Die ausserordentliche Lage im Jahr 2020 hatte einen positiven Effekt auf die Kriminalität, im Bereich der häuslichen Gewalt führte sie jedoch zu einem Anstieg.
Demonstration Bern
Ein Demonstrant steht zwei Polizisten bei einer Demonstration in Bern gegenüber. (Symbolbild) - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Im Jahr 2020 registrierte die Polizei schweizweit weniger kriminelle Handlungen.
  • Einen starken Rückgang der Straftaten gab es während der ausserordentlichen Lage.
  • Allerdings kam es während des Lockdowns zu mehr Fällen von häuslicher Gewalt.

Die Zahl der Straftaten ist im Pandemiejahr 2020 zwar zurückgegangen, wie der am Montag publizierte Jahresbericht der polizeilichen Kriminalstatistik zeigt. Vor allem während der ausserordentlichen Lage war der Rückgang auffallend. Zugenommen haben hingegen die versuchten Tötungsdelikte, die Vergewaltigungen und die schweren Körperverletzungen.

Die Polizei erfasste weniger Widerhandlungen gegen das Strafgesetzbuch (–2,4 Prozent), gegen das Betäubungsmittelgesetz (–9,4 Prozent) und gegen das Ausländer- und Integrationsgesetz (–11,5 Prozent).

Drohungen gegen Behörden und Beamte

Der Bundesrat hat im Kampf gegen das Coronavirus die Freiheit der Bürger massiv beschränkt. Den Unmut darüber haben unter anderem die Beamten zu spüren gekriegt.

2020 wurden mit 3514 Verzeigungen wegen Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte ein neuer Höchstwert in den letzten zehn Jahren verzeichnet. Am meisten Fälle wurde wenig überraschend in Bern registriert. Danach folgen die Städte Biel, Basel und Luzern.

Lockdown grenzt Kriminalität ein

Bei bestimmten Straftatbeständen sind diese rückläufigen Zahlen teilweise auf die vom Bundesrat ausgerufene ausserordentliche Lage zurückzuführen.

Statistik Kriminalität
Die Vergehen gegen das Strafgesetzbuch gingen während der ausserordentlichen Lage stark zurück. - BfS

Während der ausserordentlichen Lage beträgt der Rückgang der Widerhandlungen gegen das Strafgesetzbuch 21 Prozent. Anzeigen wegen Missachtung des Betäubungsmittelgesetzes gingen um 14 Prozent zurück.

Coronavirus
Die Statistik zur häuslichen Gewalt während der ausserordentliche Lage im Jahr 2020. - BfS

Allerdings wurde in diesem Zeitraum ein Anstieg bei der häuslichen Gewalt von 5 Prozent registriert. Hier ist aber zu beachten, dass diese Verzeigungen nicht mit polizeilichen Interventionen gleichgesetzt werden dürfen, denn diese führen nicht zwingend zu einer Anzeige.

Weniger Straftaten aber mehr schwere Gewalt

Im Jahr 2020 wurden 47 Menschen Opfer eines Tötungsdeliktes, eine Person mehr als 2019. Im häuslichen Bereich wurden 28 Tötungsdelikte verübt. Bei elf dieser 28 Todesopfer handelte es sich um Frauen, die von ihrem aktuellen oder ehemaligen Partner getötet wurden, und bei neun um Kinder, die von einem Elternteil getötet wurden.

Vergewaltigungen
Die Zahl der Vergewaltigungen hat im vergangenen Jahr zugenommen. (Symbolbild) - Keystone

2020 wurden 1668 schwere Gewaltstraftaten verzeigt; das sind 137 Straftaten bzw. 8,9 Prozent mehr als 2019 (1531 Straftaten). Der Anstieg ist insbesondere auf die Zunahme der versuchten Tötungsdelikte (+45 Straftaten), der Vergewaltigung (+34) und der schweren Körperverletzung (+32) zurückzuführen.

Gewaltstraftaten
Die hohe Anzahl Gewaltraftaten in der KW 25 lässt sich auf über 250 Nötigungen, die im Rahmen einer unbewilligten Demonstration vom 20. Juni 2020 in der Stadt Zürich rapporiert wurden, zurückführen. - BfS

Von allen vollendeten Tötungsdelikten im Jahr 2020 wurden 59,6 Prozent bzw. 28 Straftaten im häuslichen Bereich verübt. Dieser Wert liegt über dem Durchschnitt der letzten Jahre.

Rund 90 Einbruch- und Einschleichdiebstähle pro Tag

2020 wurden schweizweit 32'819 Einbruch- und Einschleichdiebstähle registriert. Das sind 9,9 Prozent weniger als 2019. Seit 2012 ist ihre Anzahl konstant rückläufig.

E-Bike akkumulator elektrofahrrad
Ein E-Bike. (Symbolbild) - Keystone

Die meisten Arten von Diebstahl sind im letzten Jahr zurückgegangen. So sank die Zahl der Taschendiebstähle um mehr als 28 Prozent. Es wurde aber vermehrt in Fahrzeuge eingebrochen und Gegenstände daraus gestohlen. Es wurde ausserdem über 6000 E-Bike-Diebstähle gemeldet, was einem Anstieg von 37 Prozent entspricht.

Erstmals Statistik zu Cyberkriminalität

Erstmals weist der Jahresbericht die Cyberkriminalität separat aus, weshalb keine Vergleiche mit dem Vorjahr möglich sind.

Social Media
Ein Social Media Team der Polizei geht gegen Kriminalität im Internet vor. (Symbolbild) - dpa

Im Jahr 2020 wurden von der Polizei 24'398 Straftaten mit einer digitalen Komponente registriert. Gemäss den ersten Ergebnissen der PKS des Bundesamtes für Statistik (BFS) betraf die grosse Mehrheit Cyberbetrug (16'395 Straftaten), zu dem unter anderem betrügerische Machenschaften in Zusammenhang mit Online-Shops, Immobilienanzeigen oder Vortäuschen einer Liebesbeziehung gehören.

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