Erste Schweizer Filialen von Schmuckladen Claire's schliessen
Zwei Tessiner Filialen des Schmuckhändlers Claire's machen dicht. An anderen Standorten sorgen derweil Rabatte für Fragezeichen.

Das Wichtigste in Kürze
- Schmuckhändler Claire's steckt seit 2025 in der Krise.
- In Grancia und Lugano TI schliessen die ersten Schweizer Filialen.
- Andere Standorte fallen mit vielen Rabatten und weniger üppigen Auslagen auf.
Schluss mit glitzerndem Schmuck, bunten Accessoires und Schminke: Im Tessin machen zwei Shops von Claire's dicht.
Die Filiale in der Gemeinde Grancia südlich von Lugano ist bereits geschlossen. Die Filiale in Lugano soll bis Ende März zugehen, wie «Ticinonews» berichtet.
Insgesamt sind acht Angestellte von den Schliessungen direkt betroffen. Die Gewerkschaft Unia steht mit der Firma in Kontakt.
Sie kritisiert jedoch die mangelnde Transparenz und die spärlichen Informationen. Auch das Personal soll keinen Zugang zu klaren Hinweisen haben. Unklar ist, was mit der Filiale in Locarno passiert, die noch geöffnet ist.
Der US-Schmuckhändler steckt seit 2025 in der Krise. Damals meldete die Firma bereits zum zweiten Mal Insolvenz an, erstmals tat sie das 2018.
Schulden in Höhe von 690 Milliarden Dollar soll Claire's angehäuft haben. In Grossbritannien sind bereits mehrere Shops zugegangen.
Rabatte «bis zu 70 Prozent»
In der Schweiz betreibt Claire's rund 30 Shops. Für Teenie-Mädchen gehörte ein Besuch dort lange zum Stadtbummel dazu. An Mittwochnachmittagen platzten die Läden jeweils aus allen Nähten.
Seit einigen Monaten vermitteln einige Filialen aber den Eindruck, als befänden sie sich mitten in einem Ausverkauf.
Das Schaufenster der Filiale im Zürcher Hauptbahnhof wirbt mit Rabatten von 30 und 50 Prozent. Im Laden prangen über den Auslagen Rabatt-Schilder. Sie weisen auf «bis zu 50 Prozent» oder «bis zu 70 Prozent» reduzierte Artikel hin. Sogar in der umsatzstarken Adventszeit lockte die Filiale mit lauter reduzierten Artikeln.
Ähnlich sieht es im Claire's-Shop im «Fribourg Centre» am Bahnhof Freiburg aus. Auch dort sind viele Produkte mit «bis zu 70 Prozent»-Rabatt angeschrieben. Im Gegensatz zur Filiale in Zürich kleben an den Schaufenstern jedoch keine Rabatt hinweise.
Die Filialen wirken im Vergleich zu früher aufgeräumt. Die Verkaufsregale sind nicht mehr so prall gefüllt. Zu Halloween oder Weihnachten boten die Filialen zudem keine üppigen Kollektionen mehr an.
Personal verneint baldige Schliessung
Wie es um die Schweizer Filialen steht, ist unklar. Der Firmensitz von Claire's Switzerland liegt in Thalwil ZH. Erreichbar ist die Telefonnummer nicht, es ertönt die Meldung, dass diese nicht vergeben sei.
Die Redaktion hat den Hauptsitz für Europa im britischen Birmingham in den letzten Monaten zudem mehrmals per E-Mail erfolglos kontaktiert.
Eine informelle Frage an das Personal, ob die Läden bald schliessen würden, beantwortet das Personal mit «Nein». Auf das weniger üppige Angebot angesprochen, antwortet eine Angestellte Anfang Jahr: «Die neue Kollektion ist noch nicht eingetroffen.»
«Taschen für Grossmütter»
Für die Shops in Europa gibt es aber Hoffnung.
Der französische Investor Julien Jarjoura hat die Niederlassungen in der Schweiz, Österreich, Frankreich, Spanien und Portugal übernommen.
Jarjouras Plan soll viele der 154 Filialen in Grossbritannien offen halten und möglicherweise hunderte von Arbeitsplätzen retten.
«Jeder hat persönliche Erfahrungen mit Claire's», sagt Julien Jarjoura zur britischen Zeitung «The Times». «Manche sagten mir sogar, dass sie dort geklaut hätten.» Als Unternehmer habe er den Gedanken nicht ertragen können, ein Geschäft aufzugeben, das es wert zu retten sei.
Er sieht jedoch Verbesserungspotenzial im Sortiment.
Heute sehe man in den Shops zum Beispiel Taschen, die nicht für junge Mädchen seien, so der Unternehmer. «Sie sind für Mütter und Grossmütter. Dasselbe gilt für den Modeschmuck.» Es brauche eine klare Botschaft.
Online-Shops als Konkurrenz
Tessinerinnen bedauern derweil die Schliessung der beiden Filialen in ihrem Kanton.
Eine Erinnerung an ihre Kindheit verschwinde, schreiben Userinnen. Ihr Grossvater habe ihr 50 Franken gegeben und sie gebeten, den Rest zurückzugeben, erinnert sich eine Tessinerin.
«Ich ging rein und kam nur mit dem Kassenzettel und tausend Schlüsselanhängern und Kettchen raus.»
Viele User überrascht die Schliessung aber nicht. Sie kritisieren die hohen Preise der Produkte. In Online-Shops wie Shein und Temu bekomme man dasselbe billiger.




















