Gleich zwei Suizide sorgen in der SRF-Krimiserie «Wilder» für Kritik. Trotz Experten-Warnung vor Nachahmungs-Tätern will SRF die Szenen aber stehen lassen.
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Rosa Wilder musste den Suizid mitansehen. - Screenshot SRF

Das Wichtigste in Kürze

  • SRF-Krimi-Erfolgsserie «Wilder» zeigt zwei ausführliche Suizid-Szenen.
  • Experten erachten die Darstellung als zu riskant.
  • Die Darstellungen könnten zu Nachahmern führen und Zuschauer traumatisieren.
  • Trotzdem beharrt SRF auf den Szenen und will sie nicht kürzen.

Ein Todes-Sprung vors Postauto und einer von der Staumauer – SRF mutet seinen Zuschauern in der Krimiserie «Wilder» schwere Kost zu. Nau.ch zeigt die expliziten Szenen bewusst nicht.

Denn Experten warnen, dass die zwei langen Suizidszenen im Publikumshit «traumatisierend» sein können. Noch schlimmer: Sie könnten gar Nachahmungs-Täter animieren.

Vor allem der 15-sekündige Fall von der Staumauer gehe zu weit. «Die Gefahr von Nachahmungssuiziden wird umso grösser sein, je mehr Details und Ablauf der Suizidmethode dargestellt werden», sagt Jörg Weisshaupt vom Verein für Suizidprävention Ipsilon.

Dennoch: SRF will die Szenen weder kürzen noch streichen.

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Die Noch-Ehefrau von Handwerker Zingg muss tatenlos zusehen, wie er von der Staumauer springt.
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Die Bus-Chauffeurin erleidet wegen dem Sprung vors Fahrzeug einen Schock.
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Zingg kurz vor seinem Sprung von der Staumauer.
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Elias kurz vor seinem Sprung.

SRF: «Auf allzu explizite Darstellung verzichtet»

Im Gegenteil: Die Macher glauben sogar, sie hätten die heiklen Szenen «differenziert erzählt».

Urs Fitze, Bereichsleiter Fiktion im SRF, schreibt Nau.ch, man habe «bewusst auf Naheinstellungen und eine allzu explizite Darstellung» verzichtet.

Dass Experte Weisshaupt schon am Dienstag riet, Suizid im TV gar nicht zu zeigen, stösst auf taube Ohren.

Soll SRF die beiden Suizid-Szenen in «Wilder» löschen?

«Wir verharmlosen Suizid nicht und zeigen ihn nicht als verführerische «Lösung», sondern rücken stattdessen die Auswirkungen, das Entsetzen und die Reaktionen der Zeugen und Hinterbliebenen ins Zentrum», so Fitze.

Und weiter: «Das emotionale Drama spielt sich in den Reaktionen und Gesichtern der Schauspielerinnen ab.»

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Brauchen Sie Hilfe?

Sind Sie selbst depressiv oder haben Sie Suizidgedanken? Dann kontaktieren Sie bitte umgehend die Dargebotene Hand (www.143.ch).

Unter der kostenlosen Hotline 143 erhalten Sie anonym und rund um die Uhr Hilfe. Die Berater können Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen. Auch eine Kontaktaufnahme über einen Einzelchat oder anonyme Beratung via E-Mail ist möglich.

Hilfe für Suizidbetroffene: www.trauernetz.ch

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