Der Tessiner SVP gefällt die «politische Linie» des Senders RSI nicht. Die Partei will deshalb am Abstimmungssonntag sämtliche Sendungen boykottieren.
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Radiotelevisione Svizzera (RSI) ist eine Unternehmenseinheit der SRG SSR mit Sitz in Lugano. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Tessiner SVP will RSI-Sendungen am Abstimmungssonntag boykottieren.
  • Die Partei distanziert sich damit von der «politischen Linie» des Senders.
  • Die SVP lehnt alle drei nationalen Abstimmungsvorlagen vom Sonntag ab.

Die Tessiner SVP will nach eigenen Angaben die Sendungen des Radios und Fernsehens der italienischsprachigen Schweiz (RSI) am Abstimmungssonntag boykottieren. Die Partei warf dem Medienunternehmen am Samstag parteiische Berichterstattung vor.

Die Protagonisten der Partei wollen nur dem Privatsender Teleticino, privaten Radiostationen, Internetportalen und Printjournalisten Statements und Kommentare zum Abstimmungssonntag abgeben, wie die SVP Tessin auf ihrer Internetseite mitteilte.

Marco Chiesa
SVP-Parteichef Marco Chiesa spricht sich gegen das Covid-19-Gesetz aus. - Keystone

Man sei zuversichtlich, dass diese Medien in der Lage sein werden, «professionell und unparteiisch» zu berichten, was die «politische Linie von RSI» derzeit nicht garantieren könne, hiess es in der Mitteilung der SVP weiter.

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RSI weist alle Vorwürfe zurück

Die Verantwortlichen bei RSI wiesen die Anschuldigung zurück, eine politische Linie zu verfolgen, die eine unparteiische Berichterstattung infrage stellen könnte. Die Aktion sei eine Initiative der SVP und sie benachteilige die Öffentlichkeit und die Bürgerinnen und Bürger der italienischsprachigen Schweiz, hiess es in einer Stellungnahme.

RSI werde am Sonntag in seinen Radio- und Fernsehsendungen sowie online über die Abstimmungen berichten. Der Sender wolle «alles in seiner Macht stehende» tun, um sicherzustellen, dass die Zuschauer und Hörerinnen Zugang zu Reaktionen und Kommentaren aller Parteien hätten - einschliesslich der SVP.

Covid-19-Gesetz
In Illgau SZ wurde das Covid-19-Gesetz mit 84,6 Prozent abgelehnt. - Keystone

Die SVP war in der italienischsprachigen Schweiz bei den letzten eidgenössischen Wahlen fünftstärkste Kraft hinter FDP, CVP (heute Mitte), Lega und SP. Die Partei lehnt alle drei nationalen Abstimmungsvorlagen vom Sonntag ab. In Umfragen stiessen das Covid-Gesetz und die Pflegeinitiative jüngst beim Volk mehrheitlich auf Zustimmung.

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