Frauen gegen Frauen - vorgemacht von Brigitte Macron!
Wenn Frauen gegen Frauen schiessen: Ausgerechnet Brigitte Macron griff Feministinnen an. Eine Kolumne von Dr. Verena Brunschweiger.

Das Wichtigste in Kürze
- Dr. Verena E. Brunschweiger schreibt auf Nau.ch regelmässig Kolumnen.
- Heute schreibt Brunschweiger über den Zoff unter Feministinnen.
Ja, Brigitte Macron (72) beschimpfte Feministinnen in einem viralen Video als «Schlampen». Das ist traurig und enttäuschend. Zumal sie ja selbst seit Jahren (!) Opfer transfeindlichen Cybermobbings war. Und persönlich erlebte, wie belastend sich Diskriminierungen auf die physische und mentale Gesundheit auswirken.
In Frankreich erhielten acht Männer und zwei Frauen Bewährungsstrafen und bekamen Auflagen, die vielversprechend klingen. Unter anderem ein Praktikum zur Förderung des Respekts vor anderen Menschen im Internet, welches eben kein rechtsfreier Raum ist.

Plattform X dreht uns den Magen um
Die Plattform, die Macrons mittelalte Mobber benutzt hatte, war natürlich X, das Elon Musk gehört, der Galionsfigur der Rechten.
X vereint alles, was progressiven Leuten den Magen umdreht: Konservativ bis reaktionär, rassistisch, technofanatisch und turbokapitalistisch. Er kultiviert das dazu passende Frauenbild. Und sieht selbige als Sexobjekte und vor allem wandelnde Inkubatoren.
Es ist somit ganz im Sinne des Besitzers, wenn Hetzer Brigitte Macron sogar Pädophilie vorwerfen.

Die Frage sei erlaubt: Wann wurde eigentlich jemals einem Mann mit einer 20 Jahre jüngeren Frau dieser Vorwurf gemacht? Ageismus und Misogynie sind eine für Frauen Ü 35 oft schier tödliche Kombination.
Weswegen der Französin klar sein sollte, dass die von ihr verunglimpften Feministinnen ein besonders wertvolles, wichtiges Engagement betreiben. Auch für sie. Und auch für solche, die das nicht zu schätzen wissen. Das ist leider eine Konstante im Kampf gegen unterschiedliche Formen von Unterdrückung.
Beachtliche Nachteile, weil sie lesbisch ist
Rita Mae Brown (81) ist der breiten Öffentlichkeit durch Katzenkrimis bekannt. Sie schrieb aber auch etliche feministische Bücher. Und sie war eine der ersten offen lesbischen Autorinnen der USA.
In ihrer Autobiographie schildert sie ihre Anfänge als Studentin in den 1960ern, als die heterosexuellen Feministinnen um Betty Friedan schockiert waren ob der radikalen jungen Frau. Eine Frau, die sich nicht scherte um die Meinung anderer. Die dazu stand, mit anderen Frauen sexuelle Beziehungen einzugehen, auch wenn ihr das damals beachtliche Nachteile auf dem Wohn- und Arbeitsmarkt brachte!
Das war übrigens auch die Zeit, als es an einem College in Florida exakt fünf schwarze Studenten gab.
Brown bedauert, dass sich angesichts des Backlashs mehr Leute ans Licht trauen, die sich öffentlich dafür aussprechen, die Uhr wieder zurückzudrehen. Und die es gerne sähen, wenn Frauen zuhause auf die Kinder aufpassen. Und «BIPoC» (Black, Indigenous and People of Color) all die schlecht bezahlten Arbeiten erledigen, für die sich die weissen Republikaner zu schade sind.

Andererseits konstatiert die Autorin auch erfreuliche Verbesserungen: Während ihre Ex-Freundin, Tennis-Star Martina Navratilova (69), vor Jahrzehnten noch dementieren musste, lesbisch zu sein, weil sie das Werbeverträge gekostet hätte, kann Fussballerin Megan Rapinoe (40) offen ihre Homosexualität leben.

Dem Patriarchat eins auswischen
Das Exkludierende von NOW (National Organization for Women), die Friedan 1966 gegründet hatte und leitete, ist für Leser:innen des Jahres 2026 verstörend. Es gab gegen die Lesbe Rita Mae Brown offenbar Anfeindungen ohnegleichen. Sodass sie die Vereinigung verliess und selber aktiv wurde.
Als «Furies», also Furien, machte sie zusammen mit ein paar anderen auf den Ausschluss lesbischer Frauen auch medial effektiv aufmerksam.
Heutzutage würde es niemandem mehr einfallen, diese auszugrenzen, wenn es um feministische Aktivitäten geht. Damals wie heute fällt sogar auf, dass sie die progressiveren sind, die dem Patriarchat ja viel mehr eins auswischen!
Zwei Ausstellungen in München
Das konnte man beispielsweise auch in München beobachten, wo 2023 unter anderem die Ausstellungen «Frauen der Boheme» (Monacensia) und «To be seen. Queer lives 1900-1950» (NS-Dokumentationshaus) zeitgleich liefen.
Der Kontrast hätte nicht grösser sein können! In ersterer ging es penetrant um Mutterschaft.
Dass eine der drei Frauen, die im Mittelpunkt der pseudo-feministischen Ausstellung standen, Mutter war und darüber schrieb, ist eine Sache. Was die Leute, die das Projekt kuratierten, daraus machten, eine andere.
Man wähnte sich eher auf einer CSU- oder gar AfD-Veranstaltung, wenn man im interaktiven Raum kleine Zettelchen zum Ausfüllen fand, was eine Mutter ausmache…
Insgesamt war das Glorifizieren der Mutterschaft ein exorbitantes Manko dieser Ausstellung. Die latente Abwertung, das Nicht-Sichtbar-Machen aller Nicht-Mütter war auf Schritt und Tritt in hochprovozierendem Mass fühlbar.
Freiwild für alle
Vielleicht ist aber so manchen lediglich das Wort Bohème nicht bekannt. Sonst wüssten sie, dass Frauen der Bohème gerade die Nicht-Mutterschaft auszeichnete. Und das Ablehnen althergebrachter Traditionen, ganz genau wie jetzt. Da sind die braven Mamis, beschützt vom Papi des Kindes, und zwei Sippen, die «alles richtig machten».
Und die Lesben, Singles oder kinderfreien Frauen, die Freiwild sind für alle.
Dabei waren letztere unfassbar mutig! In der progressiven Ausstellung konnte man zum Beispiel Dokumente bestaunen, die zeigen, wie Lesben jüdische Menschen vor der Deportation retteten.
Dies, obwohl sie keinen Mann an der Seite hatte. Sondern oft medizinisch und sozial Schikanen ausgesetzt waren, die man sich heute gar nicht mehr vorstellen kann.
Die Revolutionärinnen, die sich für andere Frauen einsetzten, hatten in den seltensten Fällen Kinder und waren oft lesbisch.
Das ist eine Beobachtung, die auch Rita Mae Brown macht. Insofern ist es vielleicht auch gar nicht mehr so verwunderlich, dass Brigitte Macron das Engagement der Feministinnen nicht würdigte.
Zur Autorin
Dr. Verena E. Brunschweiger, Autorin, Aktivistin und Feministin, studierte Deutsch, Englisch und Philosophie/Ethik an der Universität Regensburg. 2019 schlug ihr Manifest «Kinderfrei statt kinderlos» ein und errang internationale Beachtung.
















