Die Provokation von Ueli Maurer wirkt: Das Foto im «Freiheitstrychler»-Shirt wird fleissig geteilt – und es hagelt Kritik von allen Seiten.
Ueli Maurer
Bundesrat Ueli Maurer posiert neben Mitgliedern der «Freiheitstrychler» im Shirt des Vereins. - Telegram

Das Wichtigste in Kürze

  • Ueli Mauer posierte am Gipfeltreffen der SVP Wald ZH im Shirt der «Freiheitstrychler».
  • Die Kritik lässt nicht auf sich warten, es wird sogar sein Rücktritt gefordert.
  • Massnahmenkritiker feiern den Bundesrat und ihren PR-Sieg.

Die T-Shirt-Aktion von Bundesrat Ueli Maurer sorgt für heftige Kritik. Die ersten Stimmen werden laut, die den Rücktritt des Finanzministers fordern.

Ständerätin Andrea Gmür (Die Mitte) vermisst den Respekt gegenüber dem Kollegialitätsprinzip. Ausserdem bemängelt sie, dass Ueli Maurer den Massnahmenkritikern noch mehr Auftrieb gebe.

Dass die SVP mit ihrer Rhetorik und ihrem Handeln Gräben zwischen Stadt und Land schaufle, sei man sich gewohnt. «Dass nun aber Ueli Maurer selbst als Bundesrat zu dieser Spaltungspolitik beiträgt und dem Bundesrat als Kollegialbehörde in den Rücken fällt, ist unverantwortlich.» So kommentiert Grünen-Präsident Balthasar Glättli die Aktion.

Alt-Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer (SP) bezeichnet den Auftritt schlicht als lächerlich.

Ueli Maurer
Susanne Leutenegger Oberholzer: «Lächerlichen Auftritt des Bundesrates.»
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Gemäss Sozialwissenschaftler Marko Kovic verhöhnt Ueli Maurer die Arbeit seiner Regierung .

Der Sozialwissenschaftler Marko Kovic fällt ein hartes Urteil. Der Bundesrat habe damit die Arbeit der Regierung verhöhnt. «Das ist nicht nur ein politisches, sondern auch ein charakterliches Armutszeugnis.»

Rücktrittsforderungen

Deutliche Worte findet auch Thomas Sutter, Co-Präsident der SP in Zürich. «Wenn Maurer nicht hinter der Politik des Kollegiums stehen kann, soll er aus dem Bundesrat zurücktreten.»

Auch Mia Jenni von der Juso hat «keine Lust jemanden wie Maurer als Landesvertreter zu haben». Ruedi Löffel (EVP) sieht nun «eine Grenze überschritten, die von einem Bundesrat nie überschritten werden dürfte.»

Ueli Maurer Sarah Gabi
Ueli Maurer hat das Kollegialitätsprinzip im Bundesrat immer noch nicht verstanden, findet Sarah Gabi, SP-Grossrätin im Kanton Bern.
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Ruedi Löffel (EVP) zu Ueli Maurer, der im T-Shirt der «Freiheitstrychler» posiert.
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Mia Jenni (Juso) hat keine Lust mehr auf Ueli Maurer als Landesvertreter.

Der gängige Tenor der Kritik bringt Sarah Gabi (SP) gut auf den Punkt. Maurer habe «nach x Jahren offensichtlich das Kollegialitätsprinzip im Bundesrat immer noch nicht verstanden». Es ist nicht das erste Mal, dass Maurer seit Ausbruch der Corona-Krise das Kollegialitätsprinzip ignoriert.

Dank Ueli Maurer: «Der ultimative Startschuss der Freiheitstrychler»

Dass die Kritiker nun weiteren Auftrieb erhalten, sieht Gmür genau richtig. Denn die Kritiker feiern den Bundesrat und die gelungene PR-Aktion. Der Verein selbst schreibt euphorisch zum T-Shirt-Foto: «Der ultimative Startschuss der Freiheitstrychler.»

Auch der Gründer der Protestbewegung «Massvoll» feiert Ueli Maurer. Auf seinem Twitter-Profil zieht Nicolas Rimoldi seinen Hut vor dem «senkrechten Schweizer».

Was halten Sie davon, dass Bundesrat Ueli Maurer im T-Shirt der «Freiheitstrychler» posiert?

Beistand für den SVP-Bundesrat vonseiten seiner Berufskollegen sucht man allerdings vergeblich. Kein einziger Politiker hat sich bisher positiv zum gestrigen Auftritt geäussert – auch nicht aus den eigenen Reihen.

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