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    Bundesrat: Rémy Wyssmann läuft voller Power ins Leere

    Bettina Zanni
    Bettina Zanni

    Bern,

    SVP-Nationalrat Rémy Wyssmann ist startklar für den Bundesrat. Mehr Punkte holt er aber für seinen Auftritt denn als potenzieller Nachfolger von Guy Parmelin.

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    Er habe lange überlegt, ob er bereit für das Bundesratsamt sei, sagte Rémy Wyssmann. «Ich bin es», stellte er klar. - keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Top motiviert kündigte SVP-Nationalrat Rémy Wyssmann seine Bundesratskandidatur an.
    • Was er sage, wirke oft gut, halte aber zuweilen einer näheren Prüfung nicht stand, sagt ein Politanalyst.
    • Wyssmanns Alleingang macht Amtskollege Christian Imark stutzig.

    Bei der SVP hagelt es Absagen für die Bundesratskandidatur. SVP-Nationalrat Rémy Wyssmann ist dagegen voller Power für den Bundesrat. Am Mittwoch gab Wyssmann, von dem bisher kaum die Rede war, an einer Medienkonferenz seine Kandidatur bekannt.

    Top motiviert und auf alle möglichen Fallen vorbereitet präsentiert er sich im besten Licht. «Ich bewerbe mich im Wissen, was dieses Amt für eine Verantwortung mit sich bringt», sagt der 59-Jährige. Wer in den Bundesrat eintrete, gebe vieles ab. «Man hat auf die Situation der Bevölkerung, das Kollegium, das Parlament, die Medien und viele weitere Akteure Rücksicht zu nehmen.»

    Er habe lange überlegt, ob er bereit dazu sei. «Ich bin es», stellt er klar.

    «Persönlicher Nutzen darf keine Rolle spielen»

    Auch eine Prise Demut und Bescheidenheit streut der Power-Kandidat ein. «Ein Amt als Bundesrat ist kein Preis für eine zurückgelegte Laufbahn», sagt er. Dieses sei ein Dienst an unserem Land und der Bevölkerung. «Der persönliche Nutzen darf dabei keine Rolle spielen – gar keine Rolle spielen.»

    Rémy Wyssmann ist Rechtsanwalt und sitzt seit drei Jahren im Nationalrat. Er bezeichnete sich als staatskritischen Rechtsanwalt.

    Soll Rémy Wyssmann Bundesrat werden?

    Er wolle die Institutionen der Schweiz wieder so gestalten, dass sie den Bürgern dienten und nicht sich selbst, verspricht er. «Das ist mein primäres Ziel und mein angestrebter Dienst als Bundesrat.» Dafür setze er sich bereits als Rechtsanwalt seit 30 Jahren und als Politiker seit zehn Jahren mit aller Kraft ein.

    Aktuell amtet Wyssmann als Präsident der SVP Solothurn. Auch scheint er an der Medienkonferenz darum bemüht, kritische Fragen vorwegzunehmen. Ungefragt betont er, keinerlei Mandate zu haben. Er würde in das Bundesratsamt eintreten, ohne etwas verlassen zu müssen.

    «Niemand aus dem Tessin da?»

    Der abtretende Bundesrat Guy Parmelin stammt aus der Romandie. Die Genfer SVP-Nationalrätin Céline Amaudruz war bis Donnerstag Wyssmanns einzige Konkurrentin. Inzwischen wollen auch der Berner Regierungsrat Pierre Alain Schnegg und der Tessiner Ständerat Marco Chiesa kandidieren.

    Der Solothurner bezeichnete den freiwerdenden Sitz deshalb als Sitz der Romandie. Dies nehme er sehr ernst, sagt er. Er wolle deshalb auf Französisch arbeiten und nicht nur «bonjour» sagen.

    Während seiner Kandidaturerklärung wechselt er auch ins Französische. Und ganz nach dem Vorbild der Bundesrätinnen und Bundesräte an Medienkonferenzen rattert er auch einige Zeilen auf Italienisch herunter.

    Beinahe enttäuscht reagiert er, als von den Medienschaffenden keine Frage aus dem Tessin kommt. «Sonst würde ich gerne eine Frage auf Italienisch beantworten. Niemand aus dem Tessin da?», sagt er am Ende der Konferenz.

