Regierungsrats-Kandidat Hervé Gullotti (SP) im Interview

Matthias Bärlocher
Matthias Bärlocher

Biel/Bienne,

Gullotti will Gerechtigkeit, Solidarität zwischen den Regionen und den Klimaschutz ins Zentrum rücken. Und natürlich für die SP den Jura-Sitz zurückholen.

Hervé Gullotti Regierungsrat Wahlen
Hervé Gullotti ist Kandidat der SP für den Jura-Sitz im Berner Regierungsrat. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Hervé Gullotti (SP) kandidiert als Vertreter des Berner Jura für den Regierungsrat.
  • Er will sich für einen solidarischen, modernen und bürgernahen Kanton Bern engagieren.
  • Er kenne die Realität vor Ort und sei ein integrativer, lösungsorientierter Politiker.

In zwei Monaten wählt das Berner Stimmvolk ein neues Parlament und eine neue Regierung. Für die sieben Sitze im Regierungsrat kandidieren 16 Personen, davon vier Bisherige.

Zu den neu Kandidierenden zählt SPler Hervé Gullotti: Er kandidiert spezifisch für den verfassungsmässig garantierten Sitz des Berner Juras. Sein direkter Konkurrent ist damit der bisherige SVP-Regierungsrat Pierre Alain Schnegg. Das heisst, er muss sowohl im Berner Jura als auch im gesamten Kanton Stimmen holen.

Gullotti sass von 2017 bis 2024 im Grossen Rat und hat diesen 2021/2022 auch präsidiert. Seit 2023 ist er ausserdem Gemeindepräsident von Tramelan BE.

Im Interview mit dem BärnerBär sagt er, welche Themen mehr Beachtung verdienen. Aber auch, wie die Politik das Vertrauen der Bevölkerung zurückgewinnen kann.

BärnerBär: Der Kanton Bern zählt über 700'000 Stimmberechtigte, die sich als Kandidierende aufstellen lassen könnten. Warum sollten diese ausgerechnet Sie in den Regierungsrat wählen?

Hervé Gullotti: Weil ich mich für einen solidarischen, modernen und bürgernahen Kanton Bern engagiere.

Ich kenne die Realität vor Ort, höre zu, bevor ich handle, und setze mich für konkrete Lösungen ein, um den Alltag der Menschen zu verbessern: starke öffentliche Dienstleistungen, gute Arbeitsplätze und eine sozial gerechte ökologische Transformation. Ich bin ein integrativer Politiker, lösungsorientiert.

Gemeinde Tramelan Berner Jura
Die Gemeinde Tramelan BE im Berner Jura. - Screenshot tramelan.ch

BärnerBär: Werden eher die Stimmen aus dem Berner Jura oder aus dem ganzen Kanton für Ihre Wahl ausschlaggebend sein?

Gullotti: Ich bin tief im Berner Jura verwurzelt, und die entscheidenden Stimmen werden aus diesem Wahlkreis kommen. Gleichzeitig kandidiere ich für den ganzen Kanton. Jede Stimme zählt!

Die Mobilisierung muss überall geschehen. Die Herausforderungen – Kaufkraft, Gesundheit, Klima und sozialer Zusammenhalt – betreffen alle Regionen. Mein Ziel ist es, Brücken zu bauen, nicht Grenzen, vor allem zwischen den Französischsprachigen des Berner Jura, Biels und des Seelands.

Spezialfall Jura-Sitz in der Berner Regierung

Dem französischsprachigen Berner Jura ist in der Kantonsverfassung ein Sitz im Regierungsrat garantiert. Kandidieren können dafür diejenigen Stimmberechtigten, die einerseits im Verwaltungskreis Berner Jura wohnen und auch französischsprachig sind.

So wird gerechnet

Der oder die Gewählte wird mit dem sogenannten geometrischen Mittel bestimmt. Dazu werden die Stimmen aus dem Berner Jura mit denjenigen aus dem gesamten Kanton – inklusive Berner Jura – multipliziert. Aus dem Ergebnis wird dann die Wurzel gezogen. Auf diese Weise erhält der Wahlkreis Berner Jura dasselbe Gewicht wie der gesamte Kanton.


Es kommt deshalb vor, dass der eine Kandidat zwar insgesamt mehr Stimmen erhält, aber nicht gewählt ist, weil der andere Kandidat im Berner Jura mehr Stimmen gemacht hat. Theoretisch könnten auch zwei oder noch mehr Personen aus dem Berner Jura in den Regierungsrat gewählt werden. Nämlich dann, wenn jemand auch ohne die Jura-Berechnung einen vorderen Platz erreicht. Wenn dann eine andere Jura-Kandidatur ein höheres geometrisches Mittel erzielt, erhält diese den Jura-Sitz.

