Bundeswehr-Skandal: Neuer Aktionsplan für Luftlandetruppe
Deutschlands Militär zieht Konsequenzen aus einem Skandal um sexualisiertes Fehlverhalten, Drogen und Extremismus bei den Fallschirmjägern.

Mit einem Aktionsplan für die Stärkung von Führungskultur und Dienstaufsicht reagiert der Inspekteur des Heeres, Christian Freuding, auf Vorfälle in der Luftlandestruppe. Das Massnahmenpaket umfasst vier Handlungsfelder, darunter Beobachtungsbesuche, strukturelle Massnahmen, verstärkte Prävention und Resilienz sowie Änderungen bei den militärischen Werdegängen.
«Ich habe heute Morgen den Aktionsplan der Luftlandetruppe hier in Kraft gesetzt», sagte der Generalleutnant in der Franz-Josef-Strauss-Kaserne in Altenstadt in Oberbayern. Dort ist auch die Luftlande- und Lufttransportschule der Bundeswehr.
In der Luftlandebrigade 1 sei im Jahr 2025 eine aussergewöhnlich hohe Anzahl an Verstössen gegen Grundsätze der inneren Führung – darunter teils schwerwiegende Dienstvergehen und Wehrstraftaten – bekanntgeworden, heisst es in dem Plan, der der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vorliegt. Die Taten seien durch Angehörige verschiedener Laufbahnen begangen worden.
«Sexualisiertes Fehlverhalten, Verstösse gegen das Betäubungsmittelgesetz, extremistische Verhaltensweisen sowie eine in Teilen toxische militärische Gemeinschaft haben keinen Platz in der Bundeswehr und in unserem Heer», schreibt Freuding in seinem Papier.
Ende des Jahres soll es eine umfassende Überprüfung der Massnahmen geben. Bis dahin soll es mindestens quartalsweise ein «Jour Fixe Luftlandetruppe» der militärischen Führung geben.
Die Vorfälle bei den Fallschirmjägern waren durch Eingaben bei der damaligen Wehrbeauftragten Eva Högl bekanntgeworden. Freuding hatte Mitte Januar dem Verteidigungsausschuss berichtet, die Bundeswehr habe wegen der Sache bislang neun Soldaten entlassen. Vier weitere Entlassungsverfahren seien eingeleitet. Nach dem Stand der Untersuchung werde von 55 Beschuldigten im Fallschirmjägerregiment 26 ausgegangen.
In seinem Aktionsplan weist der Heeresinspekteur auch auf die Bedeutung der Luftlandebrigade 1 hin. «Sie ist der am schnellsten verfügbare Grossverband der Bundeswehr für krisenhafte Entwicklungen im Ausland. Mögliche Einsatzszenarien sind vielfältig und reichen von einer schnellen Anfangsoperation oder einer Operation gegen irreguläre Kräfte über militärische Evakuierungsoperationen bis hin zu einer Operation in der Tiefe», heisst es.
Gleichzeitig stehe die Brigade für humanitäre Einsätze nach Naturkatastrophen, für Stabilisierungsoperationen oder Operationen hoher Intensität im Rahmen der Landes- und Bündnisverteidigung bereit.










