Barchef (28): «Ich erinnere mich an die ersten Schreie»
Nach dem tödlichen Bar-Brand in Crans-Montana dauert die Aufarbeitung weiter an. Nau.ch informiert im Ticker über die neusten Ereignisse.

Das Wichtigste in Kürze
- In Crans-Montana starben in der Neujahrsnacht 40 Menschen bei einem Barbrand.
- Seither dauert die Aufarbeitung des Vorfalls an.
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In der verheerenden Brandkatastrophe an Silvester in der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana kamen insgesamt 40 junge Menschen ums Leben.
Mittlerweile wurde das Inferno-Ehepaar, dem die Bar gehört, befragt. Der Wirt Jacques Moretti befand sich zeitweise in Untersuchungshaft und wurde kürzlich gegen Kaution freigelassen.
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Barchef äussert sich zur Brandnacht
09.45: Nach drei Wochen Pflege wurde Gaëtan T. kürzlich aus dem Spital entlassen. Der 28-Jährige arbeitete in der Brandnacht als Barchef im Obergeschoss der «Le Constellation».
Als das Feuer ausbrach, sei er in das Untergeschoss gelaufen. Auf dem Weg dahin habe er das Bewusstsein verloren, erzählt er dem französischen Sender «BFMTV».

«Ich erinnere mich an die ersten Schreie. Ich wurde von einem Gefühl der Panik überwältigt», so T. «Ich weiss noch, dass ich versucht habe, mich mit dem Arm zu schützen, um so wenig Rauch wie möglich einzuatmen, und eine Person herauszuziehen.»
Er wisse gar nicht, wie er aus der Bar gekommen sei. T. erlitt eine Rauchvergiftung und Verbrennungen. Erst eine Woche nach dem Vorfall wachte er in Lausanne auf. «Ich habe meine Mutter kaum erkannt, konnte schlecht sprechen», erzählt er.
T. habe schon vor Silvester kündigen wollen, die Arbeit in der Bar gefiel ihm nicht. Wenige Tage vor der Tragödie habe er sich bei seinem Vater beschwert, dass so viele Minderjährige in das Lokal gelassen wurden.
Walliser und italienische Ermittler treffen sich laut Botschafter
08.30: Die Walliser Staatsanwaltschaft baut die Zusammenarbeit im Fall Crans-Montana aus. Mitte Februar will sie sich zusammen mit dem Schweizer Botschafter, Roberto Balzaretti, in Rom mit der römischen Staatsanwaltschaft treffen.
«Die Zusammenarbeit der Justizbehörden Italiens und der Schweiz im Fall Crans-Montana läuft bereits.» Das sagte Balzaretti in einem Interview mit CH Media.
Das Treffen solle auf technischer Ebene stattfinden, sagte Balzaretti auch in einem ebenfalls am Mittwoch erschienenen Interview mit «Le Temps».
Zeitpunkt des Treffens sei keine Verzögerung
Um ein solches Treffen habe Italien gebeten, noch bevor über das Rechtshilfeersuchen entschieden werde, sagte er den Zeitungen.
Der Zeitpunkt des Treffens Mitte Februar sei keine «Verzögerung seitens der Schweiz». «Sondern das erste mögliche Datum für die Staatsanwaltschaft Rom», sagte der Botschafter zu CH Media.
Die Staatsanwaltschaft in Rom hatte am 13. Januar ein Rechtshilfeersuchen an die Schweiz gerichtet. Das Bundesamt für Justiz habe dieses am darauf folgenden Tag an die Walliser Staatsanwaltschaft übermittelt. Das teilte das Bundesamt am Dienstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA mit.
Die Walliser Justizbehörde wolle bis spätestens Ende dieser Woche auf das italienische Ersuchen eintreten.
Die beiden Strafverfolgungsbehörden haben gemäss dem Bundesamt für Justiz auch die Möglichkeit, sich für die Ermittlung zu gemeinsamen Ermittlungsgruppen zusammenzuschliessen. Solch ein Zusammenschluss sei ein übliches Vorgehen.
Italien forderte gemeinsame Ermittlungen
Der Bundesrat begrüsse ausdrücklich gemeinsame Ermittlungsgruppen, sagte Bundesratssprecherin Nicole Lamon am Mittwochnachmittag am Rande einer Medienkonferenz in Bern.
Dieses Vorgehen sei bei komplexen Verfahren üblich und erlaube ein effizientes Verfahren. «Auf operativer Ebene hat sich die Zusammenarbeit der Staatsanwälte bisher bewährt.»
Italien hatte am Montag gemeinsame Ermittlungen gefordert. Der italienische Botschafter in der Schweiz, Gian Lorenzo Cornado, wurde nach Rom zurückgerufen. Dort wurde er von der italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni empfangen.
Cornados Rückkehr nach Bern wurde von der Bildung einer gemeinsamen Ermittlungsgruppe abhängig gemacht.
«Es gibt keine zwischenstaatliche Krise», sagte Balzaretti von CH Media darauf angesprochen.
Italiens Aussenminister Antonio Tajani habe gesagt, dass es kein diplomatisches Problem mit der Schweiz gebe. Vielmehr gebe es Probleme mit bestimmten Entscheidungen der Walliser Justiz, sagte der Botschafter zu «Le Temps».
Er fügte an: «Das ist übrigens das Äusserste, was man als Politiker angesichts der Gewaltenteilung gegenüber einem Rechtsorgan sagen kann.»
Der Bund nahm die Bitte Italiens zur Kenntnis. Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten verwies darauf, dass dies in der Zuständigkeit der Walliser Justiz liege.

















