Acht SVPler treten für Bundesrat an: Wer hat die besten Chancen?
Nau.ch stellt die acht Kandidierenden vor. Darunter: Thomas Aeschi und Michael Graber, bekannt vom Nau.ch-Video des Bundeshaus-Handgemenges.
Das Wichtigste in Kürze
- Mit Aeschi, Marco Chiesa und Michael Graber stehen mehrere national bekannte SVP-Gesichter zur Auswahl.
- Die besten Chancen werden den Exekutivpolitikern Jean-Pierre Gallati, Franz Ruppen und Pierre Alain Schnegg zugeschrieben.
- Mit Céline Amaudruz kandidiert die einzige Frau im Feld. Thomas Aeschi liess seine Ambitionen lange offen.
Zunächst wollte niemand, dann plötzlich alle. Stolze acht Personen kandidieren bei der SVP – darunter auch einige Überraschungen. Nau.ch liefert den Überblick und sagt, wer die besten Chancen hat.
Céline Amaudruz, die einzige Frau
Die 47-jährige Genfer Nationalrätin ist die einzige Frau im Rennen. Die Vermögensverwalterin und Mutter zweier kleiner Kinder gilt in gesellschaftspolitischen Fragen als etwas liberaler als viele Parteikollegen. Zudem wird sie als Favoritin des scheidenden Bundesrats Guy Parmelin gehandelt.

Amaudruz könnte gleich mehrere Kriterien erfüllen, die bei Bundesratswahlen oft eine Rolle spielen: Sie stammt aus der Romandie, wäre die einzige Frau im Kandidatenfeld und verfügt über langjährige Erfahrung in der Parteileitung. Politologin Sarah Bütikofer sagte gegenüber Nau.ch zudem, die SVP könne mit ihr zeigen, dass sie auch «jüngere berufstätige Mütter» repräsentiere.
Parteiintern scheint Amaudruz nicht überall auf uneingeschränkte Unterstützung zählen zu können, insbesondere in der Deutschschweiz. Zudem sorgte ihre Teilnahme an der symbolträchtigen Hellebarden-Aktion auf dem Bundesplatz für Kritik von links. SP-Co-Präsidentin Mattea Meyer erklärte in der SRF-«Arena», sie habe bei Amaudruz noch «Fragezeichen».
Pierre Alain Schnegg, der zweite Romand
Der Berner Regierungsrat bringt viel Exekutiverfahrung mit. Der Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektor aus dem Berner Jura könnte für die SVP ein attraktiver Kompromisskandidat sein.

Als Berner Regierungsrat bringt Schnegg viel Exekutiverfahrung mit und gilt als pragmatischer Politiker. Laut SRF ist seine Kandidatur für die Westschweizer SVP-Sektionen zudem wichtig, weil neben Céline Amaudruz damit eine zweite Option aus der Romandie zur Verfügung steht.
National ist Schnegg deutlich weniger bekannt als etwa Thomas Aeschi oder Marco Chiesa. Zudem gehört er nicht zum engen Kreis der Bundeshaus-Prominenz, die in Bern regelmässig im politischen Rampenlicht steht.
Thomas Aeschi, der Unentschlossene
Der Zuger Fraktionschef sorgt für eine Posse im Kandidatenrennen. Seine Kantonalpartei nominierte ihn, obwohl er noch gar nicht definitiv zugesagt hatte. «Wir sind als Partei unter Zugzwang geraten. Wir haben die Unterlagen eingereicht, um Herrn Aeschi einen Slot zu sichern», so die SVP Zug gegenüber Nau.ch.
Als Fraktionschef der grössten Partei im Bundeshaus zählt Aeschi zu den bekanntesten Gesichtern der SVP. Zudem gilt er als einer der strategischen Köpfe der Partei und verfügt über ein breites Netzwerk in der Bundespolitik.
Aeschi polarisiert stark, insbesondere links der politischen Mitte. Zudem sprach SRF zeitweise von einer «halben Kandidatur», nachdem seine Kantonalpartei ihn noch vor seiner definitiven Zusage nominiert hatte. Gegen ihn könnte auch sprechen, dass mit Martin Pfister bereits ein Zuger im Bundesrat sitzt.
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Erinnerungen werden auch an den Juni 2024 wach: Damals geriet Aeschi beim Besuch des ukrainischen Parlamentspräsidenten in ein Handgemenge mit Bundespolizisten. Das exklusive Nau.ch-Video sorgte schweizweit für Schlagzeilen.
Michael Graber, der erste Kandidat aus dem Wallis
Der Walliser Nationalrat gehört zum rechten Flügel der Partei und scheut die Konfrontation nicht. Entsprechend wird er als Hardliner wahrgenommen.

Graber ist für seine klaren Positionen bekannt und geniesst insbesondere an der Parteibasis Rückhalt. Zudem gehört er zu den sichtbareren Vertretern des SVP-rechten Flügels und sorgt regelmässig für Aufmerksamkeit.
Gerade diese Schärfe dürfte seine Chancen bei einer Bundesratswahl schmälern. SRF nennt Graber ausdrücklich als Beispiel eines Kandidaten, der für viele Parlamentarier schwer wählbar wäre.
Auch Graber war beim Handgemenge involviert. Konsequenzen hat dieses für Aeschi und Graber übrigens nicht – die Immunität der SVP-Politiker wurde nicht aufgehoben.
Franz Ruppen, der zweite Kandidat aus dem Wallis
Der Walliser Staatsrat gilt als einer der ernsthaftesten Anwärter im Feld und insbesondere als Wolfsgegner bekannt. Der frühere Nationalrat verfügt über Erfahrung sowohl auf nationaler als auch auf kantonaler Ebene.

