Leist-Präsident: «Im Breitsch läuft immer etwas!»

Peter Widmer
Peter Widmer

Bern,

Der Breitenrain ist ein beliebtes Wohnquartier im Norden von Bern. Leist-Präsident Thomas Ingold schwärmt: «Hier läuft immer etwas!»

Thomas Ingold
Leistpräsident Thomas Ingold. - Daniel Zaugg

«Grüessech im Breitsch!» Mit diesem typisch bernischen Gruss empfängt der Leist Bern-Nord die Nutzerinnen und Nutzer auf ihrer neugestalteten Webseite leist-bern-nord.ch.

Der Breitenrain – von Bernerinnen und Bernern auch gerne «Breitsch» genannt – ist ein beliebtes Wohnquartier im Norden der Stadt.

Thomas Ingold, der umtriebige Leistpräsident, ist ein echter «Breitsch-Giel», wie er sich selbst bezeichnet: Er ist im Quartier aufgewachsen, zur Schule gegangen und hat später im Quartier gearbeitet. Nach wie vor lebt er mit seiner Frau im Elternhaus an der Greyerzstrasse.

Der Breitenrain war und ist sein Lebensmittelpunkt. So ist es eigentlich nur logisch, dass er sich im Quartierleist engagiert. Er wollte nach seiner Pensionierung eine sinnstiftende Tätigkeit ausüben und so kann er nun dem Quartier, das ihm seit Jahrzehnten eine hohe Lebensqualität ermöglicht, etwas zurückgeben.

Mitgliederzahl leicht steigend

Was freut ihn an seiner Arbeit als Präsident? «Ich schätze es, dass man konstruktiv im öffentlichen Raum tätig sein kann und man über alle Parteigrenzen hinweg miteinander spricht und zuhört – was manchmal nicht einfach ist», fügt Thomas Ingold mit einem Schmunzeln hinzu.

Thomas Ingold
Thomas Ingold, der umtriebige Leistpräsident, ist ein echter «Breitsch-Giel», wie er sich selbst bezeichnet. - Daniel Zaugg

Aber meist einige man sich auf Kompromisse, um tragfähige Lösungen zu finden. Er verheimlicht aber auch nicht, was ihn ärgert:

«Es betrübt mich, dass sich viele Leute nicht für die Belange im Quartier interessieren, Partikularinteressen kommen vor den gemeinschaftlichen. Was mich auch nicht aufstellt, sind fundamentale, dogmatische und ideologische Haltungen aus allen politischen Richtungen.»

Als Dauerärgernis bezeichnet er die immerwiederkehrenden Schmierereien an Hauswänden – allerdings nicht nur ein Problem im Breitenrain …

Bei der Mitgliederzahl – zurzeit 151 – stellt Präsident Ingold in den letzten 1,5 Jahren wieder eine leichte Steigerung fest. Es sei nicht einfach, dass man mit jungen Mitgliedern die Austritte, meist aus Altersgründen, wieder auffangen könne.

«Mit der neugestalteten Website und mit dem elektronischen Newsletter können wir nun vermehrt auch Junge erreichen», freut sich Ingold.

Engagement für soziale Einrichtungen

An der Hauptversammlung 2026 wurde bei allen Mitgliederkategorien eine moderate Erhöhung der Jahresbeiträge beschlossen, da die Rechnung in den letzten Jahren mit einem Ausgabenüberschuss abschloss.

«Es war unumgänglich, denn der Mitgliederschwund der Vorjahre machte sich bemerkbar, aber auch die steigenden Nebenkosten wie Porti, Saalmieten usw. belasteten die Leistkasse», begründet Thomas Ingold die notwendigen höheren Mitgliederbeiträge.

Aber nun könne für die nächsten Jahre wieder ein ausgeglichenes Budget präsentiert werden, stellt er beruhigt fest. Ein weiterer Ausgabenposten sind die finanziellen Zuwendungen an kulturelle und soziale Einrichtungen.

Wohnst du im Breitenrain?

Der Präsident zählt auf: Projekt Nordstern der Kirchgemeinde Bern-Nord, bei dem soziale und gemeinnützige Institutionen während der Adventszeit durchs Quartier wandern und die Bewohnenden einladen.

Weiter unterstützt der Leist das kleine Kunsthaus am Stauffacherplatz und das Herzogstrassenfest. «Das ergibt Beiträge von insgesamt etwa zweitausend Franken jährlich», resümiert Thomas Ingold.

Damit setzt der Leist seinen Zweckartikel in den Statuten um, der nicht bloss ein «Papiertiger» ist: «Unterstützung gemeinnütziger und kultureller Bestrebungen.»

Geschäftsapéro und Erlebnisausflug

Im Sinne von «weniger ist mehr» organisiert der Leist Bern-Nord neben der Hauptversammlung jährlich lediglich zwei Anlässe: den Geschäftsapéro als Netzwerkevent für die Firmenmitglieder und den Erlebnisausflug für alle Leist-Mitglieder.

