Weg von «Epic»? GSI rudert bei Gesundheitsplattform zurück
Die Gesundheitsdirektion sucht nun doch noch andere Software-Anbieter. «Epic»-Kritiker reagieren vorsichtig positiv.

Das Wichtigste in Kürze
- Die GSI sucht Software-Anbieter für die geplante digitale Gesundheitsplattform.
- Dabei schien klar: Man will das (teure) US-Produkt «Epic» – wie schon das Inselspital.
- Der Gesinnungswandel freut «Epic»-Kritiker, sofern er denn ernst gemeint sei.
Einerseits geht es um voraussichtlich sehr viel Geld. Die Einführung des Klinikinformationssystems «Epic» am Inselspital kostete rund 100 Millionen Franken, möglicherweise auch mehr.
Als der Regierungsrat «Epic» gleich auch noch als Software für die neue kantonale Gesundheitsplattform einsetzen wollte, gab es viele Bedenken. Und noch mehr Fragen.
Was genau waren am Inselspital die Gesamtkosten? Warum genau wird «Epic» bevorzugt und explizit ins Gesetz geschrieben? Muss es wirklich ausgerechnet ein US-amerikanisches Produkt sein?

Doch wie Recherchen des BärnerBär zeigen, scheint die zuständige Gesundheitsdirektion (GSI) nun zurückzukrebsen. Auf der Beschaffungsplattform simap.ch sucht die GSI Anbieter von Software-Lösungen. Diese sollen Produkte anbieten, die sowohl die kantonale Plattform als auch ein daran anbindbares Klinikinformationssystem beinhalten.
Weitere Lieferanten gesucht
Der Auftrags-Beschrieb erwähnt dabei «Epic» mit keinem Wort. Also alles zurück zum Start? Der «Request for Information» (RFI) auf simap.ch sei Bestandteil einer Marktanalyse, sagt dazu GSI-Sprecher Gundekar Giebel auf Anfrage.

«Es soll geprüft werden, ob es neben ‹Epic› weitere geeignete Lieferanten, respektive Produkte am Markt gibt.» Wobei, betont Giebel, «Epic» nach erster Einschätzung die Anforderungen an eine Gesundheitsplattform weitgehend erfülle.
Gesundheits-Software: Späte Einsicht oder Alibi-Übung?
GLP-Grossrat Casimir von Arx hat schon mehrere Vorstösse zu «Epic» und zur Gesundheitsplattform eingereicht. Der bisherige Plan der GSI sei gewesen, den bernischen Spitälern zu diktieren, dass sie das US-Produkt benützen müssten.
Von Arx hält fest: «Grund dafür scheint in erster Linie zu sein, dass das Insel-Spital sich für diese Software entschieden hat.» Dies obschon Epic bekanntermassen auch noch eine sehr teure Lösung sei.

«Nun hat die GSI offenbar eingesehen, dass ihre Begründung zu kurz greift», so von Arx weiter. Deshalb beschaffe sie sich im Rahmen einer RFI Informationen über weitere Anbieter.
Unklar sei aber, ob die GSI ernsthaft an anderen Softwarelösungen interessiert sei – oder es sich um eine Alibi-Übung handle: «Damit man nachher behaupten kann, nur ‹Epic› erfülle die notwendigen Kriterien.»








