Wie Carl Cheng aus Maschinen poetische Aktionen schafft
Das Museum Tinguely zeigt noch bis zum 10. Mai 2026 die Ausstellung «Carl Cheng: Nature Never Loses» – eine vielseitige Reise in das Gesamtwerk des Künstlers.

Das Wichtigste in Kürze
- Noch bis am 10. Mai 2026 präsentiert das Museum Tinguely «Carl Cheng: Nature Never Loses».
- Die Ausstellung zeigt das beeindruckende Gesamtwerk des Künstlers Carl Cheng.
1988, Santa Monica State Beach. Eine riesige Dampfwalze dreht sich durch den Sand und hinterlässt ihre Spuren. Die Zuschauenden staunen: Die Walze presst das Relief einer Stadt in den Boden. Hinter dem vergänglichen Kunstwerk steckt der kalifornische Künstler Carl Cheng.
Das Museum Tinguely zeigt in einer neuen Ausstellung nun das originelle und einzigartige Œuvre des amerikanischen Künstlers, welches sich jeder Kategorisierung entzieht. Die neue Ausstellung umfasst sechs Jahrzehnte des künstlerischen Schaffens von Carl Cheng. Er untersucht in seinen Werken den Zusammenhang zwischen Menschen, Natur und Maschinen. Nicht selten schafft der Künstler dabei auch Werke, die wieder vergehen.

Das Museum Tinguely beleuchtet das beeindruckende Gesamtwerk des visionären Künstlers in «Carl Cheng: Nature Never Loses». Die neue Ausstellung ist ab sofort und noch bis zum 10. Mai 2026 im Museum Tinguely zu sehen.
Die John Doe Co.
Carl Cheng begann sein Wirken 1966 unter dem Pseudonym John Doe Co. John Doe ist der typische Platzhalternamen im angelsächsischen Raum – der englische Max Muster. Als Firma aufzutreten hatte verschiedene Gründe: Einerseits ging es ihm um steuerliche Vereinfachung und andererseits auch um Kritik an der Unternehmenskultur. Als Sohn von chinesischen Einwanderern thematisierte er dadurch zudem die anti-asiatische Diskriminierung, welche während des Vietnamkriegs sehr verbreitet war. Die Namenswahl «John Doe» war Kritik daran.

Unter dem Decknamen John Doe Co. kreierte er skulpturale «Produkte», die seine Vorstellung von Technologie als künstlerischem Werkzeug und seine Skepsis gegenüber neoliberalen Fortschrittsvorstellungen widerspiegelten.
Vergängliche Kunst und Naturmaschinen
In seinen Werken spielt Cheng auf künstlerische Weise mit der Natur und mit natürlichen Vorgängen. So hat der amerikanische Künstler beispielsweise eine Kunst-Maschine geschaffen, welche Erosion simuliert – die «Erosion Machine No. 4». Er schuf auch Kunstwerke aus organischen Materialien wie Eidechsenhaut oder Kakteen und betrieb teils über Jahrzehnte hinweg Verfahren, die sich mit Wachstum und Verfall als künstlerische Methoden auseinandersetzten.

Auch die Fotografie ist zentral in Chengs künstlerischem Wirken. Allerdings geht er auch dort unübliche Wege: So giesst er etwa Fotos in Plastik, um dreidimensionale Bilder zu erschaffen. Oder er stellt elektronische Leiterplatten so nebeneinander zusammen, dass intrikate Luftbilder von Landschaften oder Städten – die «Anthropocene Landscapes» – entstehen.

Die sogenannten «Art Tools» nutzt Cheng, um Zeichnungen und Skulpturen zu schaffen. Er bedient sich dabei an langlebigen mechanischen Geräten, um flüchtige Kompositionen zu schaffen wie Tropfen aus Wachs oder Farbe und Gemälde, die aus Sand gemacht sind. Eine Praxis, welche an das Schaffen von Jean Tinguely erinnert.
Ein einzigartiger Blick auf Chengs verspieltes Werk
Carl Cheng ist ein Kunst-Erfinder, der sich auf höchst originelle und eigenwillige Weise mit der Natur, Technologie und der Vergänglichkeit auseinandersetzt. Das Ergebnis ist ein Lebenswerk, das irgendwo zwischen Spielerei und politischem Kommentar einzuordnen ist.
Von der John Doe Co. bis hin zu einer Walze, welche eine ganze Stadt in den Sand zeichnet: «Carl Cheng: Nature Never Loses» präsentiert ein künstlerisches Lebenswerk, welches der Frage nach der Handlungsmacht der Natur und den Auswirkungen der Menschen darauf nachgeht. Die Antwort scheint klar: «Die Natur verliert niemals.»
«Carl Cheng: Nature Never Loses»
Die Ausstellung wird präsentiert von The Contemporary Austin in Kooperation mit dem Institute of Contemporary Art, University of Pennsylvania, Philadelphia; Bonnefanten, Maastricht; Museum Tinguely, Basel; und dem Institute of Contemporary Art, Los Angeles.
Das Museum Tinguely zeigt «Carl Cheng: Nature Never Loses» ab sofort und bis zum 10. Mai 2026.






