Parlament

    Promillegrenze gegen angeheiterte Grossräte im Waadtland

    Matthias Bärlocher
    Matthias Bärlocher

    Lausanne,

    Der Grüne Grossrat Oleg Gafner will mit einem Vorstoss den Alkoholkonsum während den Ratsdebatten einschränken.

    Grosser Rat Waadt
    Der Waadtländer Grosse Rat während der Debatte ums Budget 2026, am 16. Dezember 2025 in Lausanne. - keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Im Waadtländer Parlament werde bereits am Vormittag zu viel Alkohol getrunken.
    • Das findet Grünen-Grossrat Oleg Gafner und fordert eine Debatten-Promillegrenze.
    • Bürgerliche Parlamentarier sehen die Apéro-Kultur in Gefahr.

    Oleg Gafner, ein grüner Abgeordneter im Grossen Rat des Kantons Waadt, will den Alkoholkonsum während der Sitzungen begrenzen. Er hat einen Vorstoss eingereicht, der eine Promillegrenze für die Teilnahme an Grossratsdebatten vorsieht – ähnlich wie beim Autofahren. 0,5 Promille, mehr nicht. Denn, so Gafner gegenüber RTS, er habe übermässiges Trinken während der parlamentarischen Debatten beobachtet.

    Abstimmen mit über 0,5 Promille

    «Ich habe gesehen, wie Leute schon um halb elf Uhr morgens Alkohol trinken», sagt Gafner. «Das hat mich wirklich schockiert», betont er gegenüber «CH Media».

    Oleg Gafner
    Oleg Gafner sitzt für die Grünen im Grossen Rat des Kantons Waadt. Er hat einen Vorstoss für eine Promillegrenze während den Debatten eingereicht. - Instagram/@oleg.gafner

    «Das wirft Fragen auf über die Fähigkeit zu verstehen, was man abstimmt». Sein Vorschlag von 0,5 Promille ist klar, offen bleibt allerdings, wie diese Regel durchgesetzt werden soll. Es wäre das erste Mal in der Schweiz, dass ein solcher Schritt unternommen würde.

    Kritik an alkoholbedingten Verhaltensweisen

    Nicht nur Gafner hat Bedenken geäussert. Andere Abgeordnete haben ebenfalls beobachtet, dass das Trinkverhalten manchmal über das gemeinsame Mittagsglas hinausgeht. Mathilde Marendaz (Ensemble à gauche) spricht von Reden, die «an der Grenze des Verständlichen» seien. Sie verbindet unangemessene oder sexistische Bemerkungen mit Alkoholkonsum.

    Grossrat Romain Pilloud, Präsident der SP Waadt, ist gleichermassen schockiert: «Wir sehen Leute, die am Ende des Vormittags Flaschen öffnen und die Debatten am Nachmittag fortsetzen. Ohne vollständig Herr ihrer Fähigkeiten zu sein. Das passiert mindestens einmal im Monat im Parlament.»

    Uneinigkeit über das Ausmass des Problems

    Die Probleme mit Alkohol im Parlament will Gafner vor allem bei rechten Politikern beobachtet haben. Obwohl der Weisswein im Waadtland parteiübergreifend beliebt ist, wehren sich primär die Bürgerlichen gegen Gafners Vorstoss.

    Cédric Weissert, Präsident der SVP-Fraktion, glaubt nicht an ein Problem: «Die Grossräte sind seriös. Dafür wurden wir gewählt.»

    FDP-Grossrat Marc-Olivier Buffat findet das Bild vom Abgeordneten, der öfter in der hauseigenen Buvette sei als im Ratssaal, veraltet. «Das politische Gleichgewicht ist sehr fragil», erklärt er. «Man kann es sich nicht leisten, eine Abstimmung zu verpassen, nur weil man in der Buvette ist.»

    Alkohol
    SVP-Nationalrat Thomas Aeschi servierte dem ehemaligen FDP-Ratskollegen Jacques Bourgeois 2022 im Restaurant des Bundeshauses wegen eines Personalengpasses ein Bier. - keystone

    Kopfschütteln auch beim FDP-Grossrat Maurice Neyroud, der im Lavaux Rebberge besitzt. Die Tradition des Aperitifs werde «von Linken und Rechten gleichermassen» praktiziert: Nämlich von allen, die über das «Savoir-vivre» verfügen. Bereits kursieren Vermutungen, Oleg Gafner sei als Vertreter der Generation Z dem Alkoholkonsum halt weniger zugetan.

    Diskussion im Bundeshaus, Problem im Waadtland

    Das Waadtländer Grosse Rat ist natürlich bei weitem nicht das einzige Parlament, in welchem Alkohol ausgeschenkt wird. Das weiss auch Oleg Gafner, der als ehemaliger Co-Präsident der Jungen Grünen öfter auch im Bundeshaus war.

    Soll das Restaurant im Bundeshaus Alkohol anbieten?

    Dort läuft die Diskussion sogar eher in die andere Richtung: Parlamentarier und Lobbyisten haben die Plattform «Gaudium Suisse – Genuss mit Haltung». Sie soll sich der «Stigmatisierung des Konsums» entgegenstellen.

    Doch Oleg Gafner lässt sich nicht beirren: Einerseits nehme er auch gerne einen Apéro, aber nach der Grossratssitzung. Andererseits würden im Waadtländer Grossen Rat einfach «ganz andere Mengen» Alkohol konsumiert, als er dies in anderen Parlamenten gesehen habe.

    Kommentare

    User #5213 (nicht angemeldet)

    Der Grüne (hinter den Ohren) soll nur aufpassen, das keine Haarproben durchgeführt werden. Ein anderer hatte es bereits so kommentiert: Was raucht er?

    User #5906 (nicht angemeldet)

    Oleg säuft Wodka, keine Weisswein, deshalb die Intervention.

    Weiterlesen

    Alkohol
    98 Interaktionen
    «Weisswein beliebt»
    Jäger
    11 Interaktionen
    Abgelehnt
    Promillegrenze
    59 Interaktionen
    Promillegrenze fällt

    MEHR IN POLITIK

    1 Interaktionen
    Paris
    Bern/Neu Delhi
    Wegwerf-Agenten
    2 Interaktionen
    Deutschland
    Bundesnachrichtendienst
    1 Interaktionen
    Mit Russland

    MEHR PARLAMENT

    Start-up-Unternehmen
    Sessionsende
    6 Interaktionen
    Bern
    3 Interaktionen
    Bern

    MEHR AUS LAUSANNE

    sdf
    9 Interaktionen
    Stich
    Logitech
    3 Interaktionen
    Lausanne
    Lausanne