Jugendliche schlafen immer weniger – nicht nur wegen Bildschirmzeit
Immer mehr Jugendliche schlafen zu wenig. Die Bildschirmzeit hat dabei einen kleineren Einfluss als bisher angenommen. Ein späterer Schulstart soll helfen.

Das Wichtigste in Kürze
- Über 75 Prozent der befragten US-Schüler geben an, weniger als sieben Stunden zu schlafen.
- Der zunehmende Schlafmangel hat jedoch nicht unbedingt mit der Bildschirmnutzung zu tun.
- Ein möglicher Lösungsansatz, um das Problem anzugehen, ist ein späterer Schulstart.
Die Zahlen sind beunruhigend: Über 75 Prozent der Schülerinnen und Schüler an US-High-Schools gaben 2023 an, an Schultagen höchstens sieben Stunden zu schlafen.
Die Analyse zeigt weiter: 23 Prozent schlafen sogar nur maximal fünf Stunden. Im Vergleich zum Jahr 2007 sind die Zahlen von Jugendlichen mit Schlafmangel deutlich gestiegen.
Der Trend entwickelt sich in eine ungesunde Richtung, zieht man die empfohlene Schlafdauer dieser Altersgruppe in Betracht.
Die Empfehlungen liegen bei Jugendlichen bei acht bis zehn Stunden Schlaf pro Nacht. Eine ausreichende Schlafdauer bewirkt weit mehr, als nur zu verhindern, dass Jugendliche am nächsten Tag in der Schule einschlafen.
Ausreichend Schlaf ist notwendig, um Eindrücke des Tages zu verarbeiten, das Immunsystem zu stärken und Stoffwechselprodukte aus dem Gehirn abzubauen. Chronischer Schlafmangel hingegen verursacht beispielsweise ein erhöhtes Depressionsrisiko.
Der zunehmende Schlafmangel ist somit wohl mitverantwortlich für die steigenden mentalen Probleme der jungen Generation.
Laut der Analysen ist jedoch auch umgekehrt eine Kausalität erkennbar: Wer depressive Symptome oder Suizidgedanken hat, schläft weniger.
Ausreichend Schlaf bei Jugendlichen besonders wichtig
Besonders im Jugendalter ist ausreichend Schlaf wichtig, schreibt «Der Standard». In dieser Lebensphase befinde sich das Gehirn in einer intensiven Entwicklung. Zudem verschiebe sich oftmals der natürliche Schlafrhythmus nach hinten.
Eine neue Metaanalyse im Fachblatt «JAMA Pediatrics» hat 25 US-Studien mit über 4500 Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen ausgewertet.
Anders als zunächst vermutet, ist der Zusammenhang zwischen Bildschirmzeit und Schlaf anders als angenommen.
Bildschirmzeit beeinflusst Schlafqualität nicht negativ
Zwar gehen Jugendliche an Tagen intensiver Bildschirmnutzung etwas später ins Bett, schlafen jedoch nicht schlechter oder kürzer.
Klar, die Schlafdauer verkürzt sich, wenn Jugendliche später ins Bett gehen. Die Bildschirmnutzung ist jedoch nicht der einzige Grund, warum Schülerinnen und Schüler später ins Bett gehen.
Warum schlafen Jugendliche immer weniger?
Andere Erklärungsansätze der Forschenden sind steigende schulische Anforderungen, dichteres Freizeitprogramm, sozialer Druck und veränderte Alltagsroutinen.
Ein möglicher Lösungsansatz: Späterer Schulbeginn. Wie die österreichische Zeitung berichtet, zeigen Studien, dass dies positive Effekte auf Aufmerksamkeit, Stimmung und schulische Leistungen hat.
Auch in der Schweiz wurde eine Studie zu späterem Unterrichtsbeginn durchgeführt. Da dies die Leistungen der Schüler positiv beeinflusste, wird nun in verschiedenen Kantonen über einen späteren Unterrichtsbeginn diskutiert.
Belegt werden konnte, dass bei späterem Schulbeginn die schulischen Leistungen stiegen. Die effektive Schlafdauer von Schweizer Jugendlichen wurde im Rahmen der Studie nicht erfasst.

















