Ukraine Krieg

    Interview: So gibt Merkel Polen Mitschuld an Russland-Eskalation

    Nikolaus Führmann
    Nikolaus Führmann

    Ungarn,

    In einem Interview gibt Angela Merkel Polen und dem Baltikum Mitschuld am Ukraine-Krieg. Deren Blockadehaltung habe den Konflikt mit Russland eskalieren lassen.

    Angela Merkel Polen
    Während ihres Ungarn-Aufenthaltes macht Angela Merkel Polen für die russische Aggression mitverantwortlich. (Archivbild) - Keystone

    Die ehemalige deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel sorgt mit einem Interview mit dem ungarischen Portal «Partizán» für Irritation. So wirft Merkel Polen und den baltischen Staaten vor, im Jahr 2021 einen EU-Russland-Dialog verhindert zu haben.

    Glaubst du, dass mehr Gesprächsbereitschaft seitens Europas den Angriff Russlands auf die Ukraine verhindert hätte?

    Dieser Dialog sei von ihr initiiert worden, um die Beziehungen zu Russland zu stabilisieren, so Merkel laut «t-online». Aufgrund von Ängsten vor einer Uneinigkeit in der EU-Russlandpolitik sei ihr Vorschlag für ein neues Gesprächsformat abgelehnt worden.

    Das wirft Merkel Polen vor

    Diese Blockade der Länder trage laut Merkel Mitschuld am Abbruch diplomatischer Kontakte und damit indirekt am Krieg in der Ukraine. Das 2015 ausgehandelte Minsker Abkommen habe für Beruhigung in der Region gesorgt, so die Politikerin laut der «Krone».

    Minsker Abkommen Merkel Polen
    2015 fanden nach dem russischen Angriff auf die Ukraine im Vorjahr in Minsk Friedensgespräche statt. Nun wirft Merkel Polen vor, deren Erfolge zunichte gemacht zu haben. (Archivbild) - Keystone

    Zwar habe das Abkommen nur mässigen Erfolg gehabt, doch das folgende Scheitern des Dialogs habe zur Eskalation geführt. «T-online» zitiert die Politikerin mit den Worten: «Dann bin ich aus dem Amt geschieden, und dann hat die Aggression Putins begonnen.»

    Weitere Faktoren für die Verschlechterung sieht Merkel in der Corona-Pandemie, die direkte Treffen mangelhaft machte. Videokonferenzen hätten ihrer Sicht nach keine Kompromisse bringen können.

    Widerspruch aus Warschau

    Polens Präsident Andrzej Duda wies die Anschuldigungen entschieden zurück. Polen sei kein Mitverursacher, sondern ein potenzielles Ziel russischer Aggression. Verhandlungen, die den Kreml legitimieren, dürften nicht stattfinden, sagte er.

    Merkel Polen Orbán
    Ein paar Tage bevor Angela Merkel Polen öffentlich Mitschuld am Ukraine-Krieg gab, traf sie Ungarns russlandfreundlichen Premier Orbán. (Archivbild) - Keystone

    Bereits vor einigen Tagen hatte ein Treffen zwischen Angela Merkel und Ungarns Premier Viktor Orbán für Überraschung gesorgt. Kritiker werfen der Ex-Kanzlerin vor, die Nähe zu dem russlandfreundlichen Rechtsaussen zu suchen, andere Stimmen sehen Vorteile einer diplomatischen Annäherung.

    Kommentare

    User #4755 (nicht angemeldet)

    Hoffentlich kommt Janukowitsch als ukrainischer Präsident bald wieder zurück.

    User #2155 (nicht angemeldet)

    Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.

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