Als Staatsrat bringt Ruppen die für das Bundesratsamt oft geforderte Exekutiverfahrung mit. Zudem gilt er als sachlicher und wenig polarisierender Politiker. Politologe Sean Mueller zählt ihn gegenüber Nau.ch zu den Kandidaten mit den besten Wahlchancen.
National steht Ruppen weniger im Rampenlicht als Thomas Aeschi oder Marco Chiesa. Zudem kommt mit Michael Graber ein weiterer Kandidat aus dem Wallis, was die kantonale Unterstützung innerhalb des Feldes aufteilen könnte.
Rémy Wyssmann, der Staatskritiker
Der Solothurner Nationalrat ging früh in die Offensive und präsentierte seine Kandidatur mit viel Energie. Der Rechtsanwalt bezeichnet sich selbst als staatskritisch.

Wyssmann präsentiert sich als äusserst motivierter Kandidat und tritt rhetorisch versiert sowie mehrsprachig auf. Politanalyst Mark Balsiger sagte gegenüber Nau.ch: «Wyssmann sprüht vor Energie, er ist eloquent und hat Charme.»
Die Chancen von Wyssmann werden hingegen als gering eingeschätzt. Mark Balsiger sagte gegenüber Nau.ch: «An seinen geringen Chancen ändert er wenig.»
Zudem kam seine Kandidatur selbst in der Partei überraschend, und im Gegensatz zu mehreren Konkurrenten fehlt ihm die Erfahrung in einer Kantonsregierung oder anderen Exekutivämtern.
Marco Chiesa, der Tessiner mit Cassis-Hürde
Der ehemalige SVP-Präsident gehört zu den bekanntesten Namen im Feld. Als Ständerat und Ex-Parteichef verfügt er über ein nationales Netzwerk.

Der ehemalige SVP-Präsident gehört zu den bekanntesten Namen im Feld. Als Ständerat und Ex-Parteichef verfügt er über ein nationales Netzwerk.
Chiesa gehört als ehemaliger SVP-Präsident und heutiger Ständerat zu den bekanntesten Kandidaten im Feld. Seine nationale Erfahrung und Vernetzung sprechen für ihn. Ex-Ständerat Filippo Lombardi attestierte ihm gegenüber Tessiner Medien denn auch durchaus intakte Chancen auf das Bundesratsamt.
Mit Ignazio Cassis stellt das Tessin bereits einen Bundesrat. Ein zweiter Tessiner Sitz in der Landesregierung gilt im Parlament traditionell als schwer durchsetzbar und könnte Chiesas Wahlchancen beeinträchtigen.
Jean-Pierre Gallati, Ricklis Favorit
Der Aargauer Gesundheitsdirektor meldete seine Kandidatur erst kurz vor Fristende an. Rückenwind erhält er von Zürcher Regierungsrätin Natalie Rickli: Nachdem sie selbst abgesagt hatte, empfahl sie Gallati der NZZ als «fähigen, führungserfahrenen Bundesrat».

Gallati bringt als Aargauer Regierungsrat seit 2019 Exekutiverfahrung mit und tritt vergleichsweise moderat auf. Zusätzlichen Rückenwind erhielt seine Kandidatur von Zürcher Regierungsrätin Natalie Rickli, die ihn als «fähigen, führungserfahrenen Bundesrat» bezeichnete.
National ist Gallati deutlich weniger bekannt als einige seiner Konkurrenten. Zudem machte er sich mit seiner Corona-Politik nicht nur Freunde in der eigenen Partei: Als Gesundheitsdirektor überzeugte er die SVP Aargau, das Covid-Gesetz zu unterstützen, was ihm insbesondere im Corona-kritischen Parteiflügel Kritik einbrachte.
Die Einschätzung des Politologen
Sean Mueller, Privatdozent am Institut für Politikwissenschaft an der Universität Bern, schätzt die Kandidaten für Nau.ch ein: «Fürs Ticket sehe ich am ehesten Gallati, Ruppen und Schnegg, oder dann Gallati, Ruppen & Chiesa.»

«Die besten Chancen gewählt zu werden dann auch bei Gallati oder Ruppen, weil sie Exekutiverfahrung mitbringen und daher eher als konkordant und moderat gelten. Ob die Partei damit über die eigene Basis hinaus punkten kann bezweifle ich allerdings.»
Muellers Fazit: «Die Gesamtauswahl ist durchaus ansehnlich: zwar eher älter (wie so oft) und Männer- und Deutschschweizlastig, aber insofern ein gutes Abbild der SVP-Fraktion.»
So geht es jetzt weiter
Unter Leitung von alt SVP-Fraktionspräsident Caspar Baader werden gemäss Mitteilung in den nächsten Wochen mit allen Kandidierenden Hearings durchgeführt. Die Kommission behalte sich vor, bei Bedarf auf weitere Personen zuzugehen, hiess es.
Bei dieser Prüfung geht es nach Angaben der SVP in inhaltlicher Hinsicht um die Haltung der Kandidierenden zu den politischen Kernthemen der Partei.

Das heisst zur bewaffneten Neutralität und zur Selbstbestimmung der Schweiz, zum EU-Vertragspaket, zur Asyl- und Migrationspolitik, zur Armee und zur inneren Sicherheit, zur Entlastung des Mittelstands und der Unternehmen und zu einer sicheren und bezahlbaren Energieversorgung.
Von zentraler Bedeutung seien bei der Prüfung auch die Führungserfahrung und Führungskompetenzen der Kandidierenden, dies vor allem mit Blick auf die Departemente EJPD und VBS, schrieb die Findungskommission.
Am 20. November wird die Fraktion den Antrag an die Vereinigte Bundesversammlung beschliessen.




















