Besorgte Eltern wollen ihre Kinder bereits jetzt gegen das Coronavirus impfen. SVP-Nationalrat Thomas Matter hält dies für absurd.
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Jason Miller hält seine Tochter Teagan (7) fest in den Armen als sie die Impfung gegen das Coronavirus erhält, am 3. November 2021 in South Salt Lake im US-Bundesstaat Utah. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Eltern, die ihre Kinder impfen lassen wollen, weichen zum Teil ins Ausland aus.
  • Dafür hat SVP-Nationalrat Thomas Matter kein Verständnis.
  • Die Gefahr durch Covid-19 sei zu gering und kleiner als auf Spielplätzen zu verunfallen.

Vertreter von Elternorganisationen sind besorgt und entsetzt zugleich. Besorgt, weil sich aktuell vor allem Jugendliche und Kinder mit dem Coronavirus anstecken. Entsetzt, weil Ärzte davon abraten, Kinder unter 12 Jahren im Ausland impfen zu lassen. «Dann empfiehlt man eine Infektion mit dem Coronavirus», sagt Rui Biagini, Mitgründer von «Protect the Kids».

Coronavirus Impfung Pfizer/Biontech
Für Heranwachsende ab 12 Jahren zugelassen: Spritzen mit dem Pfizer/Biontech-Impstoff. (Archivbild) - sda - KEYSTONE/AP/Elaine Thompson

SVP-Nationalrat Thomas Matter kann darüber nur den Kopf schütteln. Er habe schliesslich auch eine 13jährige Tochter. Aber: «Ich würde sie nie impfen lassen, solange das Virus nicht für Kinder gefährlicher wird.»

«Es gibt keinen Grund, ein Kind zu impfen»

Matter hält die Sorge der Eltern bei «Protect the Kids» und anderen Gruppierungen für völlig übertrieben. «Die Sterblichkeit bei Kindern in der Schweiz beträgt 0,00 Prozent und Geimpfte verbreiten das Virus genauso wie Ungeimpfte.» Da sage ihm sein gesunder Menschenverstand: «Es gibt keinen Grund, ein Kind zu impfen.»

Fallzahlen Coronavirus Altersklassen Kinder
Besorgte Eltern: Vor allem bei den jüngeren und jüngsten Altersgruppen steigen die Fallzahlen aktuell stark an. - covid19.admin.ch

Auf den Vorwurf, die Warnung vor einer Impfung komme einer Empfehlung zur Ansteckung gleich, mag Matter gar nicht erst eingehen. «Es wird etwas suggeriert, was in der Realität nicht stattfindet. Dass Covid für Kinder derart gefährlich sei, das stimmt einfach nicht.»

Auch die Schilderungen von Dutzenden Anfragen bei Elternorganisationen hält er für übertrieben. «In meinem Umfeld hat mir noch keine Mutter gesagt, sie wolle jetzt ihr 12jähriges Kind impfen.» Infrage käme höchstens Bequemlichkeit, weil man zum Beispiel in die USA in die Ferien möchte. «Aber das wäre dann eher schon wieder egoistisches Denken seitens der Eltern», findet Matter.

Gefährlicher Spielplatz, tödlicher Schnupfen

Die Angst der Eltern vor tödlichen Gefahren für die Kinder relativiert Matter mit Zahlen des Bundesamts für Statistik. Von 2018 stammen die aktuellsten Werte: 23 Buben und 18 Mädchen von 0 bis 14 Jahren starben an «Unfällen und Gewalteinwirkung». Davon elf im Strassenverkehr, fünf durch Ertrinken und drei durch Stürze. Während der ganzen Pandemie starben aber lediglich sieben Personen unter 30 Jahren im Zusammenhang mit einer Coronavirus-Infektion.

Thomas Matter SVP
SVP-Nationalrat Thomas Matter spricht in einer Debatte während der Herbstsession der Eidgenössischen Räte, am Dienstag, 28. September 2021, im Nationalrat in Bern. - Keystone

Natürlich sei ein Impfentscheid individuell, betont Matter. «Dann will ich einfach nie sehen, dass die Kinder dieser Eltern auf dem Spielplatz spielen oder in die Badi gehen.» Matter fragt sich, ob diese Eltern wüssten, dass es auch von der Impfung Nebenwirkungen gebe. Diese seien zwar selten: «Aber genauso selten wie die schwerwiegenden Folgen von Covid.»

Würden Sie Ihr Kind von 6 bis 12 Jahren gegen das Coronavirus impfen lassen?

Matter unterstellt den Elternorganisationen eine verzerrte Wahrnehmung der Gefahren durch das Coronavirus. Er dagegen sieht gefährliche Freizeitaktivitäten einerseits, eine Impfung mit Risiken andererseits, eine Covid-Erkrankung mit milden Symptomen für Kinder. «Wenn ich das ins Verhältnis setze, dann müsste man Kinder ja auch gegen Schnupfen impfen – sie könnten ja sterben!»

Impf-Zulassung für Kinder: «Dann gibt es einen Aufstand»

Noch ist die Impfung gegen das Coronavirus in den meisten Ländern nicht zugelassen. In der Schweiz ist der sogenannte Off-Label-Anwendung nur in Ausnahmefällen möglich. 155 geimpfte Kinder zwischen 0 und 9 Jahren weist das BAG aus. Wohl hauptsächlich solche mit Risikofaktoren oder im Ausland geimpfte.

Til Schweiger äussert sich
In Kuba werden bereits Kinder unter 12 Jahren gegen Corona geimpft. - dpa-infocom GmbH

Ein Gesuch für eine Zulassung ihres Impfstoffs bei unter 12-Jährigen haben bis jetzt weder Pfizer noch Moderna eingereicht. Aber das wird sich voraussichtlich bald ändern: Studien laufen und die Zulassung durch Swissmedic wird im frühen nächsten Jahr erwartet.

Dann wäre Impfen der Kinder ohne grosse Umstände auch in der Schweiz möglich. Dies beruhigt SVPler Thomas Matter aber keineswegs. «Ich befürchte, dass ein Kind dann mit Konsequenzen in der Schule rechnen muss, wenn es nicht geimpft ist. Dann gibt es einen Aufstand im Land.»

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