WEF: Wird in Davos das Schicksal von Grönland besiegelt?

Sina Barnert
Sina Barnert

Prättigau,

Am Mittwoch hält Donald Trump am WEF in Davos eine Rede. Wird bei seiner Reise in die Schweiz über die Zukunft von Grönland entschieden?

Donald Trump WEF
Reist am Mittwoch ans WEF in Davos: US-Präsident Donald Trump. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • US-Präsident Donald Trump reist am Mittwoch ans WEF in Davos.
  • Dort werde auch Grönland ein Thema sein, mutmassen US-Expertinnen und -Experten.
  • Seine Rede könnte zudem zu einer verbalen Abrechnung werden.

Am Mittwoch reist US-Präsident Donald Trump ans WEF in Davos. Dort hält er um 14.30 Uhr eine rund einstündige Rede.

Es ist ein gut gehütetes Geheimnis, was er dort sagen wird. Worüber der US-Präsident aber in der näheren Vergangenheit oft gesprochen hat, ist Grönland.

Trump will die Insel, die zu Dänemark gehört und reich an Rohstoffen ist, unbedingt in Besitz der USA wissen.

Wird Grönland bald zu den USA gehören?

Seit Monaten baut der US-Präsident deshalb eine regelrechte Drohkulisse auf. Und will auch vor einem militärischen Einsatz nicht zurückschrecken.

Es stellt sich die Frage: Wird bei Trumps Besuch am WEF das Schicksal von Grönland besiegelt?

Merz und Macron werden versuchen, auf Donald Trump einzuwirken

«Nein», erklärt auf Anfrage von Nau.ch US-Expertin Claudia Franziska Brühwiler. «Besiegelt werden kann am WEF kaum etwas.»

Denn Dänemarks Regierung nehme nicht am diesjährigen WEF teil. «Und letztlich geht es in der Grönland-Frage um dänisches Territorium.»

Sie erklärt aber: «Allerdings werden wohl Kanzler Merz und Präsident Macron versuchen, auf Donald Trump einzuwirken und ihn idealerweise kooperativer stimmen.»

Denn grundsätzlich sei Dänemark sehr offen, die Einflussmöglichkeiten der USA in Grönland zu erhöhen.

Für Trump könnten die «Kosten in ein unerträgliches Mass steigen»

Auch US-Experte Reinhard Heinisch hält es für möglich, dass europäische Vertreterinnen und Vertreter Einfluss auf Trump nehmen könnten.

Er erklärt: «Die Herausforderung wird sein, Trump zu signalisieren, dass für ihn die politischen und wirtschaftlichen Kosten in ein unerträgliches Mass steigen.» Das jedoch, ohne den US-Präsidenten zu reizen und eine Trotzreaktion zu provozieren.

Kann Europa wegen Grönland auf Trump einwirken?

Denn es bestehe die Gefahr eines sogenannten «Worst-Case-Szenarios». Beispielsweise durch «eine konkrete Ankündigung einer Militäroperation».

Heinisch erklärt: «Auch massive neuerliche Drohungen wären ein Problem, sowie alle Handlungen, bei denen Trump ein Gesichtsverlust droht, sollte er sie zurücknehmen.»

«75 Prozent der Amerikaner lehnen seine Grönlandpläne ab»

Das sieht auch Claudia Franziska Brühwiler so. Sie sieht aber auch das Risiko, dass sich die Fronten verhärten könnten – das wäre das «Worst-Case-Szenario».

Dabei wäre es jedoch auch denkbar, dass Donald Trump selbst «als Verlierer dastehen könnte». Denn: «75 Prozent der Amerikaner lehnen seine Grönlandpläne ab. Mehr als die Hälfte ist der Ansicht, er setze im Moment die falschen Prioritäten.»

Zudem sei im Moment die Wahrscheinlichkeit gross, dass die Republikaner bei den Zwischenwahlen die Kongressmehrheit verlieren könnten. Somit sei eine Fortsetzung von Trumps bisheriger Politik gefährdet, erklärt die US-Expertin.

Zurück zum WEF und Donald Trumps Rede in Davos. Was kann man vom US-Präsidenten erwarten?

Nutzt Donald Trump das WEF für eine Abrechnung?

Reinhard Heinisch meint dazu: «Bei Trump immer schwer zu sagen.»

Einerseits agiere der US-Präsident relativ unideologisch und improvisiere. «Andererseits hat er auch Mut zum Risiko und hat auch Freude daran, sich über die Schwäche der anderen zu mokieren.»

WEF
Kommt es am WEF in Davos zur grossen verbalen Abrechnung von Donald Trump? - keystone

Der US-Experte prognostiziert für die Rede: «Wenn ich tippen müsste, dann könnte dies ein wenig zu einer verbalen Abrechnung werden. Mit jenen, die sich ihm in Sachen Grönland nicht untergeordnet haben.»

Kommentare

User #9901 (nicht angemeldet)

Leider zeigt sich hier die Doppelmoral von Linken, die unterschiedliche Masstäbe anlegen, wenn es um Handlungen der EU und die des US-Präsidenten geht. Was tun denn Brüsseler Technokraten anders, wenn sie mit Drohungen und Erpressungen ein kleines neutrales aber erfolgreiches Land wie die Schweiz drangsalieren? Weil wir den Rahmenvertrag I nicht gutgeheissen haben, wurden wir vom Forschungsprogramm Horizon ausgeschlossen, man stellte uns Kohäsionszahlungen in Höhe von 1,3 Milliarden in Rechnung und unsere Börsenäquivalenz (Annerkennung unserer Börsengesetze) wurde nicht verlängert, was zu einem Handelsverbot von Schweizer Aktien an EU-Börsen führte. Die Harmonisierung technischer Handelshemmnisse wurde auf die lange Bank geschoben, was den Export in EU-Länder behinderte.

User #2642 (nicht angemeldet)

Das nennt man Raubrittertum in reinster form, ich frage mich nur, warum das bisher noch kein Europäischer Politiker so gesagt hat

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