Nach Gebühr-Erhöhung: Berner Unis jetzt zu teuer für Ausland-Studis

Vivian Balsiger
Vivian Balsiger

Bern,

Studieren bald nur noch die Reichen in Bern? Die Semestergebühren steigen drastisch – und die Institutionen warnen vor den Folgen für die Hauptstadt.

uni bern
Ausländische Studierende sorgen sich, dass sie sich die Studiengebühren in Bern nicht mehr leisten können. (Symbolbild) - keystone / pexels

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Semestergebühren in Bern werden für ausländische Studierende drastisch erhöht.
  • Ein Semester kostet neu 2550 Franken – zuvor waren es lediglich 950 Franken.
  • Die Reaktionen fallen kritisch aus. Die Institutionen warnen vor den Konsequenzen.

Die Kosten steigen, die Anmeldungen schrumpfen: Bern hat die Semestergebühren für ausländische Studierende ab Herbst 2026 von 950 auf 2550 Franken angehoben.

Doch nicht nur den ausländischen Studierenden geht's an den Kragen. Auch die hiesigen müssen das grosse Portemonnaie auspacken: In Bern steigen die Semestergebühren um 100 Franken – von 750 auf 850 Franken.

Der Entscheid fiel im Berner Regierungsrat. Dieser sagte im November 2025 Ja zur Erhöhung, nach entsprechender Forderung des Grossen Rates. Der Grund: Finanzielle Löcher sollen gestopft werden.

Die Reaktionen folgen prompt – viele sind wenig begeistert.

Studis macht der Entscheid Bauchweh

Die Studierendenschaft der Universität Bern (SUB) schlägt Alarm. Sprecherin Nina Hummel sagt: «Wir haben bereits letzten Herbst, als die Erhöhung der Studiengebühren beschlossen wurde, vermehrt Rückmeldungen von Studierenden erhalten, die sich Sorgen machen, dass sie sich das Studium nicht mehr leisten können.»

Besonders betroffen seien Studierende aus dem Ausland.

Die Kritik ist deutlich: «Die SUB vertritt die Position, dass die Studiengebühren gar nicht hätten erhöht werden sollen, da dies die Zugänglichkeit zum Studium verringert.»

Doch das letzte Wort sei noch nicht gesprochen: «Wir werden uns im September mit der Zulassung, Immatrikulation und Beratung der Universität Bern und mit der Unileitung in Verbindung setzen.»

Anmeldungen gehen zurück

Bei der Berner Fachhochschule (BFH) zeigt sich bereits ein Effekt. Das bestätigt Robert Reinecke, Mediensprecher der BFH: «Die BFH verzeichnet aktuell einen Rückgang von Personen, die vom Gebührenzusatz für ausländische Studierende betroffen sind.»

Eine genaue Zahl fehle noch, doch der Trend ist klar erkennbar.

bfh
Für die Berner Fachhochschule sind ausländische Studierende zentral. - keystone

Die Kritik ist gross: «Die BFH hat wiederholt darauf hingewiesen, dass das Studium allen Personen mit den entsprechenden Fähigkeiten offenstehen sollte. Ungeachtet ihrer wirtschaftlichen Ausgangslage», so Reinecke.

Doch genau das könnte nun schwieriger werden. Denn die Schweiz sei teuer. Deshalb sei «eine weitere Reduktion internationaler Bewerbungen nicht auszuschliessen.»

Das wäre «für den Bildungsstandort Bern nicht vorteilhaft.» Gerade in Studiengängen, die von Vielfalt und globalem Austausch leben, so Reinecke.

«Internationale Durchmischung entscheidend»

«Internationale Durchmischung ist kein Selbstzweck, sondern entscheidend», so Reinecke. Besonders für Studiengänge, die auf eine internationale Karriere vorbereiten: «Diese Studiengänge sind für die exportorientierte Schweizer Wirtschaft ausschlaggebend.»

Findest du, dass die Studiengebühren wieder gesenkt werden sollten?

Ein weiterer Punkt sorgt für Stirnrunzeln: Denn die Rechnung könnte politisch nicht aufgehen: «Bei einem erheblichen Rückgang der Bildungsausländer würden die entfallenden Bundesbeiträge die Mehreinnahmen durch die höheren Gebühren deutlich übersteigen.»

Die Hochschulen erhalten für Studierende aus dem Ausland Beiträge vom Bund. Sinkt die Zahl der Studierenden, sinken auch diese Beiträge.

Unterm Strich drohe also nicht Entlastung – sondern eher das Gegenteil.

Nur noch reiche Studis?

Auch die Universität Bern zeigt sich skeptisch. Mediensprecherin Patrizia Jäggi sagt gegenüber Nau.ch: «Die Universität Bern erachtet die beträchtliche Erhöhung der Studiengebühren für ausländische Studierende als wenig sinnvoll.»

Die Sorge: Die internationale Vielfalt könnte schrumpfen. Oder sich verändern – hin zu einer Auswahl, die stärker vom Portemonnaie als von Leistung geprägt ist.

Und zwar, «indem nur noch vermögende ausländische Studierende kommen, die aber nicht notwendigerweise die besten Studierenden sind.»

Und die EU-Verträge?

So oder so ist fraglich, ob der Preisanstieg langfristig Bestand haben wird. Die neu ausgehandelten EU-Verträge könnten den erhöhten Gebühren nämlich sprichwörtlich einen Strich durch die Rechnung machen.

Die Schweiz dürfte Studierende aus EU- und EFTA-Staaten nicht schlechter behandeln als einheimische. Über die Verträge wird voraussichtlich 2028 abgestimmt.

Kommentare

User #1498 (nicht angemeldet)

Wir nannten die Phil.1-Fakultät die Rumlaber- oder Gschpürschmi-Fakultät. Viele Studienabbrechende:Innen sah man danach in der Reitschule, einige wurden später sogar linke Politikende:Innen.

User #2850 (nicht angemeldet)

Schliesslich zahlen die Eltern von ausländischen Studierenden auch keine Steuern hier.

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