Schweizer Studis bekommen Sextoy-Gutschein
Der Verband FH Schweiz verschickt Studierenden ein Bon-Büchlein. Darin enthalten: Ein Sextoy-Gutschein. Die EDU übt Kritik.

Das Wichtigste in Kürze
- Ein Sextoy-Shop gewährt Schweizer Studierenden Rabatt.
- Der Bon ist Teil eines Rabatt-Büchleins des Verbands der Hochschul-Absolventinnen und -Absolventen.
- Der Chef der nationalkonservativen EDU übt Kritik am «Geschenk» des Verbands.
Schweizer Studierenden flattert aktuell ein Gutschein-Büchlein in den Briefkasten. Es umfasst 20 verschiedene Angebote mit Rabatten – von Cafés über Möbelhäuser bis hin zu Kontaktlinsen.
Klar: Die meisten Studierenden kämpfen sich mit knappem Budget durch den Alltag. Die Mehrheit etwa der Zürcher Studierenden liegt mit einem Monatseinkommen von rund 2300 Franken unter der Armutsgrenze.
Die «FH Deals» sind ein Angebot von FH Schweiz, dem Dachverband Absolventinnen und Absolventen der Fachhochschulen. Mit dem Segen der Hochschulen können sich die Studierenden aber auch mit vergünstigten Sextoys eindecken.
Richtig gelesen.
«Geniesse abenteuerlichen Semesterstart»
Auf Seite vier des Büchleins sticht ein Gutschein des Sextoy-Shops «Amorana» ins Auge. Dieser bietet 16 Prozent Rabatt auf seine Produkte. «Geniesse einen abenteuerlichen Semesterstart mit Amorana!», steht weiter.
Das kommt nicht überall gut an.
Für die EDU Schweiz hat der Gutschein in einem solchen Büchlein nichts verloren.
Parteipräsident Daniel Frischknecht sagt zu Nau.ch: «Es ist grundsätzlich nicht die Aufgabe eines Hochschulverbandes, das Privat- und Sexualleben von Studierenden durch entsprechende Werbeangebote zu fördern.»

Hochschulen und ihre Partnerorganisationen sollten sich seiner Meinung nach in erster Linie auf Bildung, Weiterbildung und berufliche Entwicklung konzentrieren. Darunter fielen auch die konkreten Herausforderungen des Studienalltags.
EDU-Chef: Sextoys haben keinen Bezug zum Studium – «unpassend»
Es stelle sich die Frage, ob hier die richtigen Prioritäten gesetzt würden, sagt Frischknecht. «Wenn ein Studentenrabattheft zunehmend Konsumangebote aus dem Intim- und Erotikbereich bewirbt.»
Sextoy-Gutscheine hätten keinen direkten Bezug zum Bildungsauftrag oder zum Studium. «Deshalb halte ich sie in einem solchen Kontext für unpassend.»
Der EDU-Präsident macht darauf aufmerksam, dass sich viele Studierende durch Ausbildung und Wohnen kämpften. Sinnvoller fände er deshalb, Vergünstigungen für Fachliteratur, digitale Lernmittel, Sprachkurse, ÖV, Weiterbildung und gesundheitsfördernde Angebote.
Das sagen Studierende über den Bon
In der Bevölkerung sind Sextoys beliebt, wie eine Analyse von «Amorana» zeigt. Der Kanton Bern steht an der Spitze, das Schlusslicht ist Genf. Und wie gross ist der Sextoy-Bedarf bei Studierenden?
Der Verband der Schweizer Studierendenschaften reagiert neutral auf den Gutschein. Co-Präsidentin Klara Sasse bestätigt, dass viele Studierende mit enorm knappen Budgets lebten. «Unter diesem Gesichtspunkt sind Vergünstigungen grundsätzlich gerne gesehen», sagt sie.
Das Büchlein enthalte ein breites Sortiment an verschiedenen Angeboten, das unterschiedliche Gruppen von Studierenden ansprechen solle. «Somit muss das Angebot nicht für alle gleichermassen ein Bedürfnis abdecken», sagt Sasse.
FH Schweiz verschickt die Gutscheine inklusive jenem von «Amorana» seit 2023. Die Werbeagentur «2047 Agency» stellt diese zusammen.
«Da wir ‹Amorana› schon länger bei unseren Deals dabeihaben, scheint es definitiv einem Bedürfnis zu entsprechen.» Zu diesem Schluss kommt Timothy Walder, Geschäftsführer der Agentur.

















