Jürgen Klopp ist trotz XXL-Kader nicht Bohlen des Fussballs
Bundestrainer Jürgen Klopp (59) überrascht: Sein erstes DFB-Kader umfasst gleich 44 (!) Namen. Damit macht er schon zu Beginn alles richtig. Ein Kommentar.

Das Wichtigste in Kürze
- Jürgen Klopp hat sein erstes DFB-Aufgebot verkündet: Gleich 44 Spieler sind dabei.
- Der Erfolgscoach unterstreicht damit nur, was er bereits angekündigt hat: Jeder hat eine Chance.
Rund um das Nati-Aufgebot von Murat Yakin geben nur zwei Personalien zu reden: Der «Zoff-Rücktritt» von Noah Okafor und das Debüt von Sion-Shootingstar Winsley Boteli. Ganz anders sieht es da bei unserem nördlichen Nachbarn aus.
Gleich 44 Spieler nominiert Neo-Bundestrainer Jürgen Klopp – das gab es noch nie! Die 59-Jährige Trainer-Ikone beruft gleich zwei Kader ein, darunter elf Neulinge. Schwingt sich Klopp damit in bester «DSDS»-Casting-Manier zum Dieter Bohlen des Fussball-Castings auf?

Nein! Mit seinem ersten DFB-Aufgebot sorgt der Bundestrainer nicht für ein «Nationalteam-Jekami» – sondern hält einfach nur sein Versprechen. «Jeder Profi, der einen deutschen Pass besitzt, soll sich anstrengen», sagt er bei seiner Antritts-PK Ende Juli.
Seither macht Klopp alles anders als Julian Nagelsmann: Er besucht Spiele im Stadion, schaut im Training von Bundesliga-Clubs vorbei. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger ist Klopp volksnah, greifbar, geerdet – und er unterstreicht: Bei ihm haben alle eine Chance, die sich den Hintern aufreissen.

Klopp veranstaltet kein Casting, um sich auf gut Glück ein paar Profis anzuschauen: Er hat schlicht und einfach keine Scheuklappen auf und interessiert sich nicht für Namen und frühere Verdienste. Wer Gas gibt, der spielt. Das hat den Erfolgscoach bereits bei Mainz, Dortmund und Liverpool zum Erfolg geführt.
Auch Jürgen Klopp wird Siege brauchen
Diese Revolution hat der DFB auch bitter nötig: Seit dem gewonnenen WM-Final 2014 hat Deutschland kein K.o.-Spiel an einer Weltmeisterschaft mehr gewonnen. Als unsere Nati im vergangenen Juli nach heroischem Kampf im Viertelfinal an Messis Argentiniern scheiterte, waren die Deutschen schon 14 Tage in den Ferien.
Ob mit Vitaly Janelt (28, Brentford), Bambasé Conté (23, Hoffenheim) oder Mika Baur (22, Celtic) jetzt alles besser wird? Das wird sich zeigen. Auch eine Trainer-Legende wie Jürgen Klopp ist am Ende des Tages auf Siege und Erfolge angewiesen.

«Wir lernen, unter Druck Spass zu haben», sagt Kloppo. Dem 59-Jährigen gelingt es schon jetzt, in Fussball-Deutschland wieder eine Vorfreude und Euphorie loszutreten. Und dass, bevor überhaupt ein Pass gespielt wurde. Das kann nur er.

