    «Gratiswerbung für seine Ständeratskandidatur»

    Die Ambitionen des Solothurners sind selbst intern eine Überraschung. «Noch vor 48 Stunden hatte auch SVP-intern niemand Rémy Wyssmann auf dem Radar.» Dies sagt Politanalyst und Buchautor Mark Balsiger am Donnerstag zu Nau.ch. Dies sage einiges aus.

    «Als Nationalrat wie als Kantonalpräsident ist er zwar umtriebig, aber eine bestimmende Figur ist er in der grossen Fraktion nicht.»

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    Mark Balsiger ist Politanalyst und Buchautor. - zVg.

    Wyssmanns Auftritt bewertet Mark Balsiger positiv. «Wyssmann sprüht vor Energie, er ist eloquent und hat Charme», sagt er. Zu verlieren habe er mit seiner Bundesratskandidatur nichts.

    Das Gegenteil sei der Fall, sagt Balsiger. Dank der Kandidatur steige sein Bekanntheitsgrad in den nächsten Wochen enorm. «Das ist Gratiswerbung für seine Ständeratskandidatur.»

    Unter dem Strich bewertet Balsiger den Auftritt als professionell inszeniert. «An seinen geringen Chancen ändert er wenig.»

    «Romands wollen nicht Deutschschweizer, der sich Mühe gibt»

    Weniger Punkte bekommt der Kandidat für seine Showeinlage mit den Fremdsprachen. «Ein mehrsprachiger Auftritt hinterlässt dann Wirkung, wenn nicht jeder Satz abgelesen wird», sagt Mark Balsiger.

    Was Wyssmann sage, wirke oft gut, halte aber zuweilen einer näheren Prüfung nicht stand, stellt der Politanalyst fest. Als Beispiel erwähnt er eine Aussage von Wyssmann an der Medienkonferenz gegenüber «TeleM1». Er wolle, dass die Menschen wieder mehr Vertrauen in die politischen Institutionen hätten, sagte er.

    «Fakt ist beispielsweise laut einer ETH-Studie, dass dieses Vertrauen sehr hoch ist», sagt Balsiger. Während der Corona-Pandemie habe das Vertrauen in den Bundesrat sogar Rekordwerte erlangt. «Just bei diesem Thema versuchte sich Wyssmann als Massnahmenkritiker zu profilieren.»

    Auf Französisch zu parlieren, reicht laut Balsiger «natürlich nicht», um die Romands für eine Wahl zum Bundesrat zu überzeugen. «Die Romands in der Bundesversammlung wollen jemanden aus ihrem Sprachraum, nicht einen Deutschschweizer, der sich Mühe gibt.» Diese Charmeattacke zeige vor allem, wie Wyssmann ticke. «Er weiss, was gut ankommt, auch wenn es nicht trägt.»

    «Ich war überrascht»

    Am Freitag läuft die Anmeldefrist für die Bundesratskandidaturen ab. Am 20. November entscheidet die SVP-Fraktion, wen sie auf das Ticket nimmt.

    Der Solothurner SVP-Nationalrat Christian Imark stand selbst als Bundesratskandidat zur Diskussion, sagte aber ab. «Ich war überrascht, dass Rémy Wyssmann antritt», sagt Imark auf Anfrage. Sein Amtskollege sei erst drei Jahre im Nationalrat. «Es ist nicht so einfach, in dieser Zeit, ein Netzwerk aufzubauen, das für den Sprung in den Bundesrat reicht.»

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    «Seine Kandidatur ist in Bern bisher kein Thema», sagt der Solothurner SVP-Nationalrat Christian Imark. - keystone

    Wyssmanns Vorgehen bezeichnet Imark als «sehr aussergewöhnlich». «Aber ich kenne ihn: Wenn er etwas macht, ist er immer top motiviert und hat einen Plan.» Darauf führt er auch den Fokus auf das Französisch zurück.

    «Kein Kandidat will als grosser Romandie-Verhinderer hervorgehen», sagt Imark. Als Solothurner hätte sich Wyssmann stattdessen aber auch gut als Vertreter eines Brückenkantons anpreisen können, findet er.

    Stutzig macht Imark Wyssmanns Alleingang. «Seine Kandidatur ist in Bern bisher kein Thema.»

    Wenn die grossen Kantone mit Kandidaten anträten, gäbe es entsprechendes Lobbying. «Und man bekommt etliche Telefone.» Wyssmann habe bisher niemand auf dem Radar. «Ich wünsche ihm aber alles Gute.»

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