder sie akzeptieren die unwiderrufliche Übernahme der größten Wettbewerbe des Fußballs oder sie tragen die Konsequenzen. Dies ist keine „demokratische Entscheidung“, sondern Führung durch Einschüchterung – ein Akt der Nötigung, der einer Institution unwürdig ist, die mit der Betreuung des globalen Spiels betraut ist.

Unser Widerstand geht jedoch weit über den Prozess hinaus.

In dem Moment, in dem externe Investoren Eigentumsanteile an FIFA-Wettbewerben erwerben, verändert sich der Fußball für immer. Kommerzielle Rendite wird zu einer dauerhaften Verpflichtung. Investor-Erwartungen werden zu einem täglichen Druck. Von diesem Moment an wird jede Entscheidung über den internationalen Kalender, jede Entscheidung über Wettbewerbsformate und jede Entscheidung, die die Zukunft des Fußballs gestaltet, nicht mehr davon getrieben, was dem Spiel am besten dient, sondern davon, was den Aktionären am besten dient.

Dieses Modell hat keinen Platz im Weltfußball. Die Zukunft des Fußballs kann nicht von den Erwartungen derer diktiert werden, deren erste Pflicht darin besteht, den finanziellen Ertrag zu maximieren. Noch können die Interessen von Nationalverbänden, Ligen, Klubs, Spielern und Fans den Investor-Renditen untergeordnet werden. Der Fußball kann seine Zukunft nicht für finanziellen Gewinn verpfänden.

Europas Position ist klar. Wir werden diesem Modell niemals unsere Legitimität leihen. Niemand hat die moralische Autorität zu verkaufen, was er nur treuhänderisch für die nächste Generation hält.

Als Ergebnis der heutigen Diskussion wird keine UEFA-Nationalmannschaft an irgendeinem FIFA-Wettbewerb teilnehmen, solange diese Vorschläge aufrechterhalten werden, es sei denn, dieser Vorschlag wurde in seiner Gesamtheit aufgegeben und es wurden verbindliche Zusagen gemacht, dass die FIFA ihre Führung oder ihre Wettbewerbe niemals wieder für privaten Besitz öffnen wird.

Niemand sollte den geringsten Zweifel haben: Die UEFA und ihre Nationalverbände werden sich diesen Plänen mit absoluter Entschlossenheit widersetzen.

Es gibt Momente, in denen Institutionen nicht danach beurteilt werden, was sie zu akzeptieren bereit sind, sondern danach, worüber sie keine Kompromisse einzugehen bereit sind. Dies ist einer dieser Momente.

Manche Dinge sind einfach zu wichtig, um verkauft zu werden. Die FIFA-Weltmeisterschaft gehört dem Fußball. Das wird sie immer tun. Und solange Europa eine Stimme hat, wird sie niemals zum Verkauf stehen.

Kommentare

User #5460 (nicht angemeldet)

alles Vereinsdemokraten...

User #5460 (nicht angemeldet)

Die Fifa ist ein Verein und da gellten die Vereinsrechte. Lasst uns abstimmen und die Demokratie gemäss dem Vereinsrecht walten lassen... p.s. Europa ist rund 7.5% der Weltbevölkerung und hat daher auch nicht ein "Vetorecht"....

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