BärnerBär: Politisch erleben wir gerade unruhige Zeiten, viele sprechen gar von einer «neuen Ära». Hat die Bevölkerung noch genug Vertrauen in die Politik?

Gullotti: Das Vertrauen steht auf dem Prüfstand, das stimmt. Es kann jedoch zurückgewonnen werden, wenn die Politik klare, ehrliche und gerechte Antworten liefert.

Genau darin liegt die Aufgabe der SP: Zu zeigen, dass der Staat schützen, Ungleichheiten abbauen und die Zukunft aktiv gestalten kann.

Hervé Gullotti Anti-Separatistenbewegungen
Hervé Gullotti spricht am 15. März 2025 als Gemeindepräsident von Tramelan BE an der Gedenkveranstaltung der Anti-Separatistenbewegungen, die an die Abstimmung vom 16. März 1975 erinnert. Bei dieser hatten sich die Bezirke des Berner Jura für den Verbleib im Kanton Bern entschieden. - keystone

BärnerBär: Auf welche (politische) Leistung in Ihrer Karriere sind Sie besonders stolz?

Gullotti: Darauf, zu Projekten beigetragen zu haben, die einen konkreten Einfluss auf das Leben der Menschen hatten – sei es durch einen besseren Zugang zu sozialen Leistungen, durch verbesserte Arbeitsbedingungen oder durch Fortschritte bei der Gleichstellung.

Politik ist nur dann sinnvoll, wenn sie tatsächlich etwas verändert. Ein konkretes Beispiel dafür ist durch meine Aktivität als Grossrat die Anerkennung durch den Kanton Bern der Personen, die Zwangsmassnahmen zu fürsorgerischen Zwecken und Fremdplatzierungen erlitten haben.

BärnerBär: Über welche Herausforderung für den Kanton Bern hat man bis jetzt viel zu wenig geredet?

Gullotti: Der zunehmende Druck auf die Mittel- und unteren Einkommensschichten. Zwischen Krankenkassenprämien, Mieten und Energiekosten stehen viele Familien am Limit. Dieses Thema muss in den kommenden Jahren zentral sein.

Rathaus Bern Wahl Front
Wer schafft die Wahl in den Berner Regierungsrat am 29. März? - Daniel Zaugg

BärnerBär: Was würde im Kanton Bern anders, wenn es der bürgerlichen Allianz gelingt, einen fünften Sitz zu ergattern?

Gullotti: Das würde weniger Investitionen in den Service public bedeuten, mehr Druck auf die sozialen Leistungen und eine geschwächte Klimapolitik. In einer Zeit der Unsicherheit wäre das ein falsches Signal an die Bevölkerung.

Wie wählst du bei den Berner Regierungsratswahlen?

BärnerBär: Was für konkrete Auswirkung hätte es, wenn die SP den Jurasitz gewinnt und es wieder eine linke Mehrheit gäbe im Regierungsrat?

Gullotti: Das würde soziale Gerechtigkeit, Solidarität zwischen den Regionen und den Klimaschutz wieder ins Zentrum des Regierungshandelns rücken. Eine linke Mehrheit bedeutet einen Kanton, der in seine Zukunft investiert, statt sie nur kurzfristig zu verwalten.

BärnerBär: Wie gehen Sie mit Entscheiden um, die Sie persönlich für falsch halten, aber wegen der Konkordanz mittragen müssen?

Gullotti: Die Konkordanz gehört zu unserem System. Ich vertrete meine Positionen klar und überzeugend, respektiere aber die kollektiven Entscheidungen.

Wichtig ist, transparent gegenüber der Bevölkerung zu bleiben und weiterhin für die eigenen Werte zu kämpfen. Als ehemaliger Grossratspräsident ist mir bewusst, wie wichtig es ist, alle Meinungen zu respektieren.

BärnerBär: Woran würden Sie am Ende Ihrer Amtszeit messen, ob Sie erfolgreich waren?

Gullotti: Wenn der Kanton Bern gerechter, solidarischer und besser auf die Zukunft vorbereitet ist – und wenn die Bevölkerung spürt, dass die Politik ihr Leben tatsächlich verbessert hat – dann werde ich meinen Auftrag als erfüllt ansehen.

Und wenn ich mir sagen kann: «J’ai été droit dans mes bottes!» (sinngemäss «Ich bin bei meiner Haltung geblieben!» – die Redaktion).

Regierungsratswahl im Kanton Bern am 29. März 2026

Der BärnerBär stellt die Kandidierenden vor, die gerne einen der sieben Sitze im Regierungsrat erobern möchten. Bisher erschienen ist:

Daniel Bichsel (SVP/neu)

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