Stadt Bern

    Weg von «Epic»? GSI rudert bei Gesundheitsplattform zurück

    Matthias Bärlocher
    Matthias Bärlocher

    Bern,

    Die Gesundheitsdirektion sucht nun doch noch andere Software-Anbieter. «Epic»-Kritiker reagieren vorsichtig positiv.

    Ärzte Computer Informationssystem
    Ärzte betrachten die Bilder einer Magnetresonanztomographie (MRT) an der Polyklinik des Inselspitals, am 12. November 2024. - keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Die GSI sucht Software-Anbieter für die geplante digitale Gesundheitsplattform.
    • Dabei schien klar: Man will das (teure) US-Produkt «Epic» – wie schon das Inselspital.
    • Der Gesinnungswandel freut «Epic»-Kritiker, sofern er denn ernst gemeint sei.

    Einerseits geht es um voraussichtlich sehr viel Geld. Die Einführung des Klinikinformationssystems «Epic» am Inselspital kostete rund 100 Millionen Franken, möglicherweise auch mehr.

    Als der Regierungsrat «Epic» gleich auch noch als Software für die neue kantonale Gesundheitsplattform einsetzen wollte, gab es viele Bedenken. Und noch mehr Fragen.

    Was genau waren am Inselspital die Gesamtkosten? Warum genau wird «Epic» bevorzugt und explizit ins Gesetz geschrieben? Muss es wirklich ausgerechnet ein US-amerikanisches Produkt sein?

    Epic Campus
    Der weitläufige Campus der Epic Systems Corporation in Verona im Bundesstaat Wisconsin. - Screenshot epic.com

    Doch wie Recherchen des BärnerBär zeigen, scheint die zuständige Gesundheitsdirektion (GSI) nun zurückzukrebsen. Auf der Beschaffungsplattform simap.ch sucht die GSI Anbieter von Software-Lösungen. Diese sollen Produkte anbieten, die sowohl die kantonale Plattform als auch ein daran anbindbares Klinikinformationssystem beinhalten.

    Weitere Lieferanten gesucht

    Der Auftrags-Beschrieb erwähnt dabei «Epic» mit keinem Wort. Also alles zurück zum Start? Der «Request for Information» (RFI) auf simap.ch sei Bestandteil einer Marktanalyse, sagt dazu GSI-Sprecher Gundekar Giebel auf Anfrage.

    KISIM Klinikinformationssystem
    KISIM ist ein Klinikinformationssystem des Schweizer Herstellers CISTEC. - Screenshot cistec.com

    «Es soll geprüft werden, ob es neben ‹Epic› weitere geeignete Lieferanten, respektive Produkte am Markt gibt.» Wobei, betont Giebel, «Epic» nach erster Einschätzung die Anforderungen an eine Gesundheitsplattform weitgehend erfülle.

    Gesundheits-Software: Späte Einsicht oder Alibi-Übung?

    GLP-Grossrat Casimir von Arx hat schon mehrere Vorstösse zu «Epic» und zur Gesundheitsplattform eingereicht. Der bisherige Plan der GSI sei gewesen, den bernischen Spitälern zu diktieren, dass sie das US-Produkt benützen müssten.

    Von Arx hält fest: «Grund dafür scheint in erster Linie zu sein, dass das Insel-Spital sich für diese Software entschieden hat.» Dies obschon Epic bekanntermassen auch noch eine sehr teure Lösung sei.

    Casimir von Arx Epic
    Casimir von Arx ist Grossrat der Grünliberalen. Er hat mehrere Vorstösse betreffend «Epic» beziehungsweise zur digitalen Gesundheitsplattform eingereicht. - zvg

    «Nun hat die GSI offenbar eingesehen, dass ihre Begründung zu kurz greift», so von Arx weiter. Deshalb beschaffe sie sich im Rahmen einer RFI Informationen über weitere Anbieter.

    Unklar sei aber, ob die GSI ernsthaft an anderen Softwarelösungen interessiert sei – oder es sich um eine Alibi-Übung handle: «Damit man nachher behaupten kann, nur ‹Epic› erfülle die notwendigen Kriterien.»

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    Kommentare

    User #5774 (nicht angemeldet)

    Der Beitrag ist nicht ganz korrekt, die Anbindung an EPIC ist ein Muss Kriterium. Demnach klar eine Alibi-Übung weil sich kein anderes KIS an EPIC anbinden lässt resp. EPIC dies nicht zulässt.

    User #6412 (nicht angemeldet)

    Ohje. Öffentliche Hand und IT-Projekte. Da ist das Scheitern «vorprogrammiert».

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