Anders als letztes Jahr sollen keine Behandlungen mehr ausfallen, wenn ungeimpfte Covid-Patienten Spitalpflege benötigen, fordert Mitte-Politikerin Ruth Humbel.
Ruth Humbel Impfung Coronavirus
Ruth Humbel ist Nationalrätin der Mitte-Partei und Präsidentin der Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit des Nationalrats. Sie hält die Taskforce-Idee zum Coronavirus für «heikel» - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Mitte-Nationalrätin Ruth Humbel befürwortet eine möglichst hohe Impfquote.
  • Eine Impfpflicht sei aber nicht realistisch, sagt die oberste Gesundheitspolitikerin.
  • Hingegen sollen ungeimpfte Covid-Patienten im Spital hinten anstehen müssen.

Immer mehr Länder Europas führen im Kampf gegen das Coronavirus eine Impfpflicht für bestimmte Lebensbereiche oder ein Impfobligatorium ein. Auch in der Schweiz wird die Diskussion für eine Impfpflicht insbesondere beim Pflegepersonal angeheizt. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat mit genau diesem Entscheid diese Woche für viel Wirbel gesorgt.

Impfung Coronavirus Frankreich
Eine Impfung gegen das Coronavirus in Paris. - AFP

Die Präsidentin der Gesundheitskommission, Mitte-Nationalrätin Ruth Humbel, verfolgt derweil einen deutlich anderen Ansatz. Eine möglichst hohe Impfquote beim Pflegepersonal und auch in der Bevölkerung würde sie zwar sehr begrüssen. Eine Impfpflicht fordert sie trotzdem nicht: «Eine solche wäre eh nicht durchsetzbar.» Aber Abschreckungsmassnahmen zulasten von Ungeimpften würde sie durchaus befürworten.

Keine Privilegien für Ungeimpfte

«Es darf keine Vorzugsbehandlung mehr geben», stellt Humbel klar. Sollte es eine nächste Ansteckungswelle geben, ist für sie klar, auf wessen Kappe diese gehe. Das Gesundheitssystem soll dann aber nicht mehr darauf Rücksicht nehmen müssen wie in den vorangehenden Wellen. «Dann darf es nicht mehr sein, dass die Behandlung anderer Patienten zurückgestellt wird wegen ungeimpften Covid-Patienten.»

Intensivbetten Coronavirus Belegung
Die Belegung der Intensivbetten in der Schweiz in den letzten Monaten, mit Erwachsenen Patienten, Patienten die beatmet werden müssen sowie Kindern (durchgezogene Linie) und der maximal verf - icumonitoring.ch

Humbel spricht damit die De-Facto-Schliessung von ganzen Spital-Abteilungen an, damit die schiere Menge an Covid-Patienten betreut werden konnte. Jetzt, wo mit der Impfung eigenverantwortlich das Ansteckungsrisiko minimiert werden kann, soll ein anderes Regime herrschen.

Behandeln ja, aber nicht prioritär

Freizeitsportverletzungen, Krebspatienten, chronische Leiden: Sie sollen unabhängig von der Pandemie in den vollen Genuss der Möglichkeiten des Schweizer Gesundheitssystems kommen. In ihrem Ansatz gehe es nicht um Wahleingriffe, betont Gesundheitspolitikerin Humbel. Diese waren in den letzten Monaten ebenfalls ausgesetzt und mussten nachträglich abgearbeitet werden.

CORONAVIRUS INSELSPITAL
Eine Ärztin kümmert sich um einen Patienten bei einer Covid-Triage am 28. Februar 2020 im Inselspital, in Bern. - Keystone

«Wir haben ja eigentlich genügend Kapazitäten. Aber wenn wieder eingeteilt werden muss, darf es nicht sein, dass Patienten aufgeschoben werden müssen, weil Covid-Patienten vorgezogen werden.» Die Pflicht zur medizinischen Versorgung aller gelte aber weiterhin auch für Ungeimpfte. «Natürlich müssen sie behandelt werden, aber nicht prioritär.»

Dass ihrem Vorschlag in der Umsetzung einige Hürden entgegenstehen, sieht Humbel ein. Zum Beispiel die Triage solcher Personen, die sich gar nicht impfen lassen können, doch das betrachtet sie als untergeordnetes Problem. «Die haben eine schwere Immun-Erkrankung oder Allergie, das sind ja nicht sehr viele. Und klar, wenn der Impfstoff nicht zugelassen ist für Kinder.»

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