Streit um Biennale: Italien will russischen Pavillon «einfrieren»
Der Streit um Russlands Teilnahme an der im Mai beginnenden Kunstbiennale in Venedig spitzt sich weiter zu. Die italienische Regierung prüft derzeit die Möglichkeit, den russischen Pavillon «einzufrieren» – ähnlich wie Vermögenswerte wie Jachten, Luxusvillen und Bankkonten, die von der EU nach der Invasion der Ukraine vor vier Jahren gegen russische Oligarchen blockiert wurden.

Der Streit um Russlands Teilnahme an der im Mai beginnenden Kunstbiennale in Venedig spitzt sich weiter zu. Die italienische Regierung prüft derzeit die Möglichkeit, den russischen Pavillon «einzufrieren» – ähnlich wie Vermögenswerte wie Jachten, Luxusvillen und Bankkonten, die von der EU nach der Invasion der Ukraine vor vier Jahren gegen russische Oligarchen blockiert wurden. Auch Israels Ausschluss an der Kunstbiennale wird gefordert.
Damit könnte Rom Russlands Teilnahme an der Biennale verhindern, berichtete die Mailänder Tageszeitung «Corriere della Sera». Der russische Pavillon soll nach mehr als vier Jahren Pause am 9. Mai im Rahmen der 61. Internationalen Kunstausstellung wiedereröffnet werden.
Kulturminister versus Biennale-Präsident
Seit Tagen herrscht ein offenes Kräftemessen zwischen dem italienischen Kulturminister Alessandro Giuli, der sich gegen eine Teilnahme Russlands stellt, und dem Präsidenten der Biennale, Pietrangelo Buttafuoco. «Keine Vorschrift wurde verletzt, und die Sanktionen gegen die Russische Föderation wurden vollständig eingehalten, wie es unsere Pflicht ist», heisst es in einem Begleitschreiben. Die Biennale von Venedig hat damit am Dienstag dem Kulturministerium die gesamte angeforderte Dokumentation zum russischen Pavillon übermittelt. Giuli hatte die Unterlagen bereits am Freitag «dringend» angefordert.
Seit Dienstag prüfen Fachleute des Kulturministeriums in Rom die Dokumente, um mögliche kritische Punkte zu identifizieren, die eine neue Sanktionsanfrage an die EU rechtfertigen könnten. Ziel ist es zu verhindern, dass Russland trotz der vehementen Proteste aus der Ukraine in Venedig vertreten ist. «Das ist inakzeptabel», hatte die ukrainische Kulturministerin und stellvertretende Ministerpräsidentin Tetjana Bereschna kürzlich in einem vertraulichen Gespräch mit Giuli erklärt.
Offener Konflikt
Der Konflikt zwischen Giuli und Buttafuoco ist inzwischen offen ausgebrochen. Sichtbar wird dies wahrscheinlich auch am Donnerstag in Venedig, wenn in den Giardini der Biennale die Zeremonie zum Abschluss der vom Kulturministerium finanzierten Restaurierung des Zentralpavillons stattfindet. Medienberichten zufolge erwägt Giuli, der Veranstaltung fernzubleiben.
Der Fall sorgt zudem für Spannungen innerhalb der Regierungskoalition von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni. Vizepremier und Lega-Chef Matteo Salvini hat erneut klar Position bezogen und Buttafuoco unterstützt. Nach einem Telefonat mit ihm erklärte er: «Die Biennale ist eine autonome Einrichtung. Kultur, Kunst, Musik, Theater und Sport sollen verbinden, nicht ausschliessen. Pietrangelo Buttafuoco tut gut daran, die Autonomie der Institution zu verteidigen. Ich mag Zensur nie.»
Auch Israels Ausschluss gefordert
Neben den Spannungen rund um Russland eröffnet sich im Vorfeld der Kunstbiennale von Venedig ein weiterer Konfliktherd: die Teilnahme Israels. Künstler, Kuratoren und Kulturschaffende fordern den Ausschluss Israels. Der Protest wird vom internationalen Kollektiv ANGA («Art Not Genocide Alliance») koordiniert, das seit Jahren die Teilnahme Israels an kulturellen Plattformen kritisiert. Die Gruppe hatte bereits 2024 die Schliessung des israelischen Pavillons in den Giardini von Venedig erreicht.
Nun wächst der Druck in Form eines offenen Briefes an den Präsidenten der Biennale mit 200 Unterschriften von Künstlern, Kuratoren und weiteren Beteiligten der im Mai beginnenden Ausstellung. Im Brief heisst es, es sei nicht hinnehmbar, dass die Biennale einem Staat Raum gebe, der nach Ansicht der Unterzeichner «Völkermord, ethnische Säuberung und Apartheid» betreibe.
Zudem verweist der Brief auf Gewalt gegen palästinensische Künstler und kulturelle Einrichtungen und betont, dass auch das kulturelle Leben von den Konflikten betroffen sei. Das Dokument fordert die Biennale auf, «Israel nicht als kulturellen Akteur zu legitimieren». Kunst könne nicht von den menschlichen und zivilen Werten getrennt werden, die sie verkörpere.
Der israelische Pavillon in den Giardini wird derzeit renoviert. Die israelische Ausstellung soll daher ins Arsenale verlegt werden. Die Biennale erklärte, dass sie «die Teilnahme der von der italienischen Republik anerkannten Staaten gewährleistet, sofern diese dies beantragen».
Brand in serbischem Pavillon
Und auch abseits geopolitischer Spannungen sieht sich die Biennale aktuell mit Herausforderungen konfrontiert: Am Mittwoch ist am Dach des serbischen Pavillons der im Mai beginnenden Kunstbiennale von Venedig ein Brand ausgebrochen. Eine grosse, dunkle Rauchwolke war über der Lagunenstadt sichtbar. Die Feuerwehr reagierte rasch, nachdem kurz vor 10 Uhr Alarm ausgelöst worden war. Starker Wind erschwerte die Löscharbeiten, da bereits gelöschte Glutherde immer wieder aufflammten und die Einsatzkräfte mehrfach eingreifen mussten.
Berichten zufolge griff das Feuer weder auf die Inneneinrichtung noch auf die Ausstellung oder umliegende Gebäude über. Verletzte wurden nicht gemeldet.










