National League – «Overtime»: Das sind die Verlierer der Quali
In wenigen Tagen geht die Qualifikation der National League zu Ende. Hockey-Experte Nicola Berger nennt im Format «Overtime» die Verlierer der Regular Season.

Das Wichtigste in Kürze
- Kommenden Montag endet die Regular Season der National League.
- In einer zweiteiligen Bilanz kürt Experte Nicola Berger die Gewinner und Verlierer.
- Heute an der Reihe: Die sieben unglücklichen Figuren.
Miro Aaltonen (FIN), 32, Center, SC Bern
Der Sportdirektor Martin Plüss lotste Aaltonen für viel Geld aus Kloten nach Bern, er war einer seiner ersten offiziellen Zuzüge. Und ist bisher eine kolossale Enttäuschung. 21 Punkte aus 38 Partien, das ist eine miserable Bilanz für einen designierten Erstliniencenter.

Mit Waltteri Merelä, 2024/25 mit Abstand der beste SCB-Individualist und nun seit Monaten schwächelnd, harmoniert er bisher überhaupt nicht. Nach seiner Kokain-Sperre im Vorjahr (und dem schnellen Abgang aus Kloten) hätte man erwartet, dass Aaltonen sich mit einer überragenden Saison sportlich rehabilitiert. Davon ist er weit entfernt.
HC Ajoie, NL-Klub aus Pruntrut mit einem Abonnement auf dem letzten Platz
2021 ist der HC Ajoie aufgestiegen. Eine schöne, rührende Geschichte. Aber Fakt ist, dass es keine Rolle spielt, wer dieses Team coacht und managt: Ajoie wird sowieso stets Letzter.
Es mangelt in allen Mannschaftsteilen eklatant an Qualität, daran ändern auch einige positive Surprises (in diesem Winter: Anttoni Honka und Antoine Keller) nichts. In den letzten Jahren hat sich der Klub auch dank windigen Taschenspielertricks (Schiffsladungen an B-Lizenzen für die nicht aufstiegsberechtigten Swiss-League-Teams) in der Liga gehalten.

Es ist bedenklich, dass das überhaupt möglich ist. Ajoie ist nichts anderes als ein wandelndes Argument für den direkten Auf- und Abstieg. Es ist stossend, dass sich die Mehrheit der NL-Vertreter aus Angst nicht dazu durchringen kann, den Modus entsprechend zu ändern.
Wen die Furcht lähmt, selbst abzusteigen, hat womöglich den Beruf verfehlt – der Profisport ist nun mal keine geschützte Werkstatt. Und die übrigen 13 NL-Teams müssten schon wahnsinnig viel falsch machen, um hinter dem seit fünf Jahren konkurrenzlos schwachen Ajoie zu landen. Eine Relegation wäre dafür nichts weiter als die verdiente Konsequenz.
Jan Kovar (CZE), 35, Center, EV Zug
Es mangelt im Kader des bitter enttäuschenden EVZ gewiss nicht an Kandidaten für diese Liste. Der Verteidiger Livio Stadler spielt eine Saison zum Vergessen, der Stürmer Daniel Vozenilek ist oft ein undiszipliniertes Ärgernis, Tobias Geisser stagniert weiter, Fabrice Herzog ist kaum wiederzuerkennen.

Sogar Dominik Kubalik ist mit seiner Eindimensionalität trotz all seinen Toren eine leise Enttäuschung. Am schwierigsten aber ist der Fall Kovar. Der Einsatz stimmt, sein Captain-Amt führt er weiterhin vorbildlich aus. Aber die Abwärtsspirale hat er nicht aufhalten können.
Das Zuger Management um den Sportchef Reto Kläy verlängerte Kovars Vertrag 2024 um zwei Jahre bis 2027. Es war eine Nostalgietransaktion, sie war der Wertschätzung des Klubs für die grossen Verdienste Kovars in den Meisterjahren 2021 und 2022 geschuldet. Kovar ist als Erstliniencenter eines Titelanwärters eingeplant und wird auch so bezahlt. Aber sein heutiges Rendement erinnert nur noch entfernt an den Spieler, der er einst war.
Filippo Lombardi, 69, Präsident, Ambri-Piotta
Ohne den Politiker und Medienunternehmer stünde die Gottardo-Arena vermutlich nicht, das sei hier noch einmal erwähnt. Doch in den letzten Jahren hatte Lombardi das Gebaren eines Sonnenkönigs und lähmte damit den stark verschuldeten Klub.
Dem Autor dieser Zeilen warf er zuletzt in einem grossen Interview mit CH Media mangelnde Seriosität vor; die Berichterstattung zu Ambris angeschlagenen Finanzen habe sich auf eine einzige Quelle gestützt und er sei nie kontaktiert worden. Beides ist falsch, Letzteres sogar nachweislich.

