Polizei hat Aufnahmen von 250 öffentlichen Kameras gelöscht
Die Polizei von Crans-Montana hat die Videoaufnahmen aus der Unglücksnacht gesichert. Weitere Aufnahmen rund um die Nacht wurden jedoch automatisch gelöscht.

Das Wichtigste in Kürze
- Laut dem Polizeikommandanten von Crans-Montana wurden Aufnahmen von 250 Kameras gelöscht.
- Dabei handelt es sich vorwiegend um Aufnahmen vor- und nach der Katastrophe.
- Die Aufnahmen aus der Unglücksnacht selbst hat die Gemeindepolizei gesichert.
Immer stärker werden öffentliche Bereiche per Videokameras überwacht. Nicht selten dienen Videoaufnahmen deshalb bei Straftaten als starkes Beweismittel.
Auch bei den Ermittlungen zur Brandkatastrophe von Crans-Montana in der Neujahrsnacht könnten Videoaufnahmen eine bedeutende Rolle spielen.
Sowohl Aufnahmen von Kameras in der Bar selbst als auch von öffentlichen Kameras ausserhalb des Gebäudes und in der Umgebung.
Dabei gibt es jedoch einen Haken: Die Kameras in der Bar «Le Constellation» sind kurz vor dem Ausbruch des Feuers ausgefallen.
Wie sich jetzt herausstellt, hat die Gemeindepolizei laut «NZZ»-Recherchen zudem Bilder von mindestens 250 Kameras gelöscht.
Polizei sicherte Aufnahmen erst ab Mitternacht
Das geht aus einem Brief des Polizeikommandanten von Crans-Montana, Yves Sauvain, an die Walliser Staatsanwaltschaft hervor. Die Polizei hat die Bilder laut Brief erst ab dem 1. Januar ab Mitternacht bis sechs Uhr morgens gesichert.
Der Zeitraum der Brandkatastrophe um 1 Uhr 26 ist damit zwar eingeschlossen. Doch die Staatsanwaltschaft wollte auch weitere Aufnahmen haben. So zum Beispiel Bilder vom Abend davor oder solche vom darauffolgenden Tag.
In Sonderfällen müssen Aufnahmen eigentlich länger aufbewahrt werden
Sowohl das Polizeireglement als auch der Datenschutzbeauftragte sehen bei Sonderfällen eine längere Aufbewahrungsfrist von Videoaufnahmen vor.
Es ist jedoch unklar, ob die Polizei aktiv von der Staatsanwaltschaft dazu aufgefordert werden muss, die Aufnahmen länger zu speichern.
Laut dem Polizeikommandanten hat sich die Staatsanwaltschaft erst am 15. Januar bezüglich der Aufnahmen gemeldet. Also erst eine Woche nach der automatischen Löschung der Aufnahmen.
Barbetreiber erwähnt Videokameras in Google-Rezensionen
Die Katastrophen-Bar in Crans-Montana wurde per Videokameras überwacht. Das zeigen auch Antworten der Barbetreiber auf Google-Rezensionen.
Mehrfach wird dabei auf Videoaufnahmen verwiesen, die das Geschehen genau überwachen.

Auf eine Beschwerde eines Gastes reagierten die Betreiber beispielsweise mit: «Auf Ihr Drängen hin haben wir die Aufnahmen der Überwachungskamera überprüft, und sie bestätigen unsere Aussage: Sie haben bezahlt, was Sie getrunken haben!»
Kameras fielen drei Minuten vor dem Brand aus
Gemäss Ermittlungsakten, die der «Bild» vorliegen, gab es elf Überwachungskameras in der Bar.
Wenige Minuten vor Ausbruch des Feuers seien diese jedoch alle abgebrochen. «Zu diesem Zeitpunkt hat sich das System aufgehängt. Ich kann es nicht mehr zurücksetzen», sagte Jacques Moretti zur Polizei.
In der verheerenden Brandkatastrophe an Silvester in der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana kamen insgesamt 40 junge Menschen ums Leben. Über hundert weitere wurden verletzt, viele davon erlitten schwere Brandverletzungen.


















