Hat die Kandidatur von Céline Amaudruz in der SVP überhaupt Chancen?
Die Genfer Nationalrätin Céline Amaudruz will Guy Parmelin im Bundesrat beerben. Doch hat die Mutter zweier Kleinkinder parteiintern überhaupt Chancen?

Das Wichtigste in Kürze
- Céline Amaudruz, SVP-Nationalrätin aus dem Kanton Genf, will Bundesrätin werden.
- Die 47-Jährige ist Mutter zweier kleiner Kinder, Vermögensverwalterin und gilt in gesellschaftspolitischen Fragen als liberaler als die SVP.
- Sie gilt nicht als Favoritin von SVP-Übervater Christoph Blocher.
- Hat Amaudruz überhaupt Chancen, es auf das Bundesratsticket der SVP zu schaffen? Eine Politikwissenschaftlerin ordnet für Nau.ch ein.
Anfang Oktober gab SVP-Bundesrat Guy Parmelin seinen Rücktritt per Ende Jahr bekannt.
Es war ein Adieu, welches sich schon länger angekündigt hatte. Parmelin hat das Amt als Bundesrat bereits elf Jahre lang inne. Zudem ist er aktuell Bundespräsident.
Nun ist die SVP auf der Suche nach validen Kandidatinnen und Kandidaten, die den Westschweizer Winzer ersetzen können.
Das gestaltet sich nicht nur einfach. Namhafte mögliche Bewerber – etwa Parteipräsident Marcel Dettling, Magdalena Martullo-Blocher und Toni-Brunner-Gattin Esther Friedli – haben abgesagt.
Amaudruz ist Mutter zweier kleiner Kinder
Als erste ihren Hut in den Ring wirft nun ausgerechnet die Genfer Nationalrätin Céline Amaudruz. Sie gilt als Favoritin des scheidenden Bundesrats Guy Parmelin.
Die 47-Jährige ist Vermögensverwalterin, gilt in gesellschaftspolitischen Fragen als eher liberal und ist Mutter zweier Kinder (1 und 3).
Das gilt in Teilen der Partei als Handicap. Zudem soll Amaudruz die Unterstützung von SVP-Übervater Christoph Blocher fehlen.
Hat Amaudruz unter diesen Voraussetzungen also überhaupt eine Chance, es auf das SVP-interne Bundesratsticket zu schaffen?
«Hardliner kommen generell schlecht an»
Politikwissenschaftlerin Sarah Bütikofer beim Schweizer Forschungsinstitut Sotomo meint zu dieser Frage gegenüber Nau.ch: «Die SVP gewichtet andere Faktoren hoch als die Vereinigte Bundesversammlung.»
Gleichzeitig müsse die Volkspartei «ein Ticket zusammenstellen, das die Wahrscheinlichkeit von wilden Manövern» möglichst klein halte.

Bütikofer erklärt: «Wenn die SVP zwei ältere Männer aus der Deutschschweiz präsentiert, ist die Wahrscheinlichkeit einer Ablehnung durch die Bundesversammlung höher.» Dies insbesondere dann, wenn besagte Kandidaten bereits durch «extreme Positionsbezüge» aufgefallen seien.
«Hardliner aus allen Parteien kommen bei der Bundesratswahl generell bei allen Parteien schlecht an.» Und: «Die Bundesversammlung ist überhaupt nicht verpflichtet, sich an Wahlvorschläge von Fraktionen zu halten.»
SVP vertritt «ältere konservative Männer» genauso wie «jüngere berufstätige Mütter»
Das Problem der SVP: «Die Partei ist bereits mit einem 59-jährigen Mann aus der Deutschschweiz im Bundesrat vertreten, der die ländliche Schweiz repräsentiert.» Um die Vielfalt der heutigen SVP abzubilden, sei es wünschenswert, dass sich die zweite SVP-Kraft in der Landesregierung davon unterscheide, so Bütikofer.
Denn: «Die SVP ist die mit Abstand wählerstärkste Partei in der gesamten Schweiz.»

Sie habe in allen Landesteilen und Sprachregionen eine sehr grosse Wählerschaft und repräsentiere dadurch auch sehr viele unterschiedliche Gesellschaftsschichten. «Quasi vom Porsche bis zum Traktor respektive vom vermögenden, international tätigen Unternehmer bis zum Bauer in einem kleinen Tal.»
Zudem gäbe es in der Partei «ältere konservative Männer» genauso wie «jüngere berufstätige Mütter». Die Partei sollte dem Rechnung tragen und ganz unterschiedliche Persönlichkeiten zur Wahl vorschlagen, die sich vom zweiten SVP-Bundesrat unterscheiden.
Jüngere SVP-Generation bekommt Politik und Familie unter einen Hut
«Als vor ein paar Jahren die Mehrheit der Bundesratsmitglieder keine Kinder hatte, wurde das von SVP-Politikern stark kritisiert. Auch eine Bundesrätin stellte die grösste Partei noch nie. Nun könnte sie beides ändern.»
An möglichen Kandidatinnen mangelt es der SVP nicht. In den letzten Jahren habe sich auch in der SVP einiges getan.
«Die Partei hat im Parlament jüngst nicht nur mehrere Schwangerschaften miterlebt, sondern hat in der Fraktion inzwischen diverse jüngere Mitglieder, die Politik, Familie und Beruf vereinbaren.

So habe sich unlängst auch Fraktionschef Thomas Aeschi stolz mit seinem Baby und seiner berufstätigen Frau, die ebenfalls Familie, Job und ein politisches Amt stemmt, auf Fotos gezeigt. «In etlichen Kantonen sind und waren zudem SVP-Regierungsrätinnen mit kleineren Kindern im Amt.»
Bütikofers Fazit: «Die jüngere Generation der SVP unterscheidet sich von dem her nicht von anderen Parteien.»
Doch was bedeutet das konkret für Céline Amaudruz und ihre Chancen, es auf das Bundesratsticket der SVP zu schaffen?
Dass Amaudruz eine Frau ist, ist «einfach eine Tatsache»
Die Politikwissenschaftlerin unterstreicht: «Amaudruz kann die SVP als berufstätige Mutter aus der Stadt genauso gut vertreten wie ein kinderloser Bauer aus der Innerschweiz.»
Zwar habe sie als Frau «eine andere Sozialisierung und Lebensrealität als ein Mann», was ihre Haltung teils präge.
Doch: «Das ist weder eine Qualifikation noch eine Kompetenz oder eine Schwäche. Sondern einfach eine Tatsache.» Im Bundesrat sollten ganz allgemein möglichst viele unterschiedliche Perspektiven, Erfahrungen und Herangehensweisen vertreten sein.















