Stadt Zürich

Mehrheit der Zürcher Studis lebt unter Schweizer Armutsgrenze

Simon Ulrich
Simon Ulrich

Zürich,

So viele wie nie haben sich an ETH, Uni und Fachhochschulen eingeschrieben. Doch in der teuersten Stadt der Welt reicht das Geld bei vielen nur knapp.

Studierende
Über 70'000 Studierende starten ins Frühjahrssemester in Zürich. (Symbolbild) - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Sieben von zehn Studierenden im Kanton Zürich arbeiten neben dem Studium.
  • An der ETH arbeiten am wenigsten; bei zwei Drittel zahlen die Eltern.
  • FH-Studierende verdienen 60 Prozent selbst, sind älter und öfter in Not.

Zum Start des Frühjahrssemesters sind an ETH Zürich, Uni Zürich sowie den Zürcher Fachhochschulen über 70’000 Studierende eingeschrieben. Das sind so viele wie nie.

Gleichzeitig gilt Zürich laut dem «Cost of Living Index» 2026 der internationalen Datenbank Numbeo als teuerste Stadt der Welt.

Neue Daten des Bundesamt für Statistik (BFS) unter rund 7900 Zürcher Studierenden, die der «Tagesanzeiger» ausgewertet hat, zeigen: Die meisten finanzieren sich durch Nebenjobs und Unterstützung der Eltern. Sieben von zehn arbeiten neben dem Studium.

70 Prozent der ETH-Studis kommen aus Akademikerfamilien

Wie hoch das Pensum ist, hängt derweil von der Hochschule ab. An der ETH ist der Anteil erwerbstätiger Studierender am tiefsten.

Rund zwei Drittel ihres Einkommens stammen von den Eltern. 70 Prozent kommen aus Akademikerfamilien.

An der Universität Zürich wird etwas mehr gearbeitet, je nach Studiengang unterschiedlich stark.

An den Fachhochschulen ZHAW, ZHdK, HWZ und der Pädagogischen Hochschule Zürich verdienen Studierende 60 Prozent ihres Einkommens selbst.

Laut Bildungsforscherin Andrea Diem von der Schweizerischen Koordinationsstelle für Bildungsforschung liegt das an den häufigeren Teilzeitstudiengängen: «Die Vereinbarkeit von Arbeit und Studium ist hier deutlich höher.»

19 Prozent der FH-Studis haben grosse finanzielle Schwierigkeiten

Das verfügbare Einkommen unterscheidet sich deutlich. ETH-Studierende hatten 2024 einen Medianlohn von 1997 Franken pro Monat, an der Universität Zürich waren es 2253 Franken. Damit liegt die Mehrheit unter der Armutsgrenze von rund 2300 Franken.

FH-Studierende kamen im Median auf 2788 Franken. Trotzdem berichten 19 Prozent von grossen finanziellen Schwierigkeiten. Mehr als an der Universität Zürich (13 Prozent) oder der ETH (10 Prozent).

Hast oder hattest du während deines Studiums Geldsorgen?

Diem erklärt dies mit der höheren finanziellen Verantwortung vieler FH-Studierender. Sie sind im Schnitt älter, erhalten seltener Unterstützung von den Eltern und die Beiträge fallen tiefer aus.

Von gewissen Vergünstigungen, etwa in der Mobilität, können nur junge Studierende profitieren. Die durchschnittlich älteren FH-Studis gehen leer aus.

Ein Beispiel: Bis 25 kostet ein 2.-Klasse-GA 2780 Franken. Für 25-Jährige kostet es bereits 3495 Franken. Wer über 25 ist, zahlt den vollen Preis, also 3995 Franken – egal, ob er noch studiert.

Stipendien reichen oft nicht aus

Nebenjobs bleiben für viele unverzichtbar. Diem betont zudem die Bedeutung von Stipendien. Diese reichten oft nicht aus, um den Lebensunterhalt ohne Nebenjob zu sichern.

Das könne dazu führen, dass zeitintensive Studiengänge oder Hochschulen wie die ETH für finanziell schwächere Studierende weniger attraktiv werden.

Kommentare

User #4640 (nicht angemeldet)

Handwerk hat goldenen Boden und sichere Zukunft.

User #5570 (nicht angemeldet)

Wer Geld fürs nichts tun erhalten will muss aufs sozialamt, nicht auf die Uni... Kann denn heute noch irgendjemand Kopfrechnen?

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