Wie viel Lombardis Wort wert ist, darüber konnte sich im Rahmen der unwürdigen Affäre im Herbst jeder selbst ein Bild machen. Der Trainer Luca Cereda und der Manager Paolo Duca verliessen den Verein. Lombardis Abgang ist eine Befreiung für den Verein und die Belegschaft.
Sein Nachfolger ist der Anwalt Davide Mottis, zu dem es ein interessantes Detail gibt: Bis vor kurzem war er an der in Lugano ansässigen Beratungsagentur «IQ Sports Management» beteiligt, die von zwei Männern mit langer Ambri-Vergangenheit geführt wird: Vom einstigen Trainer Serge Pelletier und dem früheren Captain Elias Bianchi. Inzwischen hat Mottis seine Anteile verkauft.
Robert Mayer, 36, Torhüter, Servette
2023 war Mayer der gefeierte Meisterheld und erhielt im WM-Viertelfinal sensationell den Vorzug vor Leonardo Genoni. Mayer verschuldete beim 1:3 gegen Deutschland das erste Gegentor, und scheint den Zauber jenes magischen Frühjahrs mit Servette nie mehr wiedererlangt zu haben.
Es gibt bei Servette einige Kandidaten für diese Auflistung, etwa den ehemaligen WM-Stürmer Marco Miranda, der kaum noch zur Entfaltung findet. Oder den Sportchef Marc Gautschi, der sich dafür entschied, mit Derick Brassard einen Stürmer zu verpflichten, der seine Karriere eigentlich 2023 beendet hatte.

Wenig überraschend verletzte sich der Kanadier in seinem ersten Einsatz für Servette und hat seither nicht mehr gespielt. Am besorgniserregendsten aber ist der Zerfall von Mayer, der statistisch der schwächste Torhüter der Qualifikation ist.
Sein Vertrag läuft bis 2027 weiter; Servette muss beten, dass sich die Nummer 1 Stéphane Charlin im Sommer nicht nach Nordamerika verabschiedet.
Vinzenz Rohrer, 21, Stürmer, ZSC Lions
Der Österreicher war eines der wichtigsten Puzzleteile der ZSC-Mission Titelverteidigung in der Saison 2024/25. Rohrer ist ein wunderbarer Eishockeyspieler und ein feiner, anständiger, kluger Mensch, dessen Horizont nicht an der Werbebande endet.
Aber die Enttäuschung, von den Montreal Canadiens im Herbst schon früh aus dem Kader gestrichen worden zu sein, hat er nur schwer verkraftet. 9 Punkte in 35 Partien sind eine magere Ausbeute, aber den ZSC schmerzt vor allem, dass er die Intensität aus dem Vorjahr nicht mehr erreicht.

Einer, der ihn eng verfolgt, sagt: «Auf mich macht es den Eindruck, dass er das Spiel im Moment zu sehr denkt und zu wenig spielt». Allzu viele Sorgen machen muss man sich nicht. Rohrer ist 21, Schwankungen sind normal, er wird seinen Weg machen.
Harri Säteri (FIN), 36, Torhüter, Biel
Im Frühjahr 2023 stürmte der EHC Biel in den Playoff-Final und war dort nur einen Sieg vom ersten Meistertitel der Playoff-Ära entfernt. Es waren vor allem der erkrankte Trainer Antti Törmänen und der Goalie Harri Säteri, die diese Mannschaft trugen.
Der inzwischen zurückgetretene Stürmer Damien Brunner sagte über den finnischen Olympiasieger: «Er steht zwischen den Pfosten, hat diese Präsenz, und du weisst: Er wird die Scheibe halten. Es ist schwierig zu beschreiben, aber er strahlt eine enorme Souveränität aus.»

Von diesem Nimbus ist nicht viel übrig geblieben. Hinter einer sehr porösen Abwehr wirkte Säteri in diesem Winter oft verloren. Erstmals in seiner Karriere liegt seine Abwehrquote in Europa unter 90 Prozent. Biel mangelt es nicht an Problemen. Es kann sich nicht leisten, für einen mittelmässigen Torhüter eine Ausländerlizenz aufzuwenden.
















