Nach Rassismus-Skandal: Mehr Frauen sollen in Lausanne zur Polizei
Nach der Aufdeckung rassistischer und diskriminierender Chats steht die Stadtpolizei Lausanne in der Kritik. Jetzt sollen mehr Frauen her.

Das Wichtigste in Kürze
- Bei der Stadtpolizei Lausanne wurden rassistische und diskriminierende Chats aufgedeckt.
- Ein Zwischenbericht zeigt Führungsprobleme und Mängel im Umgang mit Diskriminierung.
- Stadt und Polizei fordern nun Reformen und einen Kulturwandel im gesamten Korps.
- Dazu gehören mehr Frauen und mehr Vielfalt.
Die Stadtpolizei Lausanne steht seit längerem unter Druck. Bereits im vergangenen Sommer wurden innerhalb des Korps rassistische und diskriminierende Chatgruppen aufgedeckt.
In zwei WhatsApp-Gruppen kursierten laut Ermittlungen rassistische, sexistische, antisemitische und weitere diskriminierende Nachrichten unter Lausanner Polizisten.

Nachdem die Staatsanwaltschaft des Kantons Waadt die Messenger-Chats publik gemacht hatte, reagierte die Stadt umgehend. Mehrere Mitarbeitende wurden suspendiert. Zudem kündigte der Kommandant der Stadtpolizei an, per Juli 2026 vorzeitig in Pension zu gehen.
Zwischenbericht legt Missstände bei der Stadtpolizei Lausanne offen
Im Oktober 2025 wurde eine externe Anlaufstelle eingerichtet. Dort konnten sich Polizistinnen und Polizisten vertraulich melden. Die gesammelten Rückmeldungen wurden nun in einem Zwischenbericht zusammengefasst.
Dieser zeigt: Es gibt Defizite bei der Anerkennung von Kompetenzen sowie bei der Ausbildung von Führungskräften. Zudem reicht die heutige Organisation der Stadtpolizei Lausanne nicht aus, um Diskriminierung wirksam zu bekämpfen.
Der Bericht nennt auch konkrete Vorfälle. So gab es weiterhin diskriminierende Nachrichten und sexistische Situationen innerhalb des Korps. Mitarbeitende mit abweichenden Meinungen würden ausgegrenzt.
Zudem kommt es zu Ungleichbehandlungen in internen Abläufen und zu Problemen bei der Nutzung von Meldemechanismen.
«Keine Polizei fürs 21. Jahrhundert»
Der ehemalige Neuenburger Polizeikommandant André Duvillard sagt gegenüber SRF: «Man muss den Mitarbeitenden klarmachen, dass man die rote Linie nicht überschreiten darf.»
Einige würden solche Aussagen als Witz sehen, daher brauche es hier Aufklärung. Deutliche Worte findet Duvillard für das Korps insgesamt: «Die Lausanner Stadtpolizei ist wie eine Polizei aus dem 20. Jahrhundert und keine Polizei fürs 21. Jahrhundert.»
Der Bürger müsse als Partner gesehen werden, betont der Sicherheitsexperte. «Ein Risiko ist er nur im Extremfall.»
Auch der Kommandant der Stadtpolizei Lausanne, Olivier Botteron, räumt Probleme ein: «Die Polizei hat sich zu wenig weiterentwickelt.» Eine Reform sei unumgänglich. Botteron fordert einen grundlegenden Kulturwechsel und bessere Rahmenbedingungen.
Der Lausanner Sicherheitsdirektor Pierre-Antoine Hildbrand bestätigt gegenüber SRF, dass bereits Massnahmen laufen. «Bei Neueinstellungen achten wir auf mehr Vielfalt und mehr Frauen. In der Ausbildung wollen wir das Personal stärker für Diskriminierung sensibilisieren.»
Reformen müssten auf allen Hierarchiestufen greifen, so Hildbrand. Nur dann ziehe das gesamte Korps am gleichen Strang.

















