Die britische Regierung gerät angesichts ihres eiligen Truppenabzugs und des Endes der Evakuierungsflüge aus Afghanistan im eigenen Land zunehmend in die Kritik.
Zurückkehrende britische Soldaten
Zurückkehrende britische Soldaten - MOD/AFP

Das Wichtigste in Kürze

  • Bericht über tausende ungeöffnete E-Mails zu gefährdeten Afghanen bei Ministerium.

Einem Bericht der Zeitung «Observer» zufolge wurden tausende E-Mails an das Aussenministerium mit Hinweisen zu gefährdeten Afghanen nicht geöffnet. Kritiker werfen der Regierung von Premierminister Boris Johnson vor, nicht genug schutzbedürftige Menschen gerettet zu haben.

Der «Observer» zitierte am Sonntag einen Informanten, wonach tausende E-Mails an das Aussenministerium mit genauen Hinweisen zu durch die Taliban gefährdeten Afghanen nicht geöffnet wurden. Demnach soll eine eigens für solche Hinweise eingerichtete E-Mail-Adresse des Aussenministeriums in den vergangenen Tagen regelmässig 5000 ungeöffnete Nachrichten im Posteingang gehabt haben, darunter E-Mails aus Ministerbüros und von Oppositionsführer Keir Starmer.

Das Aussenministerium entgegnete im «Observer», sein Krisenteam habe rund um die Uhr eingehende E-Mails und Anrufe bearbeitet. «Wir haben immer darauf hingewiesen, dass die Sicherheitssituation in Afghanistan bedeutet, dass wir nicht alle werden evakuieren können, die es wollen», hiess es weiter.

Verteidigungsminister Ben Wallace hatte am Freitag eingeräumt, dass bis zu 150 Briten und zwischen 800 bis 1100 Afghanen nicht ausgeflogen werden konnten. Die «Sunday Times» schrieb unter Berufung auf anonyme Quellen, die tatsächliche Zahl der zurückgelassenen schutzbedürftigen Afghanen könne bei bis zu 9000 liegen.

Kurz bevor die letzten britischen Soldaten nach 20 Jahren Militäreinsatz am Samstagabend Afghanistan verliessen, war auch der letzte Evakuierungsflug aus Kabul gestartet. In den vergangenen Wochen brachten die britischen Streitkräfte auf diesem Weg rund 15.000 Menschen in Sicherheit, davon rund 8000 afghanische Ortskräfte.

In einem Video im Onlinenetzwerk Twitter verteidigte Premierminister Boris Johnson am Sonntag das Ende der Evakuierungsflüge, «obwohl wir uns gewünscht hätten, nicht auf diese Weise» das Land zu verlassen.

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