Ein drohender Massenexodus von Pflegefachpersonen ist das zentrale Thema des Internationalen Tages der Pflege vom Mittwoch.
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In der Pflege bleibt die Situation auch nach der Hochphase des Coronavirus alles andere als entspannt. - sda - KEYSTONE/PETER SCHNEIDER
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Das Wichtigste in Kürze

  • Pflegeverbände befürchten einen Massenexodus von Pflegefachpersonen wegen der Pandemie.
  • Durch die immensen Belastungen könnten drei Millionen Personen den Beruf wechseln.
  • Die Unia fordert endlich mehr Respekt und Anerkennung für diesen Beruf.

Ein drohender Massenexodus von Pflegefachpersonen ist das zentrale Thema des Internationalen Tages der Pflege vom Mittwoch. Auch in der Schweiz müssten sich die Arbeitsbedingungen des Pflegepersonals verbessern, soll sich der Personalmangel nicht noch beschleunigen.

Das schreibt der Schweizerische Berufsverband der Pflegefachpersonen (SBK) in einer Mitteilung zum Internationalen Tag der Pflege. In der Schweiz wird dieser gemäss Angaben der Gewerkschaft Unia unter dem Motto «Applaus ist nicht genug» mit dezentralen Aktionen in elf Städten begangen.

Bundesrat Alain Berset hat am Mittwoch zum Internationalen Tag der Pflege die Leistung des Gesundheitspersonals gewürdigt. Schon immer leisteten Pflegende «Gewaltiges - und seit über einem Jahr erst recht», hielt der Gesundheitsminister auf Twitter fest.

Verschiedene Sektionen des SBK führen Protestmärsche durch, sogenannte «Walks of Care». Zudem findet gleichentags im Beisein von Bundespräsident Guy Parmelin der virtuelle Kongress des SBK statt. Anne Lévy, Direktorin des Bundesamtes für Gesundheit (BAG), wird über die Bedeutung der Pflege sprechen.

«Applaus ist nicht genug» – Mehr Respekt und Anerkennung

Es brauche endlich mehr Respekt und Anerkennung für diesen mehrheitlich weiblichen Beruf, fordert Unia. Die Löhne entsprächen in keiner Weise der hohen Verantwortung und der täglichen Leistung, die die Pflegenden tragen und erbringen.

Laut dem SBK warnt der International Council of Nurses (ICN) vor einem globalen Mangel an Pflegefachleuten. Die immensen Belastungen durch die Covid-Pandemie könnten dazu führen, dass drei Millionen Pflegefachleute den Beruf verlassen.

Pflegefachleute
Die Pflegefachleute wollen Taten statt Worte sehen. Sie fordern die National- und Ständeräte in einem offenen Brief auf, die Situation in der Pflege zu verbessern. (Archivbild) - Keystone

Auch in der Schweiz mehren sich laut SBK die Hinweise, dass die Berufsausstiegsquote nach der Pandemie zunehmen wird. Bereits vor der Pandemie sind laut SBK-Geschäftsführerin Yvonne Ribi fast die Hälfte der ausgebildeten Pflegefachpersonen aus dem Beruf ausgestiegen, viele vor ihren 35. Geburtstag. Dabei fehlen laut SBK bis 2030 rund 65'000 zusätzliche Pflegende.

Die Pflegenden haben am Mittwoch gemeinsam mit der Unia vier Forderungen: einen verstärkten Gesundheitsschutz über die Krise hinaus, höhere Stellenschlüssel und mehr Lohn, eine solidarische und faire Pflegefinanzierung und die Umsetzung der Pflegeinitiative.

Das Eidgenössische Parlament ist den Initianten im März mit einem indirekten Gegenvorschlag auf halbem Weg entgegengekommen. Kern des Gegenvorschlags ist eine Ausbildungsoffensive. Deren Kosten belaufen sich für den Bund auf 469 Millionen Franken. Mehr Lohn soll es aber nicht geben, dies sei Sache der Sozialpartner.

Vier von fünf Pflegeverbände melden gesundheitliche Probleme bei Pflegepersonal

Der Bundesrat lehnte die Pflegeinitiative ohne Gegenvorschlag ab. Aus seiner Sicht genügt der bestehende Verfassungsartikel zur medizinischen Grundversorgung, um die Pflege zu stärken. Die Initiative wird in der Sommersession fertig behandelt.

Guy Parmelin Indonesien
Bundesrat Guy Parmelin an einer Medienkonferenz in Bern. - Keystone

Die permanente Überlastung fordert auch international ihren Tribut. Laut ICN melden vier von fünf nationalen Pflegeverbänden gesundheitliche Probleme bei ihrem Pflegepersonal. Die Rede ist von Erschöpfung, Burnout, Depression, Schlafstörungen und ähnlichem.

In mehreren Ländern sei Pflegepersonal zudem Opfer von Diskriminierung und Gewalt. So werde ihm etwa unterstellt, es verbreite das Coronavirus. Mindestens 2700 Pflegefachpersonen seien überdies weltweit an oder mit dem Coronavirus gestorben.

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