Karin Keller-Sutter verbringt Freizeit mit Boxen
Zollverhandlungen mit Trump, hitzige Polit-Debatten, der Verlust des Bruders: Karin Keller-Sutter (62) hatte ein forderndes Jahr. Ihr Ausgleich? Der Boxkeller.

Das Wichtigste in Kürze
- Karin Keller-Sutter boxt jeden Montag im Keller und schätzt den Drill als Ausgleich.
- Für die Bundesrätin ist Boxen eine Frage von Koordination, Defensive und Kontrolle.
- In «Persönlich» blickt die Ostschweizerin auf ihr bewegtes Präsidialjahr zurück.
Wer Karin Keller-Sutter an einem Montagabend sucht, findet sie nicht im Büro – sondern im Boxkeller. Dort übt die Finanzministerin regelmässig mit ihrem Trainer verschiedene Schlagkombinationen.
Was auf den ersten Blick überrascht, ergibt bei näherem Hinsehen Sinn: In einem Job, in dem ständig alle etwas von ihr wollen, ist der Boxkeller einer der wenigen Orte, an dem sie einfach nur sie selbst sein darf.
«Kann dabei total abschalten»
«Einfach hinstehen geht nicht», sagt die 62-Jährige in der SRF-Sendung «Persönlich» über ihr Hobby. Man müsse wissen, wie man offensiv und defensiv boxe. Da könne es auch mal sein, dass man eine halbe Stunde lang dieselben Kombinationen abrufe. «Das ist Drill. Ich schätze das, weil ich dabei total abschalten kann.»
Für Keller-Sutter ist Boxen weit mehr als blosses Draufhauen: «Boxen ist mehr als nur ‹schlegeln›.» Die Koordination sei sehr anspruchsvoll. «Den Gegner muss man kontrollieren können und die Defensive gut beherrschen, um im entscheidenden Moment richtig zuzuschlagen.»

Ihre Fäuste bringe sie in der Politik aber nur geistig ins Spiel, fügt sie lachend an. Übrigens: Im Boxkeller sei auch das Du selbstverständlich. «Wir duzen uns. Ich boxe ja, und im Boxkeller sagen sich auch alle Du.»
Als Bundesrätin auch in den Ferien im Einsatz
Dass die Magistratin etwas gefunden hat, bei dem sie «total abschalten kann», ist ihr umso wichtiger, da sie dies nicht einmal in den Ferien schafft. Sie telefoniere täglich mit ihrem Büro, lese Zeitungen und beantworte Mails. Es gebe auch in den Ferien Tage, die «strub» seien.
Keller-Sutter zitiert ihren ehemaligen Bundesratskollegen Didier Burkhalter: «Man ist immer Bundesrat – das ist wie eine zweite Haut.» Damit müsse man sich arrangieren – auch aus Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitenden.

Die ruhigen Momente verbringe sie am liebsten mit einem Buch oder draussen am Meer. Im Winter auf der Piste findet man Karin Keller-Sutter hingegen nicht. Auf die Frage, ob sie Skifahren könne, antwortet die Ostschweizerin mit einem knappen: «Nein».
Für Lacher sorgt dieser Moment, weil neben ihr der aktuell beste Skifahrer der Welt sitzt: Marco Odermatt. Der zweite Studiogast kann seinen Ohren kaum trauen und meint schelmisch: «Katastrophe!»
Schwieriges Präsidialjahr – und ein besonderer Moment
Der Rückblick auf ihr Präsidialjahr 2025 ist für die Bundesrätin bewegend. Es war ein besonders forderndes Jahr: Zollgespräche mit Donald Trump, hitzige Diskussionen um das Entlastungspaket – und im Herbst der Verlust ihres ältesten Bruders.
Sie habe gelernt, viel auszuhalten und mental stark zu sein: «Ich kann mich relativ schnell wieder motivieren und Abstand gewinnen.» Der plötzliche Tod ihres Bruders habe vieles relativiert.

Mache man einen Schritt zurück, sehe man, was im Leben wichtig sei: Beziehungen, Austausch und Liebe. Doch das Jahr hatte auch Highlights. «Das Schönste für mich war die Begegnung mit dem Papst», erwähnt Keller-Sutter.












