Gianni Infantino: Dieser Rundumschlag ist einfach peinlich!
Gianni Infantino holt eine Woche nach dem Final der WM 2026 zum Rundumschlag gegen seine Kritiker aus – und macht sich damit selbst zum Gespött. Ein Kommentar.

Das Wichtigste in Kürze
- Auf Instagram schiesst Fifa-Präsident Gianni Infantino scharf gegen seine Kritiker.
- Es sei eine WM der Liebe und des Friedens gewesen – wer das nicht sehe, sei ein «Hater».
- Schweigen wäre in diesem Fall die bessere Wahl gewesen.
«Ein König, der sagen muss: ‹Ich bin der König›, ist kein richtiger König.»
Diese warnenden Worte richtet Familien-Patriarch Tywin Lannister in «Game of Thrones» an seinen Enkel. Dieser Enkel, das ist der wahnsinnige junge König Joffrey Baratheon. Tywin massregelt ihn für einen Wutausbruch vor seinem versammelten Familien-Rat.

Es ist aber auch ein Satz, den sich Gianni Infantino vielleicht zu Herzen nehmen sollte. Nicht, dass ich den Fifa-Präsidenten mit einem gewalttätigen, grausamen, kindischen Tyrannen vergleichen möchte. Der sass beim Final neben dem Fifa-Boss.
Aber sein wahlloser Instagram-Rundumschlag eine Woche nach dem Final der WM 2026 ist eine Verzweiflungstat, die vor allem eines ist: An Peinlichkeit kaum zu überbieten.
Ein verzweifelter Versuch, die WM 2026 ins rechte Licht zu rücken
Es ist der verzweifelte Versuch, die Welt-Öffentlichkeit über die WM 2026 umzustimmen. «Seht her, wie toll diese WM war! Niemand wurde von den faschistischen ICE-Häschern des Trump-Regimes ermordet oder in ein Abschiebe-Gefängnis gesteckt! Es gab keine Massen-Schiessereien vor unseren WM-Stadien – ist das nicht toll?»

Es ist der verzweifelte Versuch, die blamablen, Fremdscham-auslösenden Anbiederungen des Fifa-Präsidenten an US-Supremo Donald Trump zu rechtfertigen. «Ist er nicht wunderbar, mein toller US-amerikanischer Kumpel? Schaut, wie wir beim WM-Final nebeneinander sitzen und lachen!»
Es ist der verzweifelte Versuch, die «Affäre Balogun» als Fussball-Alltag hinzustellen. «Das passiert aber auch in anderen Ligen so!» Ja, tut es – aber ich wage zu behaupten, dass es vorher keine Anrufe von Möchtegern-Diktatoren beim Fifa-Präsidenten gibt. Selbst wenn die Begnadigung völlig regelkonform gewesen wäre (war sie nicht), die schiefe Optik bleibt.

Es ist der verzweifelte Versuch, die WM als einen Triumph des Friedens hinzustellen, die Fifa als Botschafterin der Liebe. Diese Korrektur der Wahrnehmung braucht es auch! Nach Russland, Katar und den USA ist mit Saudi-Arabien schliesslich schon bald der nächste Henker-Staat WM-Ausrichter ...
Auf Instagram gegen die «Hater» ausgeteilt
Gianni Infantino hätte sich nicht äussern müssen. Die WM 2026 war im Rückspiegel, die Fans schon in der Vorfreude auf die nationalen Ligen. Der ganze Ärger, die ganze Aufregung, die ganzen kleinen und grossen Skandale waren schon fast wieder vergessen.
Stattdessen holt Infantino gegen seine «Hater» (so nennt man Kritiker heute) zum Rundumschlag aus. Teilt auf Instagram aus – und schliesst in weiser Voraussicht gleich die Kommentare.

Die kluge Wahl wäre das Schweigen gewesen. Für Infantino selbst war die WM 2026 sicherlich ein voller Erfolg. Finanziell zweifellos, mit mehr Spielen als je zuvor. Auch persönlich, durfte er doch so viel Zeit mit Donald Trump verbringen.
Die Fussball-Gemeinde wird er aber nicht davon überzeugen, dass diese WM-Endrunde ein Volltreffer war. Die Welt-Öffentlichkeit hat ihr Urteil gefällt – und es fällt nicht schmeichelhaft aus.
Hätte Infantino geschwiegen, wäre vermutlich schon bald Ruhe eingekehrt. So aber hat der Fifa-Präsident nur den nächsten Erdrutsch an Kritik losgetreten.
Weil er laut sagen musste: «Ich bin der König!»
















