WM: Infantino verteidigt Investoren-Plan als «einmalige Chance»

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Lausanne,

Trotz grosser Empörung über seine WM-Verkaufspläne scheint sich Fifa-Boss Gianni Infantino seiner Sache sicher zu sein. Er verteidigt das umstrittene Vorhaben.

Gianni Infantino Fifa
Gianni Infantino spricht offen über seine WM-Verkaufspläne. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Gianni Infantino verteidigt seine Investoren-Pläne.
  • Der Fifa-Boss spricht von einer einmaligen Chance für die Entwicklung des Fussballs.

Bestechung, Erpressung, Ausverkauf: Die Empörung über die Investoren-Pläne des Fussball-Weltverbands ist besonders in Europa gross. Der schon während der WM heftig kritisierte Fifa-Präsident wehrt sich.

Ungeachtet harscher Kritik an den Investorenplänen der Fifa will Verbandspräsident Gianni Infantino keine sinnvollen Alternativen zum von ihm vorangetriebenen Milliardenprojekt erkennen.

Traust du Infantino die Umsetzung seines Verkaufsplans zu?

Infantino spricht von «einmaliger Chance»

In einer am Mittwochabend vom Fussball-Weltverband verbreiteten Videobotschaft rechtfertigte er den geplanten Einstieg externer Geldgeber als «einmalige Chance, die weltweite Entwicklung des Fussballs deutlich zu beschleunigen».

Gianni Infantino
Bringt Gianni Infantino seine Investoren-Pläne durch? - keystone

Kritiker werfen dem umstrittenen Funktionär indes vor, vor allem seinen persönlichen Profit und den von Geschäftspartnern im Auge zu haben, indem er die Kommerzialisierung der weltweit populärsten Sportart immer weiter auf die Spitze treibe.

Infantino reagierte mit dem Video offensichtlich auf den gewaltigen Sturm der Entrüstung, den er mit seinen Gedankenspielen selbst losgetreten hatte.

Vor allem aus Europa kamen Vorwürfe, die Fifa wolle sich die Zustimmung ihrer Mitgliedsverbände mit lukrativen Sonderzahlungen quasi erkaufen und habe für deren Entscheidung bewusst eine knappe Frist gesetzt – die Rede war von Bestechung, von Erpressung und einem Ausverkauf des Sports.

«Teil eines demokratischen Prozesses»

Der Verbandspräsident konterte die Anschuldigungen und bezeichnete die Investoren-Pläne in der Videobotschaft zunächst als Vorschlag, der «Teil eines demokratischen Prozesses» sei.

Schliesslich müssten eine Mehrheit der 211 Mitgliedsverbände der Fifa sowie das Fifa Council überhaupt erst zustimmen.

Allerdings scheint schon jetzt klar, dass es abseits der Ablehnung aus Europa gerade bei kleineren Mitgliedsstaaten Zustimmung für die Idee geben dürfte, weil sie schlicht auf einen deutlichen Anstieg der Einnahmen hoffen.

Gianni Infantino
Gianni Infantino ist Präsident der Fifa. - keystone

Infantino formuliert es so: «Dies ist eine einmalige Chance, die weltweite Entwicklung des Fussballs deutlich zu beschleunigen.» Denn: «Zu wenig vom wachsenden kommerziellen Wert des Fussballs kommt in den Teilen des Spiels an, die ihn am dringendsten benötigen.»

Um diesen Wert zu erschliessen, brauche es «zusätzliches Fachwissen». Die Fans könne er jedenfalls beruhigen: «Der Sport, den sie verfolgen und lieben, wird sich nicht verändern.»

Mehr Turniere und mehr Kommerz ?

Solche Beteuerungen nehmen ihm viele Kritiker jedoch nicht ab. Nicht einmal zwei Wochen nach dem WM-Final in den USA sehen sie ihre Befürchtungen genährt, dass die Fifa durch den Verkauf eines Teils ihrer kommerziellen Rechte an Wettbewerben den Sport endgültig zum Spielball von Investoren verkommen lässt.

Fifa
Gianni Infantino und Donald Trump übergeben den Spaniern den WM-Pokal. - keystoen

Die Logik dahinter: Noch mehr Turniere mit noch mehr Teams und Spielen würden Umsatz und Erlöse steigern, womit auch der Wert der zuvor veräusserten Beteiligungen wüchse.

Gemäss dem vorgeschlagenen Deal sollen private Geldgeber rund 20 Prozent der Anteile an einem neu zu gründenden Tochterunternehmen namens FFE (Fifa Forward Enterprise) erwerben können, dessen Wert zunächst auf insgesamt 20 Milliarden Dollar festgelegt ist.

Bleibt Infantino im Fifa-Kosmos?

Im FFE würden die kommerziellen Rechte an den Fifa-Wettbewerben wie der Männer- und Frauen-WM sowie der Club-WM gebündelt.

Mit diesem Schachzug könnte Infantino zudem nach einer weiteren Periode als Präsident zum Geschäftsführer des neuen Unternehmens werden und so nach 15 Jahren Amtszeit weiter mächtig im Fifa-Kosmos wirken.

Der Schweizer stellte in Aussicht, dass mit Investorenhilfe und über das «Fifa-Fast-Forward-Programm» jeder Mitgliedsverband seine Einnahmen vervielfachen könne.

Nachdem die Fifa im vergangenen Jahrzehnt unter anderem ihre Wettbewerbe grundlegend verändert habe, müsse nun auch finanziell nachgelegt werden, appellierte Infantino: «Die Stärkung der kommerziellen Seite des Fussballs ist der natürliche nächste Schritt dieser Entwicklung.»

Kommentare

User #5195 (nicht angemeldet)

Der Fussball ist schon lange kommerzialisiert. Nun wird die Zahl der Profiteure ausgeweitet. Auch die Politisierung nimmt zu. Wer nicht will geht nicht hin.

User #2601 (nicht angemeldet)

Wenn die Schweiz noch ein bisschen Anstand hätte, würde sie die Fifa zum Teufel schicken.

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