SP nach Zivildienst-Ja: «Gesetz hat Armee gar nichts gebracht»
Die Abstimmungslokale sind geschlossen. Hier kommen die ersten Ergebnisse zum Zivildienstgesetz. Es zeichnet sich ein Ja ab. Die Gegner sind enttäuscht.
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Das Wichtigste in Kürze
- Bei der Änderung des Zivildienstgesetzes zeichnet sich ein Ja ab.
- Das zeigt die zweite Hochrechnung der SRG.
- Laut einem Politologen ist das Ergebnis aber kein triumphaler Sieg für die Behörden.
Heute Sonntag entscheiden die Schweizer Stimmberechtigten, ob der Wechsel von der Armee zum Zivildienst erschwert werden soll.

Um 12.30 Uhr ist die erste Hochrechnung des Forschungsinstituts GFS Bern in Zusammenarbeit mit der SRG da. 53 Prozent sagen demnach Ja, 47 Prozent Nein.
Um 13 Uhr bei der zweiten Umfrage bestätigt sich das Bild. Der Fehlerbereich liegt bei plusminus 2 Prozentpunkten.
SP-Nationalrätin ist enttäuscht
Sicherheitspolitikerin Priska Seiler Graf enttäuscht das knappe Ja. Wo die Mobilisierung nicht ihren Vorstellungen gemäss geklappt habe, müssten sie analysieren, sagt die SP-Nationalrätin. «Aber es ist ein knappes Resultat und keines gegen den Zivildienst.»

Seiler Graf geht von einem Pyrrhussieg aus. Viele junge Männer liessen sich künftig direkt in den Zivildienst einteilen, vermutet sie.
Diese gingen das «Wagnis», Militärdienst trotz Gewissenskonflikten zu probieren, nicht mehr ein. Andere wählten den Weg der medizinischen Ausmusterung.
Ihr Fazit: «Das Gesetz hat in punkto Armee gar nichts gebracht.» Dies werde sich zeigen, schaue man in fünf Jahren nochmals darauf.
Zivi: Er helfe dort, wo es wirklich Hilfe brauche
Peter Weihrauch ist ehemaliger Zivi und Geschäftsführer des Schweizerische Zivildienstverbands Civiva. «Für mich ist es keine Option, mein Land mit der Waffe zu verteidigen», sagt er.
Er helfe sehr gerne dort, wo es wirklich Hilfe brauche. Er zählt Altersheime, die Kinderpflege, Schulen und Museen auf.

Er habe Kollegen, die Militärdienst leisteten, sagt Weihrauch. «Sie waren aber auch gegen die Änderung.» Viele ältere Menschen könnten sich nicht vorstellen, was der Zivildienst mache.
Zu Unrecht würden Zivis als faul angesehen. Dabei arbeiteten sie in systemrelevanten Jobs. «Auch dort kann der Alltag sehr stressig sein und man muss viel Verantwortung übernehmen.»
Bekanntes Muster von Behördenvorlagen
In den jüngsten Umfragen gab es ein Patt zwischen Befürwortern und Gegnern. Schliesslich setzte sich die Behördenvorlage doch noch durch.
Laut Politologe Urs Bieri von gfs.bern folgte die Meinungsbildung einem bekannten Muster von Behördenvorlagen. «Wenn man nicht genau weiss, um was es geht, stimmt man eher Ja», sagte er im Schweizer Radio SRF.
Das Zivildienstgesetz sei im Schatten der SVP-Initiative kaum diskutiert worden. Deshalb habe die Mehrheit der Stimmenden dem Ja von Regierung und Parlament vertraut.
Jedoch sei das Ergebnis kein triumphaler Sieg der Befürwortenden. «Fast die Hälfte der Bevölkerung sagte Nein, das gibt möglicherweise noch Diskussionen», so Bieri.
Das will die Vorlage
In den Augen einer bürgerlichen Parlamentsmehrheit wechseln zu viele Dienstpflichtige von der Armee zum Zivildienst. Sie beschloss deshalb höhere Hürden für diesen Wechsel und schrieb dafür sechs Massnahmen ins Zivildienstgesetz.
Bei einem Ja zur Vorlage müssten alle Gesuchstellenden nach der RS mindestens 150 Tage Zivildienst leisten. Unabhängig davon, wie viele Diensttage ihnen bei der Armee noch fehlen.
Wer alle Armee-Ausbildungstage geleistet hat, könnte gar nicht mehr zum Zivildienst wechseln und auf diesem Weg die Schiesspflicht umgehen. Auch für Unteroffiziere und Offiziere würde der Faktor 1,5 Zivildiensttage pro Militärdiensttag gelten.
Weiter gäbe es auch beim Zivildienst eine jährliche Einsatzpflicht. Würden Wechselgesuche während der Rekrutenschule bewilligt, müssten Zivis ihren langen Einsatz spätestens bis zum Ende des Jahres nach Zulassung leisten. Und Einsätze, die ein begonnenes Human- Zahn- oder Tiermedizin-Studium erfordern, wären nicht mehr erlaubt.


