Thomas Ingold liefert eine plausible Begründung: «Der Breitenrain ist ein lebhaftes und äusserst aktives Quartier. So organisieren zahlreiche Vereine während des ganzen Jahres Anlässe, da läuft immer etwas! So beschränken wir uns auf die statutarischen Aufgaben und belasten die ehrenamtlich tätigen Vorstandsmitglieder nicht zusätzlich mit der Organisation von Anlässen.»

Aber der Geschäftsapéro und der Erlebnisausflug seien Standard. In diesem Jahr sei ein Besuch des Hauses der Religionen am Europaplatz geplant, verrät der Präsident.

INFO

Der Leist Bern-Nord in Kürze

• Gegründet am 28. Februar 1891 als «Wylerfeldleist»

• 151 Mitglieder, wovon 86 Gewerbebetriebe (Stand April 2026)

• Verein, parteipolitisch und konfessionell unabhängig

• Gegen 16’000 Einwohnende im Leistgebiet

Aufgaben des Leists

• Wahrung und Förderung von öffentlichen Angelegenheiten im Leistgebiet, insbesondere im Bereich der Planung, des Verkehrs und des Bauwesens.

• Unterstützung gemeinnütziger und kultureller Bestrebungen.

• Aufklärung der Öffentlichkeit und Stellungnahme in sachpolitischen Fragen.

• Die Zusammenarbeit mit den Behörden, mit entsprechendem Eingaberecht.

• Die Vertretung der Interessen der Bewohnenden, des Gewerbes, des Handels und der Vereine im Nordquartier.

Newsletter

Erscheint etwa sechsmal jährlich und informiert über das Geschehen im Quartier. Fordern Sie ihn an unter www.leist-bern-nord.ch.

Vorstand

• 7 Mitglieder

• Präsident: Thomas Ingold

Leist-Anlässe

• 15. Oktober 2026: Erlebnisausflug

• 12. November 2026: Geschäftsapéro für das Gewerbe

Mitgliedschaft/Mitgliederbeiträge

• Aufgenommen werden natürliche und juristische Personen, Vereine und Institutionen, welche durch ihren Beitritt die Leistidee fördern und unterstützen.

• Einzelmitglieder: CHF 45.—

• Paare/Familien: CHF 60.—

• Firmen: CHF 100.—

Weitere Infos

leist-bern-nord.ch

In den Vorjahren besuchten die Leistmitglieder die Berufsfeuerwehr, die Sanitätspolizei, die Brauerei Egger in Worb, den BSC YB im Stadion Wankdorf und beobachteten mit einem Ornithologen seltene Vögel im Schosshaldenfriedhof, um nur einige Erlebnisausflüge zu nennen.

Neuordnung Allmenden

Die meisten Anliegen im Bereich Verkehr und Bau bringt der Leist Bern-Nord sowohl in der Quartierkommission DIALOG Nordquartier als auch bei den Stadtbehörden direkt ein.

Thomas Ingold, der mit pointierten Meinungen nicht zurückhält, erachtet es als wichtig und richtig, sich mit einer ständigen Leistvertretung in der Quartierkommission zu beteiligen.

«Wir sind nicht immer der gleichen Auffassung wie die Kommission, aber das gehört zur Meinungsbildung», sagt der Leistpräsident.

Deshalb wendet sich der Leist meist auch an die entsprechenden Direktionen der Stadtverwaltung, «wie es das Gemeindereglement für etablierte Quartierorganisationen vorsieht», ergänzt Thomas Ingold.

So geschehen bei der Neugestaltung des Breitenrainplatzes, bei der Entsiegelung der Optingenstrasse und zuletzt bei der Neuordnung Allmenden.

So unterstützt der Leist Bern-Nord im Rahmen der Mitwirkung zur «Neuordnung Allmenden» die Variante «Allmendband + (Untervariante)». Dazu hat er eine Medienmitteilung verfasst (Auszug):

«Entscheidend ist für den Leist, dass die Allmenden auch künftig offen, vielfältig nutzbar und nicht stärker belastet werden als heute. Gleichzeitig fordert der Leist klare Ankunftsorte, eine bessere Durchwegung sowie ein unterirdisches Parkhaus im Umfeld der Papiermühlestrasse.»

PERSÖNLICH

Thomas Ingold, geboren 1952, wuchs im Berner Breitenrainquartier auf. Nach der Lehre als Maschinenschlosser arbeitete er bei der Wifag AG in Bern. Nach kaufmännischen und technischen Weiterbildungen trat er 1979 in den Bundesdienst ein.

Im VBS war er zunächst im Stab der Gruppe für Generalstabsdienste tätig, später als Chef Mobilmachung der Armee bis zu seiner Pensionierung 2014.

2011 trat er dem Leist Bern-Nord bei, den er seit 2015 präsidiert. Thomas Ingold ist verheiratet, hat zwei Stieftöchter und eine Enkelin und lebt in seinem Elternhaus an der Greyerzstrasse in Bern.

«Zudem fordert er eine deutliche Verbreiterung der Autobahnüberführung über die A6. Wichtig sind auch eine funktionierende Logistik und Eventflächen. Die benötigten Trainingsfelder für den BSC YB sollen realisiert werden. Diese sollen aber nicht ausschliesslich dem BSC YB zur Verfügung stehen.»

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